Wenn die Ehe auseinanderbricht, fällt das Teilen häufig schwer

- Nach zehn Jahren Ehe reichte Petra Boyten die Scheidung ein. Bis dahin hatte sie mit Ehemann und Tochter ein Reihenhaus bewohnt, das sie kurz vor der Hochzeit gekauft hatte. Die Immobilie gehörte ihr, dachte sie. Da es keinen Ehevertrag gab, stand aber ihrem Ehemann die Hälfte des Wertzuwachses des Hauses während der Ehe zu. Was während der Ehe erworben wurde, muss im Falle der Scheidung zur Hälfte des Wertes ausgeglichen werden.

Die Regelung ist gesetzlich festgelegt: Bei einer Scheidung wird zunächst der Zugewinn jedes Ehegatten ermittelt. Das ist der Betrag, um den das Endvermögen eines Partners dessen Anfangsvermögen übersteigt. "Wer mehr angehäuft hat, muss dem anderen die Hälfte des Mehrbetrags abgeben", sagt die Anwältin Nicola Treyde. 

Teurer Ausgleich Das Anfangsvermögen der Frau betrug in unserem Fall 150 000 Euro, ihr Endvermögen 400 000 Euro. Der Ehemann brachte 20 000 Euro mit und hatte als Endvermögen 70 000 Euro. Die Ehefrau hat demnach mit 250 000 Euro um 200 000 Euro mehr Zugewinn erzielt als der Mann. In diesem Fall steht dem Mann ein Ausgleichsanspruch zu, die Hälfte aus der Differenz in Höhe von 200 000 Euro, also 100 000 Euro.

Schulden abgezogen Unter Vermögen fallen alle Positionen, Gegenstände oder Rechte, die einen messbaren wirtschaftlichen Wert besitzen. Nicht dazu gehört Hausrat, der im Eigentum beider Ehegatten steht sowie Versorgungsanwartschaften, da diese durch den Versorgungsausgleich geregelt werden. Verbindlichkeiten, also Darlehen und Schulden, sind mit einzubeziehen. Diese können jedoch in der Regel lediglich bis zur Höhe des Vermögens angerechnet werden. Ein negatives Anfangsvermögen gibt es nicht, ein negatives Endvermögen nur in seltenen Ausnahmefällen.

Erbschaft bleibt Einen Sonderfall bilden Schenkungen und Erbschaften. Erhalten Ehepartner Zuwendungen, die nicht unmittelbar mit der Ehe zusammenhängen, dann gilt: Was sie geschenkt erhalten oder erben, bleibt im Zugewinnausgleich unberücksichtigt -ausgenommen der dadurch entstandene Wertzuwachs etwa bei Immobilien oder Aktiendepots. "Dies gilt aber nicht für Schenkungen oder Zuwendungen, die den Umständen nach zu den Einkünften zu rechnen sind", sagt der Rechtsanwalt Ulrich Germer. Oft werden junge Eheleute von den Eltern mit Geld unterstützt, um sich eine Wohnung einzurichten oder ein Fahrzeug zu kaufen. Dies hat mit dem Eheleben direkt zu tun. Wird vom Geld ein Auto angeschafft, so ist dieser Wert Bestandteil des Zugewinns und somit auszugleichen. "Es sind stets die Umstände des Einzelfalles zu berücksichtigen, vor allem die Beweggründe und der Wille des Schenkenden oder Erblassers", betont Germer. 

Aufrechnen Trotz Trennungsstress sollten Eheleute bei der Teilung des Vermögens niemals unüberlegt handeln. Vor allem das vorschnelle Kündigen einer Lebensversicherung auf Kapitalbasis kann für beide Seiten den Verlust von mehreren tausend Euro bedeuten. "Sinnvoller ist hier ein Güterausgleich, wobei der bestehende Wert der Versicherung gegen andere Werte wie Wertpapiere oder Sparguthaben aufgerechnet wird", rät Ingeborg Rakete- Dombek, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltsverein. 

Policen teilen Alternativen sind auch eine Beitragsfreistellung des Vertrages und spätere Aufteilung oder die Aufteilung des Vertrags in zwei getrennte Policen, wie sie etwa die HUK-Coburg und die Europa gebührenfrei und die Axa gegen Gebühren anbieten.

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