Wenn die Baufirma Pleite geht

München - Schimmel an den Wänden, Risse im Holzboden: Niemand ist da an den man sich wenden kann, weil die Firma Insolvenz angemeldet hat. Wie man sich im Vorfeld schützen kann und wer hilft, wenn die Firma während der Bauphase Pleite geht.

Regenwasser tropft durch die Fenster, das Laminat ist aufgequollen, die Wände schimmeln. "Es ist ein Alptraum", sagt Jochen Wenz. Der 35-Jährige hat sich im Sommer 2006 entschieden, eine sich noch im Rohbau befindliche Doppelhaushälfte in Feldmoching zu kaufen. Kurz vor dem Einzug meldete die Baufirma Insolvenz an.

Zunächst schien der Traum von einem eigenen Haus nicht finanzierbar. "Irgendwann fand ich eins, das nur ein bisschen teurer war als eine Wohnung." Die Kosten: 340 000. "Die Baufirma erschien mir absolut seriös." Somit stand einer Vertragsunterzeichnung nichts im Wege.

Vorher informieren

Markus Saller von der Bayerischen Verbraucherzentrale rät, sich im Vorfeld "genau über die Firma zu informieren". Freunde, Kreditinstitute und Bauberater könnten weiterhelfen und Firmen empfehlen.

In Schritten zahlen

Vor der Fertigstellung des Hauses im Winter 2006/07 forderte die Firma Wenz auf, das restliche Geld zu überweisen. "Sie wollten die Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent umgehen." Er überwies. "Darauf sollte man sich nicht einlassen", warnt Saller. Er rät: "In Bauschritten zahlen. Falls Mängel auftreten, kann die Zahlung eingestellt werden."

Was nach der Überweisung noch gemacht wurde, "war nur Pfusch", sagt Wenz. Er hat versucht, Kontakt mit dem Unternehmer aufzunehmen. "Entweder hat er sich am Telefon verleugnen lassen oder er hatte keine Zeit." Wenz nahm sich einen Anwalt.

Anwalt fragen

"Eine richtige Entscheidung", sagt Saller. Für Bauherren, deren beauftragte Firma Mitten in der Fertigstellung Insolvenz anmeldet, gilt das gleiche. Saller: "Das Wichtigste ist jetzt, aus dem Vertrag zu kommen." Gelingt das, kann sich der Häuslebauer eine neue Firma suchen.

Nicht gleich klagen

Jochen Wenz hat jetzt Firmen aus der Umgebung beauftragt, die Mängel zu beseitigen. Ihm sind dadurch rund 30 000 Euro zusätzliche Kosten entstanden. Er wollte zuerst vor Gericht ziehen, um Geld von der Firma zu bekommen. Davon rät die Verbraucherzentrale ab: "Ist eine Firma insolvent, bringt es nichts. Das kostet nur Geld."

Worauf ist beim Hausbau zu achten? Michael Frikell, Geschäftsführer der Münchner Bauinnung, gibt Tipps.

Herr Frikell, wo kann sich ein Häuslebauer vor Vertragsabschluss schlau machen, ob die Baufirma liquide ist?

Als Einzelperson kann man die Konkursproblematik kaum in den Griff bekommen. Der Bauherr könnte bei seiner Hausbank nachfragen, ob diese Informationen über die Bonität der Baufirma hat. Einen Anspruch hierauf gibt es aber nicht.

Gibt es andere Absicherungen?

Wenn die erste Abschlagszahlung ansteht, könnte ein Bauherr einen Sachverständigen beauftragen, der den Bautenstand begutachtet. Adressen von öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen bekommt man entweder über die Handwerkskammer oder die IHK. Das kostet natürlich etwas. Aber wenn Mängel festgestellt werden, dann kann der Bauherr für die zu erwartenden Mangelbeseitigungskosten einen angemessenen Einbehalt vornehmen.

Worauf ist bei der Auswahl der Baufirma zu achten?

Wir empfehlen Fachfirmen, am besten ortsansässige Innungsbetriebe, die arbeiten in der Regel qualitativ hochwertig. Der Kunde sollte darauf achten, dass die Firma so viele Arbeiten wie möglich selbst ausführt. Wenn Subunternehmen eingebunden werden, und das ist beim Neubau der Fall, sollte sich der Bauherr auch über diese informieren. Der Kunde sollte sich von der Baufirma Referenzen nennen lassen und dort nachfragen, wie zufrieden man dort mit der geleisteten Arbeit war.

Und wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, so wie im geschilderten Fall?

Dann besteht die Möglichkeit eines gerichtlichen Beweisverfahrens oder einer Klage. Als Bauinnung bieten wir bei Beteiligung eines unserer Mitgliedsbetriebe auch Schlichtungsverfahren an. Das ist eine preiswertere Variante zum Gerichtsverfahren. Eine freiwillige Sache für beide Seiten. Die Einigung ist dann vollstreckbar wie ein gerichtliches Urteil.

Das Gespräch führte Kerstin Hamann

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