Versicherungen für Kinder

Wenn die Biene Maja lockt

Auf der Internetseite einer Versicherung – sonst in nüchternem Hellblau gehalten – kichern Biene Maja, ihr knuffiger Freund Willi und Grashüpfer Fips. Die drei kichern nicht einfach so, sie werben für den „Biene Maja Enkel Schutz Brief“. Immer mehr Versicherer halten solche Policen bereit, Verbraucherschützer sind eher skeptisch.

Jeder, dem die Zukunft eines speziellen Kindes am Herzen liegt, könne eine Versicherung zu seinen Gunsten abschließen: „Seien es die Eltern, Paten, Großeltern oder Freunde“, schreibt die Nürnberger Versicherung. Dabei ist an alle Eventualitäten gedacht: „Wenn Ihr Enkelkind fünf Jahre alt ist, können Sie eine monatliche Rente für den Fall einer Schulunfähigkeit vereinbaren“, heißt es.
Statt einem Plüschteddy wird dem Nachwuchs inzwischen immer öfter eine Rentenversicherung in die Wiege gelegt. Die Grundidee: Großeltern, Eltern oder Paten schließen für die Sprösslinge eine private fondsgebundene Rentenversicherung ab. Zunächst sind es auch die Erwachsenen, die Beiträge zahlen. Das Kind soll den Vertrag zu einem vorher festgelegten Termin, meist im Alter zwischen 18 und 27 Jahren, selbst übernehmen. Die über Jahrzehnte gezahlten Beiträge werden vom Versicherer in Fonds angelegt und im Alter wie bei herkömmlichen Rentenpolicen ausgezahlt. Oft werden die Produkte mit Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen kombiniert.
Seit etwa drei Jahren haben viele Versicherer die sogenannten Generationsbrücken in ihr Portfolio aufgenommen. Der Clou sei der Frühstart. „Weil die Enkel nicht vor Ablauf der Frist an das Geld herankommen, können bei einer Laufzeit von 50 bis 60 Jahren große Summen angespart werden“, sagt Julia Hauptmann, Sprecherin der „LV 1871“. Der Münchner Versicherer hat im Vorjahr rund 2700 „Performer-Primus-Pakete“ verkauft. Wer früh genug anfange, könne mit 25 Euro Monatsbeitrag am Ende eine Million Euro ansparen, versprechen auch die Anbieter Aspecta und Nürnberger.
Doch die Rechnung hat einen Haken. Denn niemand kann vorhersagen, ob der Enkel nach seiner Ausbildung Lust und Geld hat, die Police weiterhin zu bedienen. „Die Erfahrung mit anderen langfristigen Versicherungen zeigt, dass über die Hälfte der Verträge nicht bis zum Ende durchgehalten werden“, sagt Christian Gülich vom Bund der Versicherten (BdV). Und ein vorzeitiger Ausstieg kommt häufig teuer: Wer nach wenigen Jahren aufgibt, bekommt in einigen Fällen nicht einmal die eingezahlten Beträge zurück – geschweige denn Gutschriften.
Selbst wenn die Versicherung durchgehalten wird, falle die Rendite oft geringer aus als in den Beispielrechnungen. „Die Prognoserechnungen sind immer zu optimistisch – egal ob bei Kinderversicherungen oder anderen Kapitalversicherungen“, sagt Gülich. Grundsätzlich rät der BdV davon ab, Risikoschutz und Geldanlage zu kombinieren. Getrennte Lösungen seien billiger.
Auch Verbraucherschützer sind von den zahlreichen Teddy-, Bambini-, Biene-Maja- oder Einstein-Zertifikaten nicht begeistert. „Das Problem sind die Vermittlungsgebühren“, sagt Arno Gottschalk, Experte der Verbraucherzentrale Bremen. Die Provisionen lägen in der Regel bei vier bis fünf Prozent und würden gleich zu Beginn abgezogen. „Die ersten zwei bis drei Jahre geht das Geld in den Schornstein, und das potenziert sich natürlich in so vielen Jahren“, erklärt Gottschalk. Hinzu kämen intransparente Verwaltungsgebühren, die von Versicherung zu Versicherung variierten.
Als sinnvolle Alternativen zur Kinderversicherung empfehlen Verbraucherschützer einfache Banksparpläne oder auch Indexfonds, die mit etwas mehr Risiko höhere Erträge abwerfen. Wichtiger als für die Rente des Enkels zu sparen, sei ohnehin, das Kind in jungen Jahren möglichst gut zu fördern, so Verbraucherschützer Gottschalk. Eine gute Ausbildung sei die bessere Zukunfts-Investition als eine private Rentenpolice.

Sebastian Wieschowski

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