Wenn der Durchblick im Zahlendschungel verloren geht

- München - Wenn sich die Rechnungen und Mahnungen schon meterhoch im Zimmer türmen, ist es höchste Zeit zu handeln: Nach jüngsten Schätzungen sind drei Millionen Privathaushalte in Deutschland überschuldet. In der Regel hilft dort nur noch professionelle Beratung. Doch selbst wer immer pünktlich zahlt, kann plötzlich als Risiko-Kunde gelten.

<P>Schufa-Speicherung<BR><BR>Rund 59 Millionen Bundesbürger sind bei der Schufa erfasst. Ob Sie als guter oder säumiger Zahler gespeichert sind, teilt die Schufa per Eigenauskunft mit. Sie kann für 7,60 Euro schriftlich (Schufa Holding AG, Hagenauer Straße 44, 65203 Wiesbaden) oder im Internet (www.schufa.de) beantragt werden. Negative Auskünfte, also Vermerke über ausstehende Zahlungen, werden in der Regel drei Jahre lang gespeichert. Zu lange, kritisiert Markus Saller von der bayerischen Verbraucherzentrale. "Die Schufa übernimmt die Einträge von den Vertragspartnern zudem meist ungeprüft", sagt der Jurist. Voraussetzung für einen negativen Eintrag: Der Fehlbetrag muss ausreichend gemahnt und vom Kunden nicht bestritten worden sein.<BR><BR>Kritik an neuer Wertung</P><P>Firmen nutzen auch das so genannte Scoring der Schufa. Diese Methode kommt nur bei Verbrauchern ohne Schulden in Frage. Die Schufa berechnet die Wahrscheinlichkeit dafür, dass jemand für die erbrachte Leistung nicht zahlt. In die Wertung fließen Daten ein, wie sie auch die Marktforschung verwendet: Alter, Wohnort und akademischer Grad. Die Schufa errechnet eigene Werte für den Handel, für Banken und Mobilfunkanbieter. Privatleute erfahren ihr Scoring für drei Euro plus einen Euro pro Branche. Verbraucherschützer Saller rügt das Verfahren: "Man kann allein schon deshalb schlecht wegkommen, weil man zu oft umgezogen ist."<BR><BR>Name verwechselt</P><P>Der Albtraum eines jeden Verbrauchers ist die Verwechslung mit einem Schuldner bei der Schufa. In diesem Fall bekommt die Firma eine unberechtigte negative Auskunft über ihren Kunden. "Damit es so weit kommt, müssen schon Name, Wohnort und Geburtsdatum gleich sein", wendet Schufa-Vertrauensmann Gernot Bickel ein. Er ist seit einem Jahr im Amt und hat bei 317 Millionen einzelnen Daten acht Verwechslungen dokumentiert, vier davon hat er geklärt, vier weitere die Schufa selbst.<BR><BR>Meldung unberechtigt</P><P>Der Vertrauensmann der Schufa springt auch ein, wenn eine Firma der Schufa eine Forderung zu Unrecht gemeldet hat. "Etwa dann, wenn der Vertragspartner nicht auf die berechtigten Einwendungen des Verbrauchers reagiert", sagt Gernot Bickel. Rund 500 Bürger hatten sich im vergangenen Jahr an den Vertrauensmann gewandt. Den meisten habe er innerhalb einer Woche helfen können, so Bickel. <BR><BR>Unseriöse Angebote</P><P>Einige Firmen machen mit der Not anderer Geschäfte. So versucht mancher Schuldner, einen Kredit mit einem zweiten auszulösen. Verbraucherschützer Saller mahnt zur Vorsicht: "Manche versprechen unbürokratisch Geld. Die zugesandten Unterlagen, für die hohe Nachnahme-Gebühren anfallen, sind aber wertlos." Werden dem Verbraucher zusätzlich zum Zweit- oder Drittkredit unnötige Versicherungen aufgedrängt, kann seine effektive Zinslast drastisch steigen - "auf 27 Prozent oder mehr". Dann, warnt der Jurist, "kommt man aus der Schuldenspirale kaum heraus".<BR><BR>Kostenloser Rat</P><P>Wenn bereits die Mahnungen ins Haus flattern, helfen die Schuldnerberatungsstellen der Kommunen kostenlos. "Am besten, wenn der Lohn noch nicht gepfändet wurde und der Gerichtsvollzieher noch nicht da war", sagt Klaus Hofmeister, Leiter der Schuldnerberatung der Stadt München. Die Hilfe beginnt mit einer Bestandsaufnahme der persönlichen, familiären, sozialen und wirtschaftlichen Lage. So entsteht ein realistischer Haushaltsplan. "In bestimmten Fällen unterstützt eine ehrenamtliche hauswirtschaftliche Kraft den Schuldner", sagt der Experte.<BR><BR>Die Wartezeit von bis zu sechs Monaten solle der Betroffene nutzen, um den eigenen Umgang mit Geld genau zu beobachten oder die angesammelten Rechnungen zu sortieren, rät Hofmeister. "Vor einer möglichen Privatinsolvenz verhandeln wir mit Gläubigern über Ratenzahlungen, Stundungen und Vergleiche." Hält sich der Betroffene an den aufgestellten Plan, ist er nach etwa sechs Jahren schuldenfrei.<BR></P>

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