Wenn Erbschaft die Existenz gefährdet

- München - Fritz Wickenhäuser hat eine ausgeprägte Abneigung gegen Schleichwege. Deshalb kämpft der Präsident des Bundes der Selbständigen in Bayern seit Jahren für eine Reform des Erbschaftsteuerrechts, wenn es darum geht, Betriebe auf die nächste Generation zu übertragen. Heute seien Betriebe auf die Leistung spitzfindiger Steuerberater angewiesen, um im Erbfall ihre Existenz sichern zu können, sagt Wickenhäuser. "Das zeigt, dass an dem System etwas nicht stimmt."

Das Überleben von 16 000 mittelständischen Unternehmen in Bayern mit zusammen zirka 325 000 Arbeitsplätzen könnte in den kommenden zehn Jahren in Gefahr sein, weil bei der Übergabe des Betriebes an die Erben Steuer auf die Vermögenswerte der Firma fällig wird. Wickenhäuser: "Was gäbe es in der Politik für einen Aufschrei, wenn ein Unternehmen mit so vielen Arbeitsplätzen Pleite gehen würde." Die Kleinen jedoch, "die sterben still", auch wenn sich durch deren schiere Menge die Zahl der verlorenen Stellen ebenfalls auf zigtausende summiere.

Das größte Betriebsvermögen bei vielen Firmen bestehe aus Immobilien. "Mein Großvater zum Beispiel hat vor über 90 Jahren unseren Betrieb aufgebaut", berichtet Wickenhäuser. Dazu gehört ein Grundstück in der Münchner Innenstadt, das heute natürlich ein Vielfaches des damaligen Anschaffungspreises wert ist. Im Erbfall wäre der aktuelle Verkehrswert zu versteuern, was für die Erben eine kaum zu bewältigende Hypothek darstelle.

Seine Formel ist dagegen ganz einfach. Wenn ein Erbe den Betrieb weiterführt, reduziet sich die Erbschaftsteuerschuld jedes Jahr um zehn Prozent, sodass die Firmenübertragung nach zehn Jahren völlig steuerfrei wäre. "Wenn ein Erbe den Betrieb weiterführt und Arbeitsplätze erhält, bringt das viel mehr für den Staat als die eingetriebene Erbschaftsteuer", meint der Verbandspräsident, der 22 000 selbstständige Unternehmen im Freistaat vertritt. Das Modell findet mittlerweile Unterstützung von vielen Seiten. Bayern hat eine entsprechende Gesetzesinitiative eingebracht und auch auf Bundesebene wird offenbar nur noch darum gerungen, welche Fristen künftig gelten sollen. Nach den Neuwahlen, so hätten die Parteien versichert, soll das Thema auf die Tagesordnung kommen.

Mit einfachen Formeln wäre Wickenhäuser auch in anderen Bereichen des Steuerrechts durchaus einverstanden. Mit dem Steuermodell von Paul Kirchhof mit dem Einheitssteuersatz von 25 Prozent und der Abschaffung fast aller Ausnahme-Tatbestände "könnte ich prima leben". "Das ist voll transparent und nicht abhängig von der Qualität des Steuerberaters", findet er.

Der zweite große Wunsch des Bundes der Selbständigen an eine neue Bundesregierung ist der Abbau von Bürokratie. 4300 Euro pro Jahr und Arbeitsplatz gingen dafür drauf, rechnet Wickenhäuser vor. Da plädiere er doch für das Konnexitätsprinzip auch zwischen Staat und Wirtschaft, was bedeuten würde: "Verwaltungsaufwand, den der Staat den Betrieben aufbürdet, soll auch vom Staat bezahlt werden."

Zusammengefasst von Corinna Maier

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