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So schmeckt der Sommer – für Grill-Fans. Andere fühlen sich vom Rauch aus Nachbars Garten belästigt – manchmal auch zu Recht.

Wenn der Grill dem Nachbarn stinkt

München - Grillen ist ein heißes Thema, das die Gerichte häufig beschäftigt. Doch manchem dreht es beim Geruch von brutzelndem Schweinebauch den Magen um. Wer muss was aushalten? Wir bringen Sie auf den neuesten Stand.

Endlich Sommer. Die Zeit, um laue Abende zu genießen und auf Balkon und Terrasse den Grill anzuheizen. Doch wenn Wurst und Fleisch schön brutzeln, der Rauch aber zum Nachbarn zieht und dann noch laut gefeiert wird, gibt es vielerorts erbitterten Streit. Und das Jahr für Jahr.

Gibt es ein Grillrecht?

Nein. Bezüglich des Grillens gibt es im Miet- und Wohnungsrecht zwar keine konkreten Regeln, dafür aber zahllose Gerichtsentscheidungen. Die lange Reihe der Grillurteile zeigt, dass die Richter in der nationalen Streitfrage „Grillen, ja oder nein und wie oft?“ meist eher großzügig entscheiden. Manche geben sogar praktische Tipps, wie sich mit Aluschalen und Folie die Qualmentwicklung in den Griff kriegen lässt. Andere erwarteten von genervten Nachbarn schlicht mehr Toleranz. Letztlich entscheidend ist in jedem Einzelfall immer das gegenseitige Gebot der nachbarlichen Rücksichtnahme. Dies verpflichtet einerseits den Freund frisch gebrutzelten Grillguts, die Nerven der Nachbarn nicht über Gebühr zu strapazieren. Andererseits sind aber auch die Nachbarn verpflichtet, das Grillvergnügen neben ihnen auszuhalten - allerdings nicht grenzenlos.

Wo darf man grillen?

Auf Balkon, Terrasse und im Garten darf nach Herzenslust gegrillt werden - solange es nicht ausdrücklich im Mietvertrag oder durch die Hausordnung verboten ist, betont Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbunds in Berlin. Und solange der Rauch vom Holzkohlegrill nicht in Nachbarwohnungen zieht und stört, erklärt Thomas Fuhrmann, Bayerischer Landesvorsitzender des Wohnungs- und Grundeigentümerverbands in München. Ist ausdrücklich vereinbart, dass auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses nicht gegrillt werden darf, ist dieses Verbot wirksam, entschied das Landgericht Essen (Az.: 10 S 438/01). Wer sich an bestehende Regelungen nicht hält, riskiert die Kündigung, sagt Ropertz. Und zwar dann, wenn er nach einer Abmahnung den Verstoß ständig wiederholt, was aber selten vorkomme. Ohne ausdrückliche Regelung aber gilt laut Ropertz: „Wo kein Kläger, da kein Richter. Wenn sich keiner beschwert, kann man so viel grillen, wie man lustig ist.“

Was gilt im Garten?

Auch wer einen Garten hat, muss beim Grillen an die Nachbarn denken und Rücksicht nehmen. Zieht der Rauch in ein Schlafzimmerfenster, wird es schwierig. So entschied das Bayerische Oberste Landesgericht, dass ein Hauseigentümer nur am äußersten Ende des Gartens, 25 Meter vom Haus entfernt, seinen Grill aufstellen und höchstens fünfmal im Jahr auf dem Holzkohlefeuer grillen darf, weil der Rauch seinem Mieter in die Wohnung zog (Az.: 2 ZBR 6/99). Etwas großzügiger zeigte sich etwa das Amtsgericht Westerstede im vergangenen Jahr: Da der Qualm ins Schlafzimmer einer Nachbarin zog, erlaubte es die Nutzung eines fest im Garten installierten Grillkamins in neun Metern Abstand zu einem Mehrfamilienhaus zehn Mal pro Jahr, wobei der Grill nicht mehr als zweimal monatlich angezündet werden darf (Az.: 22 C 614/09).

Wann und wie oft?

Zeitliche Vorgaben, dass man beispielsweise nur ein Grillvergnügen pro Monat haben darf, sind reine Einzelfallentscheidungen, betont Ropertz vom Mieterbund. Sie zu verallgemeinern, sei „ziemlicher Quatsch“. Wenn sich der Nachbar allerdings gestört fühlt, stellt sich dennoch die Frage nach der zulässigen Häufigkeit. Doch nennen die Gerichte da ganz unterschiedliche Zahlen: Laut dem Amtsgericht Berlin-Schöneberg ist Grillen etwa 20 bis 25 Mal pro Jahr für circa zwei Stunden und bis maximal 21 Uhr zulässig (Az.: 3 C 14/07). Zweimal im Monat zwischen 17 und 22.30 Uhr, urteilte das Landgericht Aachen (Az.: 6 S 2/02). Grundsätzlich nur bis 22 Uhr, aber viermal jährlich sogar bis 24 Uhr, entschied das Oberlandesgericht Oldenburg (Az.: 13 U 53/02).

Kohle oder Strom?

In Mietshäusern kann der Vermieter das Grillen mit einem Holzkohlegrill per Hausordnung oder Mietvertrag regeln. Nicht nur der qualmende Rauch, sondern besonders die Feuergefahr rechtfertigen ein Verbot, erklärt Fuhrmann vom Grundeigentümerverband. Und erläutert das Gebot der Rücksichtnahme. Nach diesem sollen Nachbarn so miteinander leben, dass es für alle Parteien verträglich ist. Danach ist Grillen verboten, wenn es Nachbarn beeinträchtigt. Für Fuhrmann stellt eine Beeinträchtigung dar, wenn man Rauch einatmen müsse. Geruchsbelästigungen aber muss der Nachbar aus Gründen der gegenseitigen Rücksichtspflicht ertragen. Dies bestätigt Ropertz: „Dem Vegetarier, dem von gegrilltem Schweinebauch übel wird, kann ich nicht helfen.“ Der Nachbar, dessen Wäsche permanent vom Grill eingeräuchert wird, hat allerdings das Recht auf seiner Seite.

Auf der sicheren Seite ist, wer auf Balkonen von Mehrfamilienhäusern nur Elektrogrills verwendet. „Das kann ihnen niemand verbieten, wenn die Geruchsbelästigung den Nachbarn nur so stört, wie es ortsüblich ist“, sagt Fuhrmann. Auch das Landgericht Stuttgart empfahl Grillfreunden in einem Urteil, „wenn möglich mit Elektrogrill und Aluschalen statt Holzkohlegrill zu arbeiten“ (Az.: 10 T 359/96).

Reden als Störung

„Ein Dauerbrenner ist bei uns der Lärm bei Grillfesten. Der ist oft viel störender als das Grillen selbst“, sagt Ropertz. Es könne zwar hilfreich sein, den Nachbarn das Grillfest vorher anzukündigen, „aber wer weiß schon, an welchen Abenden es nicht regnet“. Auf dem Balkon und im Garten „darf man feiern, lachen und sich unterhalten, doch muss man sich bewusst sein, dass das andere stört und Rücksicht nehmen“, sagt Ropertz. Zur Zeit der Nachtruhe ab 22 Uhr gelte es, „die Lautstärke massiv einzudämmen und zu flüstern oder reinzugehen“.

Susanne Sasse

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