Wenn Konflikte ausufern: Wer zahlt nach Rauferei am Schulhof?

- Nach dem strapaziösen Mathe- oder Deutschunterricht freuen sich die Schüler auf die Pause. Dass dabei auch getobt und Stress abgebaut wird, kann man keinem Kind verdenken. Was jedoch viele Jugendliche in ihrem Übereifer nicht bedenken, ist das relativ hohe Risiko, sich zu verletzen.

<P>Stellt ein Schüler beispielsweise einem Mitschüler auf dem Schulhof ein Bein und verletzt seinen Kameraden dabei so schwer, dass er sowohl stationär als auch lange danach ambulant behandelt werden muss, stellt sich für den "Täter" (im Normalfall natürlich stärker noch für seine Eltern) die bange Frage: Wer muss für den Schaden aufkommen?<BR><BR>Ein "Arbeitsverhältnis"</P><P>"Schulunfälle" werden ebenso behandelt wie Arbeitsunfälle, also Unfälle, die im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses passieren. Daraus ist zu schließen: Die Beteiligten stehen bei Personenschäden unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Der "Gefoulte" hat demnach Anspruch auf Leistungen, etwa auf ärztliche Behandlung, schlimmstenfalls auf Rente. Und das, obwohl der Schüler seine Verletzungen durchaus mitverschuldet haben kann, dann nämlich, wenn er sich an dem Toben auf dem Schulhof beteiligt hatte.<BR><BR>"Betriebliche Tätigkeit"</P><P>Allerdings kann der Verletzte keine Ansprüche gegen den Mitschüler persönlich, zum Beispiel Schmerzensgeld, geltend machen, da beide Versicherten demselben Betrieb (der Schule) angehören, und das Raufen in der Pause somit eine "betriebliche Tätigkeit" ist. Die gesetzliche Unfallversicherung beabsichtigt, damit den Betriebsfrieden zu wahren und Streitigkeiten unter Betriebsangehörigen nur auf Fälle krassen Verschuldens zu beschränken.<BR><BR>Nachweis ist schwierig</P><P>Somit hat der geschädigte Schüler nur dann Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn dem Treter vorsätzliches Fehlverhalten nachgewiesen werden kann. Hierzu müsste ihm bewiesen werden, dass er nicht nur absichtlich zugetreten hat, sondern auch die schweren Verletzungen seines Opfers herbeiführen wollte, zumindest damit rechnen konnte. Das ist einem Kind aber kaum nachzuweisen. Das Landgericht Ansbach hat in einem solchen Fall einem 11-jährigen Schüler, der von den Eltern seines Kameraden angezeigt wurde, eine solch boshafte Einstellung nicht unterstellt und die Klage auf Schmerzensgeld abgewiesen (Az.: 1 S 861/96).<BR><BR>Das Amtsgericht Köln bestätigte den gesetzlich vorgesehenen "Schmerzensgeldausschluss" auch für den Fall, dass Verletzungen aus einer Massenrauferei auf dem Schulhof stammten, von der keiner mehr sagen konnte, wer damit begonnen hatte (Az.: 126 C 315/95).<BR><BR>Vorsicht bei langer Pause</P><P>Im Normalfall zahlt also die Unfallversicherung. Doch es gibt Ausnahmen: Das Landessozialgericht Niedersachsen verweigerte einem Schüler den kompletten Leistungsanspruch, weil er sich einen Armbruch bei einem Fußballspiel auf dem Schulhof zugezogen hatte. Das aber hatte mehr als eine Stunde gedauert. Damit sei der betriebliche "Zusammenhang" unterbrochen gewesen, so die Hannoveraner Richter (Az.: L 6 U 166/89).</P><P> </P>

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