Wenn der Magen Milch nicht mag

München - Jeder siebte Deutsche verträgt keinen Milchzucker. Wer darunter leidet, muss jedoch nicht verzichten. Die Industrie wirft verstärkt laktosefreie Produkte auf den Markt. Doch auch ohne die kann man gut leben. Hier einige Tipps für Menschen mit einer Laktoseintoleranz.

Magen und Darm rumoren nach einem Glas Milch oder Schokopudding? Wem es immer mal wieder so geht, der verträgt möglicherweise keinen Milchzucker (Laktose): Er leidet an einer Intoleranz. Sie ist weitaus häufiger als eine Allergie. Doch die Diagnose ist kein Aus für die Lebensfreude. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „test“ stellt die „Stiftung Warentest“ laktosefreie Lebensmittel vor und gibt Ernährungstipps für Betroffene.

Woher kommen die Beschwerden?

Wen Milchzucker krank macht, bei dem ist zu wenig aktive oder keine Laktase vorhanden. Das Enzym sitzt im Dünndarm und spaltet Milchzucker in seine Bestandteile Glukose und Galaktose. Ohne genug aktive Laktase wird der Milchzucker nicht ins Blut aufgenommen. Er landet unverändert im Dickdarm und wird dort abgebaut. Die Folge sind Blähungen, Bauchkrämpfe oder gar Durchfall.

Wie verbreitet ist die Laktose-Intoleranz?

Weltweit gehören Menschen mit Laktoseintoleranz zur Mehrheit. Mindestens zwei Drittel der Weltbevölkerung, vor allem Asiaten und Afrikaner, können Laktose nicht verarbeiten. In Deutschland vertragen rund 15 bis 20 Prozent keinen Milchzucker.

Was sollten Betroffene besser nicht essen?

Meist genügt es, sich laktosearm zu ernähren, das heißt höchstens 8 bis 10 Gramm Laktose pro Tag. Betroffene sollten vor allem von Speisen mit viel Laktose die Finger lassen. Dazu gehört neben Milch alles, was Milch, Milchpulver oder -zucker enthält, also auch Milchschokolade und Kondensmilch. Milchzucker kann als Trägerstoff von Aromen und Zusatzstoffen in Fertigprodukten stecken. Was weder Milch noch Milchpulver enthält - wie Fleisch, Fisch, Reis, Obst, Kartoffeln oder Wasser - hat auch keine Laktose. Auch viele Weichkäse wie Camembert oder länger gereifte Sorten wie Gouda enthalten nur sehr wenig. Sie sind ein guter Brotbelag - auch um den täglichen Kalziumbedarf zu decken. Wenig Laktose steckt etwa auch in Butter und Mozzarella.

Wie lässt sich Milch ersetzen?

Im Latte macchiato kann neben dem Sojadrink auch sogenannte „laktosefreie“ Milch eine Hilfe sein. Anders als der Name vermuten lässt, enthält sie zwar Laktose - allerdings mit unter 0,1 Prozent nur äußerst wenig. Pro 100 Gramm sind das 0,1 Gramm Laktose (normale Milch: 4,5 bis 5 Gramm). Laktosefreie Milch besteht - wie andere laktosefreie Produkte - aus Kuhmilch mit allen Nährstoffen. Mit einem wichtigen Unterschied: Die Laktose ist bereits aufgespalten. Deshalb schmeckt laktosefreie Milch etwas süßer. Denn die freigesetzten Zuckerbausteine haben eine höhere Süßkraft. Wer lieber ganz auf Milch verzichtet, sollte einem Kalziummangel vorbeugen. Hierfür eignen sich Spinat, Brokkoli, Fenchel und Hülsenfrüchte.

Wie gut sind Produkte ohne Laktose?

Die Stiftung Warentest hat in Tests von Milch und Milchprodukten bereits mehrmals laktosefreie Produkte untersucht. Von vier Lebensmitteln schnitten drei insgesamt „gut“ ab, allesamt vom Marktführer Minus L - Frischkäse, Butter und Vollmilch. Die Vollfettmargarine Flora Soft war immerhin „befriedigend“. Die Palette an laktosefreien Lebensmitteln ist mittlerweile groß. So gibt es auch Schokolade, Eiscreme und Pudding. Für Menschen ohne Intoleranz sind die Produkte überflüssig. Das ist auch gut für den Geldbeutel, denn in der Regel sind die laktosefreien Produkte teurer.

Wie kaufe ich das Richtige?

Für Betroffene gilt: Sie müssen die Zutatenlisten abgepackter Produkte genau durchlesen. Dort müssen Milch, Milcherzeugnisse und Laktose aufgeführt sein - allerdings ohne Mengenangaben. Wer glaubt, eine Intoleranz zu haben, sollte ein Ernährungstagebuch führen und sich bei Verdacht an einen Arzt wenden.

mm

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