Wenn niedrige Raten locken: Leasing führt oft zu Überschuldung

- Derzeit werden Verbraucher verstärkt mit scheinbar attraktiven Leasingangeboten gelockt: Für 70 Euro im Monat ein Cabrio fahren oder eine Couch anschaffen. Doch für Privatleute, die die Raten steuerlich nicht geltend machen können, lohnt sich Leasing meist nicht. Im Gegenteil, warnen Verbraucherschützer.

<P class=MsoNormal>"Es ist so, dass Endverbraucher mit Leasingverträgen ihre eigene Insolvenz vorbereiten", erzählt Evelyn Keßler, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, von ihren Erfahrungen. Was sich für Gewerbetreibende oder Selbstständige rechne, sei noch lange nicht für jedermann von Vorteil. Niemand dürfe sich davon blenden lassen, dass die monatlichen Raten beim Leasing oft niedriger seien als bei einem Kredit, mahnt Andrea Hoffmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen, zur Vorsicht. Günstige Raten täuschten über die insgesamt hohen Kosten hinweg.</P><P class=MsoNormal>Vorzeitiger Ausstieg meist nicht möglich</P><P class=MsoNormal>Im Unterschied zum Kredit sind die Ausgaben beim Leasing meist noch höher. Das gemietete Gut auf Zeit kommt Privatleute damit teuer zu stehen. Ein Beispiel: Ein Mann least eine High-Tech-Heimkinoanlage über vier Jahre für monatliche Ratenzahlungen von jeweils 119 Euro. Sein Effektivzins pro Jahr beträgt dabei über 30 Prozent. "Kein gutes Geschäft", warnt Hoffmann. Dabei wird der Kunde nicht einmal zum Eigentümer. Außerdem ist ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Vertrag meist gar nicht möglich. Und wenn ja, dann nur unter erheblichen Verlusten.</P><P class=MsoNormal>"Beim Leasing lauern viele Fallen", gibt auch Brigitte Sievering-Wichers von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zu bedenken. Die Materie sei für Laien recht kompliziert. Vorsicht sei besonders bei Leasing-Verträgen mit billigen Monatsraten, ohne Anzahlung, aber hoher Restwertabrechnung geboten, wie sie im Autohandel verbreitet sind. Die Restkosten würden oft übersehen, warnt Keßler.</P><P class=MsoNormal>Kündigung kann richtig teuer werden</P><P class=MsoNormal>Bei geleasten Autos wird mitunter der Restwert des Fahrzeugs nach Marktlage geschätzt. Dieses Finanzrisiko trägt der Kunde. Oft ist auch schon bei Vertragsabschluss ein fester Betrag für das Ende der Laufzeit vereinbart, wenn der Kunde das Auto zurückgibt - und dann tauchen trotzdem noch weitere Forderungen samt Ärger auf. Problematisch kann es immer dann werden, wenn der Händler den Zustand des Wagens nicht akzeptiert und jeden Kratzer teuer in Rechnung stellt.</P><P class=MsoNormal>"Gerade Menschen mit weniger Geld in der Tasche werden von niedrigen Leasingraten angelockt", weiß Hoffmann. Tauchen finanzielle Engpässe oder Arbeitslosigkeit auf, steckt man mit einem Leasing-Vertrag schnell in der Bredouille. Denn: Wer in Zahlungsschwierigkeiten gerät und mehr als zwei Raten hintereinander nicht mehr überweisen kann, muss mit Kündigung rechnen. Und dann kann es teuer werden. Der Leasinggeber darf Ersatz für den Schaden verlangen, der ihm durch das vorzeitige Vertragsende entstand.</P><P class=MsoNormal>Einen Ausweg für säumige Leasingnehmer kann ein neues Urteil des Bundesgerichtshofs (Az.: BGH, VIII ZR 90/04) eröffnen, wie Hoffmann betont. Danach sollte ein Kunde, der bereits eine Mahnung samt Kündigungsandrohung bekommen hat, den Brief ganz genau studieren und nach Formfehlern absuchen. Wird etwa eine Mahngebühr auf den rückständigen Betrag berechnet, wird die Kündigung unwirksam. Der Leasinggeber darf nach der höchstrichterlichen Entscheidung keinen Aufschlag verlangen.</P>

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