Wenn Papierkram keine Chefsache ist

Murnau - Eine noch so gute Geschäftsidee hilft wenig, wenn Unternehmensgründer mit der Buchführung überfordert sind. Im schlimmsten Fall kann dann die Pleite drohen. Ein Beispiel aus Murnau.

Helmut Rauchenbergers ganzer Stolz wiegt über 4,3 Tonnen. Der "E-Jet 550" ist eine Hochgeschwindigkeits-Fräsmaschine und steht für den Erfolg der Technologie- und Vertriebs-GmbH Bayern (TVB). In 14 Jahren haben Rauchenberger und sein Geschäftspartner Bernhard Hofmann die Firma in Murnau aufgebaut. Mittlerweile arbeiten zehn Angestellte in der Werkhalle von TVB. Dort entstehen zum Beispiel Prototypen für Werkzeuge. 160 000 Euro Umsatz macht die TVB monatlich. "Die Firma ist in den letzten Jahren stabil geworden, die Geschäfte sind geordnet", sagt Rauchenberger. Danach sah es zeitweise nicht aus. Dem Unternehmen drohte der Zusammenbruch, erinnert sich Rauchenberger: "Es war hart, wir standen kurz vor der Pleite."

Ohne es anfangs zu bemerken, rutschten Hofmann und Rauchenberger "in eine finanzielle Misere". Das Verhängnis: Bilanzen, Zahlen, Tabellen - kurz: die Buchhaltung. "Dazu kamen eine falsche Bankberatung und ein chaotischer Steuerberater", sagt Rauchenberger. "Sechs Wochen Betriebswirtschaftslehre in der Meisterschule sind einfach zu wenig", erklärt der Werkzeugmacher-Meister - zu wenig, um auf das Leben als Selbstständiger vorbereitet zu werden.

1994 machten sich die beiden selbstständig. Und anfangs floss stetig Geld. Für die Chefs stand die Praxis im Vordergrund. Die Banken schossen Geld nach, "solange private Sicherheiten wie Lebensversicherung oder Immobilie da waren". Doch irgendwann waren die Sicherheiten erschöpft, das Geld blieb aus. Das Unternehmen hatte Schulden von 1,2 Millionen Euro angehäuft.

Krisen wie diese sind keine Einzelfälle, bestätigt Semir Fersadi von der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern: "Gerade bei kleinen Betrieben steht oft das operative Geschäft im Vordergrund. Die Buchführung fristet dann ein Mauerblümchen-Dasein." Einen Buchhalter können sich viele kleine Betriebe nicht leisten. Doch zumindest in die Hände eines guten Steuerberaters sollte man sich begeben, rät Fersadi. In jedem Fall sei Eigeninitiative wichtig.

Die beiden Murnauer Chefs haben es schließlich geschafft, ihr Unternehmen zu retten - mit einer neuen Bank und viel Arbeit.

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