Arm im Alter: Rentner, die bestimmte Einkommensgrenzen unterschreiten, können einen Zuschuss vom Staat bekommen. Doch auch hier gelten strenge Regeln – ähnlich denen für Hartz-IV-Bezieher. foto: dpa

Wenn die Rente nicht reicht

Immer mehr Menschen sind im Alter auf staatliche Hilfen angewiesen. Da das Rentenniveau sinkt, werden es künftig noch mehr werden. Womit können Bezieher dieser Leistung rechnen?

Seit 2003 gibt es für bedürftige ältere Menschen, die das Regelrentenalter erreicht haben, die sogenannte Grundsicherung. Ihre Regeln entsprechen in weiten Teilen denen von Hartz IV. Grundsicherung gibt es nicht nur für Menschen im Rentenalter, sondern auch für Jüngere, die dauerhaft voll erwerbsgemindert sind. Hier das Wichtigste im Überblick:

Wer Anspruch auf Hilfe hat

Die Regelleistung für Alleinstehende beträgt - genau wie bei Hartz IV - 364 Euro im Monat, für (Ehe-) Paare sind es 656 Euro. Dazu werden noch die angemessenen Kosten für die Wohnung berücksichtigt, die unterschiedlich hoch ausfallen. Beträgt die Warmmiete eines Ehepaars zum Beispiel 500 Euro, so liegt der rechnerische „Bedarf“ der beiden bei 1156 Euro. Davon abgezogen werden aber nahezu alle Einkommen - wie gesetzliche, betriebliche und private Renteneinkünfte. Bezieher von Grundsicherung dürfen aber etwas hinzuverdienen - bei einem 400-Euro-Job dürfen sie 120 Euro von den Einkünften behalten, der Rest wird verrechnet.

Zuschläge für Mehrbedarf

Für viele Grundsicherungsbezieher wird wegen ihrer besonderen Lebensumstände ein Mehrbedarf anerkannt und durch einen entsprechenden Zuschlag zum Regelbedarf berücksichtigt. Das gilt zum Beispiel für Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis (Merkzeichen G). Auch kostenaufwendige Spezialnahrung aus medizinischen Gründen oder orthopädische Einlagen, ein Blutdruckmessgerät oder sonstige therapeutische Gerätschaften können übernommen werden.

Rücklagen müssen aufgebraucht werden

Bevor der Staat jedoch mit Zahlungen einspringt, müssen die Antragsteller ihre Rücklagen weitgehend aufbrauchen. Die Freibeträge fürs erlaubte Vermögen sind weit niedriger als bei Hartz IV. Ein Alleinstehender darf bis 2600 Euro besitzen, für den Partner kommen 614 Euro hinzu.

Kleine Immobilie angemessen

Tipp: Wer mit 60 eine höhere Lebensversicherung ausbezahlt bekommt und nur eine geringe Rente erwartet, für den kann es sich lohnen, eine kleine Eigentumswohnung anzuschaffen. Denn Geld muss vor der Grundsicherung verbraucht werden, eine kleine Immobilie darf man aber behalten. „Angemessenes“ Wohneigentum ist für Grundsicherungsbezieher erlaubt. Was das genau bedeutet, darüber gibt es oft Streit. Ein alleinstehender Grundleistungsbezieher darf ein Häuschen mit 70 Quadratmetern oder eine Eigentumswohnung mit 60 Quadratmetern behalten.

Wenn die Kasse zu teuer wird

Wer die gestiegenen Beiträge zur privaten Krankenversicherung nicht mehr schultern kann, für den springen teilweise die Ämter ein. Sie tragen die von der Versicherung um 50 Prozent geminderten Beiträge im Basistarif. Voraussetzung: Dem Betroffenen bleibt nach Abzug von Versicherungsbeiträgen und Unterkunftskosten weniger als der Regelbedarf zum Leben.

Verbote und Datenabgleich

Grundsicherungs-Beziehern wird im Regelfall kein Auto zugestanden. Ein teurer Wagen muss deshalb meist verkauft werden. Grundsicherung gibt es auch nur für diejenigen, die ihren „gewöhnlichen Aufenthalt“ in Deutschland haben. Wer den kompletten Winter auf Mallorca verbringt, zählt nicht zu den Berechtigten. Man sollte beim Sachbearbeiter im Grundsicherungsamt eine Erlaubnis einholen, die bei Auslandsaufenthalten von bis zu einem Monat ohne Probleme bewilligt wird. In jedem Fall sollte man erklären können, wie Fahrt und Aufenthalt finanziert werden. Egal, ob es um den Pkw, Ersparnisse oder einen Nebenjob geht: Gegenüber den Ämtern ist Offenheit angesagt, denn dort findet ein umfassender Datenabgleich statt.

Haften die eigenen Kinder?

Bei der Grundsicherung im Alter gibt es im Regelfall keinen Unterhaltsrückgriff auf Angehörige. Das bedeutet vor allem: Wer Grundsicherung im Alter bezieht, muss nicht damit rechnen, dass seine Kinder vom Amt zur Kasse gebeten werden - es sei denn, ein Kind verdient nach Abzug von Werbungskosten oder Betriebsausgaben über 100 000 Euro im Jahr. Und nach dem Tod eines Grundsicherungsbeziehers werden dessen Erben von den Ämtern auch nicht zur Rückzahlung verpflichtet, falls es etwa noch Vermögenswerte gibt. Bei Hartz IV ist das anders.

Von Rolf Winkel

Mehr Informationen zum Thema gibt es unter der Fax-Abrufnummer 0 90 01/ 25 26 65-56 (1 Minute = 0,62 Euro) bis 10. Oktober.

Das Fax-Gerät auf „Polling“ oder „Sendeabruf“ stellen, Fax-Service-Nummer wählen und Starttaste drücken. Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Grundsicherung“ an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf.

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