Wenn Rohöl noch teurer wird: Konjunkturdelle und 1,50 für Super

- München - Das schwarze Gold sorgt einmal mehr für Aufregung: Wegen der politischen Spannungen im Libanon und Iran trieben Spekulanten die Preise für Rohöl am Freitag erneut auf Höchststände. Weil sich kurzfristig keine Entspannung abzeichnet, warnen Volkswirte vor einer Konjunkturdelle in Deutschland. Die Verbraucher müssen sich auf steigende Heizkosten und Rekordpreise an den Tankstellen einstellen.

Alle weltweit gehandelten Rohölsorten verteuerten sich zum Ende der Woche noch einmal deutlich. An der New Yorker Börse kostete ein Barrel Light Sweet Crude mit 78,05 Dollar zeitweise um 1,35 Dollar mehr als am Vortag. In London wurde ein 159-Liter-Fass der Nordsee-Sorte Brentspar erstmals mit einem Preis von 78 Dollar gehandelt. Auch das schwerer zu verarbeitende und deswegen billigere Öl aus den elf Opec-Ländern erreichte mit über 70 Dollar einen neuen Rekordpreis.

Marktbeobachter schlossen einen Sprung der Rohölpreise auf über 80 Dollar in der nahen Zukunft nicht mehr aus. Dies scheine unausweichlich, sagte Victor Shum von der US-Energieberatungsgesellschaft Purvin and Gertz. Wie es von verschiedenen Seiten hieß, sei selbst das Knacken der symbolträchtigen 100-Dollar-Marke denkbar. "Dazu wird es aber nur kommen, wenn die Lage im Iran eskaliert und es zu einer militärischen Intervention kommt", sagte Claudia Kemfert, Energie-Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, unserer Zeitung.

Noch ist die Rekordjagd an den Öl-Handelsplätzen nach Ansicht von Volkswirten für die deutsche Wirtschaft kein Grund zur Sorge. Sollte der Preis aber längerfristig hoch bleiben, könnte das Wachstum niedriger ausfallen, als bislang von Bundesregierung, Forschungsinstituten und Banken prognostiziert. In den Vorhersagen wurde ein durchschnittlicher Barrel-Preis von 60 bis 65 Dollar angenommen; nach gängiger Schätzung dämpft ein um 10 Dollar höherer Preis das Wachstum aber um rund 0,2 Prozent.

"Der Ölpreis ist zurzeit das größte Konjunkturrisiko", sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank erklärte, ein weiterer Anstieg könnte der deutschen Wirtschaft "richtig wehtun". Grund dafür ist, dass dann auf Unternehmen höhere Rohstoff-Kosten zukämen. Auch den Verbrauchern bliebe dann wegen höherer Energiepreise weniger zum Konsumieren.

An den Tankstellen ist das bereits zu spüren. Nach Aral erhöhte in der Nacht zum Freitag auch Esso die Kraftstoffpreise um zwei bis drei Cent. Für einen Liter Superbenzin mussten Autofahrer im Bundesdurchschnitt 1,40 Euro je Liter bezahlen, für Diesel 1,18 Euro, und damit so viel wie noch nie in diesem Jahr. Der ADAC schloss nicht aus, dass die Rekordpreise vom September 2005 übertrumpft werden, sollte Öl noch teurer werden. Damals hatten Autofahrer für Super und Diesel 1,46 beziehungsweise 1,20 Euro gezahlt. DIW-Expertin Kemfert hält bei einem Ölpreis von 85 Dollar 1,50 Euro für Super "locker" für möglich.

Auch bei den Heizkosten drohen Aufschläge: "Wir gehen davon aus, dass die Heizölpreise anziehen werden", sagte Uwe Klemm, Geschäftsführer des Bayerischen Brennstoff- und Mineralölhandels-Verbands in München. Eine schlechte Nachricht für die zahlreichen Verbraucher, die mit dem Auffüllen ihrer Tanks auf günstigere Preise warten wollten. Doch auch den Gaskunden steht wegen der Ölpreisbindung weitere Verteuerungen bevor.

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