Wenn Unachtsamkeit teuer wird: Die Masche der Adressbuchbetrüger

- Schwarzer Schriftzug auf gelbem Hintergrund - der bekannten Ausgabe täuschend ähnlich prangt das "Branchenbuch"-Logo auf dem Formular, das vor zwei Wochen im Briefkasten einer Unternehmerin im Tegernseer Tal landete. Auf den ersten Blick ein Korrekturabzug - einfach nur die Daten abgleichen, unterschreiben und zurückschicken.

Erst im Kleingedruckten wird deutlich, dass es sich um einen Vertrag mit der Verlagsgesellschaft MR Branchen und Telefon mbH aus Rostock handelt: Einmal unterschrieben, sind 1076,75 Euro jährlich fällig, für einen Eintrag in einem Internetportal - mit einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren.

"Zum Glück lese ich alles genau durch, bevor ich etwas unterzeichne", erklärt die Unternehmerin, doch für ihre Mutter kam die Warnung zu spät. "Sie hat auf der Stelle unterschrieben und das Ganze weggeschickt." Zwar hat die Familie sofort einen Anwalt eingeschaltet, der den Vertrag auf arglistige Täuschung prüft, "doch für meine Mutter ist die Sache wahrscheinlich gelaufen, sie muss zahlen".

Die häufigsten Tricks

Und das ist kein Einzelfall: "Immer wieder versuchen unseriöse Adressbuchanbieter Betriebe und Unternehmen über den Tisch zu ziehen", weiß Svenja Roth, Rechtsexpertin bei der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern. Die Masche: Die Abzocker schreiben Firmen an, die frisch ins Handelsregister eingetragen wurden und senden ein rechnungsähnliches Formular. Wer dieses bezahlt, staunt nicht schlecht, wenn die richtige Rechnung für den Handelsregistereintrag kommt. Diese versenden ausschließlich die Amtsgerichte.

Doch nicht nur Jungunternehmer, sondern auch "alte Hasen" fallen auf den sogenannten "Adressbuchschwindel" oder "Branchenbuch-Trick" rein. Ebenso wie die Unternehmerin im Tegernseer Tal erhalten sie ein Schreiben, in dem suggeriert wird, dass es von einem weit verbreiteten Branchen- oder Telefonbuch kommt. Der Empfänger wird darum gebeten, seinen Adresseintrag zu überprüfen. "Oft wird davon ausgegangen, dass mit einer Unterschrift nur die Daten oder der Auftrag bestätigt werden", erklärt Roth. Ein Irrtum: Es wird ein neuer Vertrag geschlossen.

Was verdächtig ist

Bei Angaben wie Grundbucheintrag kostenlos, Korrekturabzug, Eintragungsantrag oder Offerte sollte man auf jeden Fall stutzig werden, warnt die IHK. Vorsicht ist auch geboten, wenn der Name des Adressbuchverlages nicht auf den ersten Blick zu entdecken ist, Unternehmens- und Versandadresse nicht übereinstimmen oder die Firma ihren Sitz im Ausland hat. Überteuerte Angebote sollten überprüft werden. "Der Formulareintrag ist bei vielen Firmen kostenlos", erklärt die Expertin. Mehrere hundert Euro Eintragungskosten seien verdächtig, wenn diese in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Werbeleistungen stehen.

So sollte man reagieren

Doch was ist zu tun, wenn man auf die Masche der Adressbuchbetrüger reingefallen ist? "Der Unternehmer sollte sofort aktiv werden, den Vertrag kündigen und den Auftrag wegen arglistiger Täuschung anfechten", rät die Rechtsexpertin. Wer sich unsicher ist, sollte einen Anwalt konsultieren. Zudem gilt es, sich mit der Bank in Verbindung zu setzen - auch wenn es für eine Stornierung zu spät ist. "Die Bank muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass auf das betreffende Konto Zahlungen für unseriöse Angebote eingehen", so Roth. Denn die Bank könne das Konto kündigen.

Darüber hinaus sollte das Angebot im Original an die IHK oder den Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität (DSW) geschickt werden. Nach genauer Prüfung werden hier gegebenenfalls weitere Schritte eingeleitet, wie eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung, oder es wird sogar Strafanzeige gestellt. Damit es jedoch gar nicht erst so weit kommt, gilt vor allem eines: Das Kleingedruckte immer genau durchlesen.

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