Wenn Werbung weh tut: Viele fühlen sich diskriminiert

- Berlin - Was Werbemacher witzig finden, stößt bei vielen Menschen auf Ablehnung. Sie sind empört, fühlen sich angegriffen oder diskriminiert und legen Beschwerde ein - beim Deutschen Werberat. Rund 1116 Proteste zählte das Gremium 2006. Das waren über 300 Kritiker mehr als im Jahr zuvor. Doch nicht immer waren die Einwände berechtigt. Die Grenzen des guten Geschmacks sind dehnbar.

Den überdurchschnittlichen Anstieg der Protestmenge erklärt sich der Werberat durch eine spezielle Anzeige einer Rundfunkzeitschrift, die allein 490 Briefe zur Folge hatte. In der Abbildung war eine Afrikanerin zu sehen, die auf dem Schoß eines hellhäutigen Geschäftsmannes saß. Ihre Lippen waren durch eine Computeranimation weit über das Normale aufgezogen. Diese Darstellung sei rassistisch und würde zudem farbige Menschen als Leibeigene diskriminieren, so die Kritik. Daraufhin zog der Verlag die Anzeige zurück.

Insgesamt musste der Werberat über 229 verschiedene Anzeigen, Spots und Plakate entscheiden - 116 davon sprach das Gremium frei. Hier eine kleine Auswahl aus den Beschwerdefällen 2006:

"Mit dem Zweiten sieht man besser"

Die Kritik an dieser Eigenwerbung des ZDF: Es würde solche Personen diskriminieren, die durch Krankheit oder Unfall nur noch über ein Auge verfügen. Dieser Argumentation konnte das Gremium nicht folgen, auch wenn es nachvollziehbar sei, dass persönlich Betroffene darauf sensibel reagieren.

"Frauen gehören hinter den Herd"

Als nicht diskrimierend befand der Rat auch einen Radiospot für Unterhaltungselektronik. Dort hieß es, dass der Spruch "Frauen hinter den Herd" eigentlich falsch sei, da doch alle Schalter des Herds vorne angebracht seien. Anders wertete der Werberat die Zeitungsanzeige eines Funknetzanbieters. Dort war eine Frau mit nacktem Oberkörper zu sehen und daneben der Text "Lust auf ‘ne billige Nummer? Kannst auch Deine alte mitbringen". Das vermittle den Eindruck, die abgebildete Frau sei für Geld zu sexuellen Handlungen bereit. Es folgte eine Rüge.

"Kommen Sie doch näher"

Dieser Werbeslogan klingt harmlos, allerdings stand er auf einem Plakat an einer Wand hinter den Bahnschienen in S- und U-Bahnhöfen und der Auftraggeber war ein Bestattungsunternehmen. Hier teilte der Werberat die Auffassung der Berliner Polizei, dass dadurch Menschen gefährdet werden, die zu nah an die Bahnsteigkante treten. Es sei außerdem anstößig, auf diese makabre Art auf Selbstmord anzuspielen.

"Nichts müssen, aber alles können"

In dieser bundesweiten Kampagne eines Möbelherstellers wurde unter anderem ein Mann gezeigt, der sich seiner Freundin zuliebe ziemlich ungelenk als Stripper probierte. Das mache die Männer lächerlich, protestierte ein Beschwerdeführer. Der Deutsche Werberat sah dies anders, schließlich mache der Mann den privaten Strip freiwillig und es handle sich um einen Liebesbeweis.

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