Wenn die Zinsen steigen, droht am Rentenmarkt Renditerutsch

- München - Schlechte Nachrichten für Anleihenbesitzer. Mit der Erhöhung der Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent hat die amerikanische Notenbank Federal Reserve die Zinswende eingeleitet. Und steigenden Zinsen wirken sich auch negativ auf den Rentenmarkt aus.

<P>Vieles spricht derzeit dafür, dass die Zinsen auch in den kommenden Monaten weiter steigen werden. Schließlich zeichnet sich in der amerikanischen Wirtschaft ein immer robusteres Wirtschaftswachstum ab. "Die amerikanische Wirtschaft befindet sich in der Übergangsphase zu einem selbst tragenden Aufschwung", sagte René´ Christoffersen, Fondsmanager des Adig Adiropa. Er rechnet im laufenden Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von über vier Prozent, im kommenden Jahr sollen es zumindest über drei Prozent sein.<BR><BR>Die Inflationsrate in den USA sprang bereits im April und Mai dieses Jahres auf über drei Prozent deutlich an - Tendenz steigend. Die Experten sind sich einig, dass die amerikanische Notenbank die Zinsen weiter erhöhen muss, um dieser inflationären Entwicklung entgegenzuwirken. "Bis zum Jahresende erwarten wir zwei weitere Zinsschritte von jeweils 25 Basispunkten", meint Christoffersen. Langfristig rechnet er mit 3,5 % Leitzinsen.<BR><BR>Die Ökonomen der DZ Bank gehen gar davon aus, dass die amerikanischen Leitzinsen schon Ende dieses Jahres bei 2,25 Prozent liegen werden. In zwölf Monaten sei ihrer Ansicht nach mit einem Stand von 3,75 Prozent zu rechnen. Zwar ist vorerst nicht mit einem Zinsschritt durch die Europäische Zentralbank zu rechnen. "Die eher zurückhaltende Lohnentwicklung hierzulande dürfte den Inflationsdruck dämpfen", ist Christoffersen überzeugt. Eine Zinserhöhung sei deshalb erst im Februar 2005 zu erwarten. Aber auch Staatsanleihen aus dem Euroraum werden sich der Entwicklung am amerikanischen Rentenmarkt nicht entziehen können. <BR><BR>Und so müssen auch Besitzer von Bundesanleihen mit längeren Laufzeiten in den kommenden zwölf Monaten mit Kursverlusten rechnen. Die Anleiherenditen werden dem Trend der Zinsen unter Schwankungen folgen. Das bestätigen auch die Experten von M.M. Warburg in einer Analyse. So sei empirisch nachweisbar, dass eine restriktivere Geldpolitik fast immer zu einer deutlich schlechteren Entwicklung insbesondere bei Anleihen mit längeren Restlaufzeiten geführt habe. Einen Anhaltspunkt, wie hoch die Kursverluste bei Anleihen ausfallen können, liefert die so genannte Kurssensibilität. Steigt die Rendite beispielsweise um einen Prozentpunkt, so liegt der Verlust einer bis 2010 laufenden Bundesanleihe in sechs Monaten bei 2,3 Prozent. Bei einer bis zum Jahr 2016 laufenden Bundesanleihe wären es gar 5,9 Prozent. Und derzeit gehen alle Experten davon aus, dass die Renditen am Euro-Kapitalmarkt steigen werden. Die Volkswirte der DZ Bank erwarten bis Jahresende bei zehnjährigen Bundesanleihen einen Renditeanstieg von aktuell 4,2 Prozent auf 4,9 Prozent. <BR><BR>Für Anleger ist es somit weiter ratsam, auf Anleihen mit kürzeren Restlaufzeiten zu setzen, da diese auf einen Anstieg der Renditen mit geringeren Kursverlusten reagieren als Papiere mit langen Restlaufzeiten. Eine weitere Alternative bieten inflationsindexierte Anleihen. Der reale Zinskupon dieser Rentenpapiere wird zum Zinszahlungstermin mit der relativen Veränderung des Verbraucherpreisindex in der abgelaufenen Zinsperiode multipliziert. Gleichzeitig wird auch der Nennwert dieser Anleihen während der Laufzeit multiplikativ an die Entwicklung der Inflationsrate angepasst. Unter dem Strich fällt die reale Verzinsung dieser Papiere damit höher aus, als bei Bundesanleihen.<BR></P>

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