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Ruhestand: Die Regelaltersgrenze steigt in den nächsten Jahren schrittweise an.

Wer wann in den Ruhestand gehen darf

München - Der Einstieg in die Rente mit 67 hat bereits begonnen. Doch viele Ältere können sich kaum vorstellen, länger als bisher weiterzuarbeiten. Was können Betroffene tun?

Wer in diesem Jahr 65 wird, kann regulär erst einen Monat nach dem 65. Geburtstag in Rente gehen. Die Regelaltersgrenze steigt in den nächsten Jahren schrittweise an. Wie Betroffene reagieren können, richtet sich nach der jeweiligen Lebenssituation – je nachdem, ob sie beschäftigt oder arbeitslos sind, wie es um ihre Berufsausbildung bestellt ist und ob sie gesundheitlich angeschlagen sind. Ein Überblick:

Kombirente: Ab 2013 soll für Ältere die „Kombirente“ eingeführt werden. Sie soll die Kombination von Teilzeitarbeit und Rente attraktiver machen. Die neue Rente kommt für alle in Frage, die vorzeitig – meist ab 63 – Anspruch auf ein vorgezogenes Altersruhegeld haben. Bislang sind für Frührentner maximal 400 Euro Hinzuverdienst im Monat erlaubt, ohne dass die Rente gekürzt wird. Demnächst soll es weit mehr sein: Insgesamt dürfen Ältere dann nach dem Plan von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen zusammen mit der Rente den höchsten Brutto-Jahresverdienst der letzten 15 Jahre erreichen.

Wer beispielsweise 12.000 Euro jährlich an Rente erhält und maximal 36.000 Euro brutto verdient hat, darf 24 000 Euro im Jahr zur Rente hinzuverdienen. Im Monat sind das dann also 2000 Euro brutto. Das verbessere die Möglichkeiten, „gleitend aus dem Job auszusteigen“, so von der Leyen. Der Haken: Wie bei jeder Rente vor dem regulären Renteneintrittsalter, so müssen auch Kombirentner mit hohen Abschlägen bei der Rente rechnen. Sie gelten lebenslang. Künftig soll es aber möglich sein, dass der Arbeitgeber diese Abschläge durch die freiwillige Zahlung von zusätzlichen Rentenbeiträgen in Grenzen hält.

Arbeitszeit verkürzen: Arbeitnehmer haben häufig einen Rechtsanspruch auf Verkürzung ihrer Arbeitszeit. Dabei können sie sich auf das Teilzeit- und Befristungsgesetz stützen, das Arbeitnehmern in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten das Recht zur Verkürzung ihrer Arbeitszeit gibt. Noch härter ist der Rechtsanspruch auf Teilzeit für Schwerbehinderte. Sie können jederzeit – ohne Bindung an eine Form oder Frist – verlangen, nur noch in dem zeitlichen Umfang eingesetzt zu werden, der ihrer Behinderung Rechnung trägt.

Arbeitslosengeld I: Wer 58 und älter ist, hat in der Regel zwei Jahre lang Anspruch auf diese Versicherungsleistung der Arbeitsagenturen. Diese wird derzeit längstens gezahlt, bis Arbeitslose 65 Jahre und einen Monat alt sind. Auch diese Altersgrenze steigt Schritt für Schritt auf 67 Jahre an. Ältere Arbeitslose müssen sich allerdings – genau wie jüngere – dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen und aktiv Arbeit suchen. Wichtig: Das ALG I fällt oft deutlich höher aus als die zu erwartende Rente.

Krankengeld: Viele ältere Beschäftigte sind (chronisch) krank. Sie haben genau wie jüngere Anspruch auf Krankengeld der Krankenkasse – und zwar für ein und dieselbe Krankheit auf maximal 78 Wochen (einschließlich der sechswöchigen Lohnfortzahlung des Arbeitgebers). Auch das Krankengeld ist meist deutlich höher als die zu erwartende Altersrente. Außerdem: Zeiten mit Krankengeld sind für die Rente fast so viel wert wie „normale“ beitragspflichtige Beschäftigungszeiten. Auch sie stocken – genau wie Zeiten des ALG-I-Bezugs – die spätere Rente auf.

Schwerbehinderte: Gerade für Ältere mit starken gesundheitlichen Handicaps lohnt es sich, beim Versorgungsamt die Anerkennung als Schwerbehinderte zu beantragen. Die Anerkennung ist ein Schutzschirm gegen eine mögliche Entlassung. Zudem können Schwerbehinderte derzeit noch mit 60 Jahren und einigen Monaten in Rente gehen – allerdings mit erheblichen Rentenabschlägen.

Weiterbildung: Damit Ältere im Job mithalten können, sollten sie mit ihrer Qualifikation auf dem neuesten Stand sein. Unter Umständen finanzieren die Arbeitsagenturen die Weiterbildung älterer Beschäftigter. So können beispielsweise viele Friseure oder Bäcker gefördert werden, die nicht mehr in ihrem erlernten Beruf, sondern in der Industrie arbeiten. Gefördert werden kann eine Ausbildung in dem Job, den sie jetzt ausüben, aber nicht erlernt haben. Die Arbeitgeber zahlen während der Weiterbildung den Lohn weiter, können ihn aber von der Arbeitsagentur erstattet bekommen.

Mehr Informationen gibt es unter Fax-Abruf 09001/25266553 (1 Minute = 62 Cent/6 Seiten) bis 11. Mai. Das Fax-Gerät auf „Polling“ oder „Sendeabruf“ stellen, Fax-Service-Nummer wählen und Starttaste drücken. Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Rente mit 67“ an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf.

Rolf Winkel

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