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Geld, Reise, Traumauto? Wer eine Gewinnbenachrichtigung per Post bekommt, sollte sich nicht zu früh freuen. Zu verschenken haben die dubiosen Firmen nichts, im Gegenteil. Ihnen geht es um teure Rückrufe oder die Kontodaten der vermeintlichen Gewinner.

Werbebriefe: Der Gewinn ist fast immer eine Niete

München - Bargeld, Luxusreisen oder Traumautos? Die unzähligen Gewinnversprechen, die täglich in Form von Werbeschreiben in den deutschen Briefkästen landen, klingen zu schön, um wahr zu sein. Meistens sind sie das auch.

Diesmal hat er wirklich gewonnen, da ist sich Alfred G. sicher. Schon oft hatte der 67-Jährige Werbeschreiben von Firmen bekommen, in denen ihm die schönsten Dinge versprochen wurden. Bisher hat er nie viel darauf gegeben, doch diesmal sind die Formulierungen so eindeutig, dass für ihn kein Zweifel besteht. „Sie haben offiziell 31 000 Euro gewonnen“, kündigt die „Sondermitteilung“ beispielsweise in großen Buchstaben an. Und: „Sie sind Gewinner, das ist endgültig und eindeutig“.

Doch so eindeutig ist der Sachverhalt dann doch nicht, wie G. bald feststellen muss. Um sicher zu sein, dass seine Antwort fristgerecht innerhalb von 14 Tagen bei der Firma eingeht, bestellt er etwas aus dem Angebot des Unternehmens mit Sitz in Belgien. Die Ware wird schnell geliefert, auf seinen Gewinn wartet er dagegen vergeblich. Mehrmals versucht G. schriftlich, seinen Scheck einzufordern. Ohne Erfolg. „Wir haben nie den Eindruck erweckt, Sie hätten bereits den Ausspielungsbetrag gewonnen“, lässt ihn der Kundenservice wissen.

Formulierung führt bewusst in die Irre

Und damit hat das Unternehmen leider nicht ganz Unrecht, weiß Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern. „Schwammige Formulierungen führen die Empfänger häufig in die Irre“, erklärt die Juristin, die täglich mit ähnlichen Fällen zu tun hat. Häufig seien diese Sätze auch noch im Kleingedruckten versteckt und so formuliert, dass man sie dreimal lesen müsse, ehe man sie halbwegs verstehe: „Mitteilung, wie sie an den Besitzer der einzigen erklärten Hauptgewinn-Nummer des 1. Preises formuliert wird, wenn er fristgerecht antwortet“, heißt es etwa in winzigen Lettern in dem Schreiben an Alfred G. „Das ist nur eine Hypothese“, betont Halm. „So würde das Schreiben aussehen, wenn Herr G. den Hauptpreis gewinnen würde.“

Trotz eindeutiger Urteile oft kein Geld

Trotz solcher Tücken haben die Verbraucher das deutsche Recht auf ihrer Seite: „Ein Unternehmer, der Gewinnzusagen oder vergleichbare Mitteilungen an Verbraucher sendet und durch die Gestaltung dieser Zusendungen den Eindruck erweckt, dass der Verbraucher einen Preis gewonnen hat, hat dem Verbraucher diesen Preis zu leisten, steht im Bürgerlichen Gesetzbuch (Paragraf 661 a). Einen Präzedenzfall schuf im März dieses Jahres auch das Oberlandesgericht Köln (Aktenzeichen 21 U 2/10). Ein Mann aus Neustadt hatte eine Shopping-Firma aus Luxemburg auf Gewinnauszahlung verklagt und Recht bekommen. Das Unternehmen hatte ihm einen Katalog geschickt, dem eine „Offizielle Gewinnmitteilung“ mit seinem Namen beigefügt war. Demnach sollte ihm ein Gewinn von 13 400 Euro zustehen. Als der Mann das Geld einfordern wollte, gab die Firma an, dass in den Teilnahmebedingungen weitere Voraussetzungen für die Gewinnauszahlung enthalten gewesen seien, die der Mann nicht erfüllt habe. Es sei daher auch nicht von einem Gewinner, sondern lediglich einem „Gewinnkandidaten“ die Rede gewesen. Das aber sah das Oberlandesgericht Köln anders und bestätigte damit ein Urteil des Landgerichts Aachen. „Ihr Geld bekommen die meisten Verbraucher trotzdem nicht“, bedauert Halm.

Oft seien die Firmen nämlich gar nicht mehr existent, wenn das Urteil vollstreckt werden soll. In vielen Fällen beginnen die Probleme schon damit, den Unternehmen die Klage überhaupt erst zuzustellen. „Meist ist nur eine Postfachadresse bekannt, die reicht aber nicht aus, man braucht eine ladungsfähige Anschrift“, warnt Halm. Weil die Absender der falschen Gewinnversprechungen meist auch noch im sicheren Ausland sitzen, wird es für die Verbraucher in der Praxis fast unmöglich, ihren Gewinn einzuklagen.

Gesunde Portion Misstrauen ratsam

Damit es gar nicht so weit kommt, rät Halm den Verbrauchern deshalb zu einer gesunden Portion Misstrauen. „Vorsicht ist immer dann angebracht, wenn man etwas gewonnen haben soll, aber bei gar keinem Gewinnspiel mitgemacht hat“, unterstreicht die Expertin. Denn: „Zu verschenken hat niemand etwas.“ Auch wenn als Adresse des Absenders nur ein Postfach angegeben ist, können die Verbraucher laut Halm sicher sein, dass das Angebot unseriös ist. Außerdem sollte man nie in Vorleistung treten, auch wenn es sich nur um vergleichsweise kleine Beträge handle: „Teure 0900-Nummern, unter denen der Gewinn bestätigt werden muss, bringen der Firma bares Geld ein.“

Firmen geht es nur um ihren Gewinn

Denn darum geht es den betrügerischen Firmen in der Regel. Es muss aber nicht immer die teure 0900-Nummer sein. „Viele Unternehmer fragen sensible Informationen wie Kontoverbindungen oder Geburtsdaten ab, die sie dann weiterverkaufen“, erklärt Halm. Eine gängige Masche sei es auch, die angebliche Gewinnübergabe als Verkaufsveranstaltung oder Kaffeefahrt zu tarnen. „Anstatt etwas zu bekommen, wird auf die Teilnehmer ein subtiler psychischer Druck ausgeübt, irgendwelche überteuerten Waren zu kaufen.“ Gerade bei älteren Menschen funktionierten diese Tricks häufig. „Falsche Gewinnversprechen sind inzwischen eine echte Plage geworden.“

Schwarze Liste im Internet

Aus diesem Grund hat die Verbraucherzentrale Hamburg auf ihrer Internetseite (www.vzhh.de) eine Schwarze Liste veröffentlicht, die bereits über 500 Namen von betrügerischen Firmen enthält. Wer sich trotzdem unsicher ist, für den hat Verbraucherschützerin Halm einen einfachen Rat, der immer passt: „Ab in den Müll mit den dubiosen Gewinnversprechen.“

Silke Scheder

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