Bei VW werden Betriebsräte nun als "Dreckschweine" beschimpft

- Hannover - Wenn Top-Manager für ihr Unternehmen einen harten Sparkurs in Aussicht stellen, schweißt die Angst um Jobs und Gehalt Belegschaft und Betriebsräte meist eng zusammen. Der neue VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard will Milliarden einsparen - doch zwischen den Arbeitern bei VW und ihren gewählten Vertretern klafft ein Riss. Das Vertrauen ist angekratzt.

Seit dem Rücktritt von Ex-Betriebsrats-Chef Klaus Volkert wuchern - trotz fehlender Beweise - Gerüchte, Betriebsräte hätten sich vom Vorstand mit Reisen bestechen lassen. Früher ernteten Betriebsräte beim Gang durch die Werkshallen gelegentlich Schulterklopfen, berichtet Wilfried Pröttel, seit zehn Jahren Betriebsrat im Wolfsburger Stammwerk. "Jetzt haben wir schon Probleme." Teilweise würden Betriebsräte als "Dreckschweine" beschimpft. Der 56-Jährige ist Mitglied der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM), die fünf von 67 Betriebsräten in Wolfsburg stellt. Der neue Mann an der Spitze des Gesamtbetriebsrats, Bernd Osterloh, wehrt sich gegen den Eindruck, Betriebsrat und Gewerkschaft bei VW seien durch die Affäre geschwächt. "Es geht um unbewiesene Vorwürfe", betont er immer wieder.In der Betriebsratszeitung räumt Osterloh allerdings ein, dass der Vorstand bis 2003 Betriebsräte mit ihren Ehefrauen zu Reisen eingeladen habe. Aber: Wer dabei war, welchen Rahmen die Reisen hatten - viele Fragen bleiben offen.Mitgliedschaft in der IG Metall gilt als hilfreich

Welcher Druck auf Osterloh lastet, wurde nach der Sitzung des VW-Aufsichtsratspräsidiums am vergangenen Mittwoch deutlich. "Es gibt keine faire Berichterstattung", warf er den Journalisten mit hochrotem Kopf vor. "Es gibt keine Vertrauenskrise", sagt dagegen der Wolfsburger IG-Metall-Sprecher Willi Dörr. In Wolfsburg seien bisher 20 Mitglieder der IG Metall ausgetreten, normale Fluktuation sei das.Bei VW sind 97 Prozent der Mitarbeiter in der IG Metall organisiert, die auch den Betriebsrat dominiert. Die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft gilt als "hilfreich", etwa wenn der Wechsel in eine andere Abteilung oder ein anderes Werk ansteht.Vor dem VW-Werk in Hannover-Stöcken äußern sich Beschäftigte verärgert über ihre Vertreter. "Ich bin enttäuscht von denen, habe aber fast nichts anderes erwartet. Heute nehmen doch alle, was sie kriegen können. Es geht immer auf die Kleinen", sagt Heike Schulte (34). Ein Kollege wettert: "Die denken doch vor allem an sich." Er sei schon vor einem Jahr aus der IG Metall ausgetreten.In Braunschweig kamen in der vergangenen Woche 2500 VWler zu einer Betriebsversammlung. Von einer "angespannten Atmosphäre", berichtet ein Teilnehmer. Es habe aber auch Aussagen wie diese gegeben: "Wir brauchen jetzt einen starken Betriebsrat."

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