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Der neue Airbus 350-900, der an der Elbe gebaut wird, soll 2017 auch in München abheben: Auf unserem Bild inspizieren (v.l.) Michael Witt (Airbus), Karl-Henner Wilhelm (A350-Projektleiter bei Lufthansa), Kapitän Martin Hoell (Leiter der Münchner Lufthansa-Interkontinental-Flotte) und Olaf Voss (Airbus) ein Rumpfteil in der Werft Finkenwerder.

Innovativstes Langstreckenflugzeug der Welt

Werft-Besuch: So wird der neue Airbus für München gebaut 

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Hamburg/München - Bei Lufthansa beginnt 2017 eine neue Ära: Der Airbus A350-900 wird neues Flotten-Flaggschiff. Er gilt als innovativstes Langstreckenflugzeug der Welt. Die ersten zehn von 25 Maschinen kommen an den Flughafen München.

Der Lufthansa geht es derzeit wie einer Familie, die aufgeregt ein Kind erwartet. Doch statt zum Frauenarzt geht es an die Elbe, genauer gesagt nach Hamburg-Finkenwerder und Stade. Hier bei Airbus werden einige der ersten Teile für das neue Flotten-Flaggschiff gefertigt. Es ist teurer Nachwuchs: 310 Millionen US-Dollar pro Stück.

Die Lufthansa kann ihren neuen Sprössling für den Interkontinentalverkehr kaum erwarten. Daher der Trip an die Elbe – mit dabei: Kapitän Martin Hoell, Chef der Münchner Interkontinental-Flotte, und Karl-Henner Wilhelm, Leiter der A350-Projekts bei Deutschlands größter Fluggesellschaft. Anders als bei vielen werdenden Eltern gibt es keinen Streit um den Namen. „MSN 074“ heißt das Baby bei Airbus – „Manual Serial Number 74“. Bei Lufthansa wird der Jet mit der Kennung D-AIXA in den Himmel steigen.

Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Doch wie bei einem Ultraschallbild kann man vieles schon recht gut erkennen: Die A350-900 ersetzt sukzessive die A340, das bis dato längste Passagierflugzeug der Welt. Für die Airlines ist die A350 ein Meilenstein, weil sie fliegen nicht nur ökonomischer, sondern auch ökologischer macht. Im Schnitt verbraucht jede A350 nur 2,9 Liter Kerosin pro Passagier auf 100 Kilometer – ein Viertel weniger als vergleichbare Maschinen. Die neuen Rolls-Royce-Triebwerke sorgen für eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 25 Prozent. Der Lärmteppich soll sogar um die Hälfte schrumpfen – für Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger ein „wichtiges Signal“ an das Umland des Münchner Flughafens.

Die Neuerungen sollen auch die Passagiere spüren: Die Kabine des 67 Meter langen und 17 Meter hohen Fliegers mit 65 Metern Spannweite ist breiter, die Reisenden haben mehr Platz. 293 Plätze wird die A350 bieten: 224 in der Economy Class, 21 in der neuen Premium Economy und 48 in der Business Class. Letztere wird erstmals mit einer Art Selbstbedienungs-Bar ausgestattet.

All das ist aber noch Zukunftsmusik. Airbus hat zwar seit 2014 bereits 20 Maschinen dieses Typs ausgeliefert – an Qatar, Fin Air, Vietnam Airlines und Singapur Airlines. Der neue Kranich hingegen duckt sich noch in sein Nest. Das sind die riesigen Produktionshallen in Finkenwerder und in Stade. Außer ein paar beigefarbenen und olivgrünen Halbröhren mit den typischen Bullaugen ist noch nicht viel zu erkennen. In Finkenwerder werden gerade die vorderen und hinteren Rumpfteile der ersten zwei von 25 A350-Maschinen zusammengebaut sowie mit Elektrik und Hydraulik versehen. Tausende Nieten werden ins Metall getrieben, hunderte Kilometer Kabel verlegt.

Ein paar Kilometer weiter, in Stade, entstehen aus Karbon das Leitwerk im Heck sowie die 32 auf sechs Meter großen Oberschalen der Tragflächen. Dieser Verbundstoff ist ein Grund, warum die A350 so leicht, sparsam und stabil ist. 53 Prozent der Flugzeugzelle bestehen aus dem Kohlefaserverbund, in bis zu 72 Schichten aufgetragen und unter zehn Bar Druck zwölf Stunden bei 180 Grad ausgehärtet. Der „Flügelbackofen“ mit 38 Meter Länge und neun Meter Breite erinnert an einen U-Bahn-Tunnel – und ist der größte weltweit.

Die Tragflächen kommen aus England, die Landeklappen daran aus Bremen. Die konzerneigenen Riesenfrachtflieger Beluga transportieren alle Bauteile nach Frankreich. In Toulouse findet dann die Endmontage statt – nach einem Jahr Bauzeit. Lackiert wird wiederum an der Elbe.

Im Herbst werden die Maschinen ausgeliefert. Chefpilot Hoell höchstpersönlich wird den Nachwuchs ins Erdinger Moos steuern. Er kann es kaum erwarten. Für ihn ist die A350 eine neue Dimension des Reisens: „Ich freue mich, weil es ein neuer und innovativer Flieger ist, vielleicht der letzte, den ich als aktiver Pilot steuern darf.“ Die indische Metropole Delhi und Boston im US-Bundesstaates Massachusetts werden übrigens die ersten Ausflugsziele des neuen Kranichs sein.

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