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Die hohe Nachfrage unter anderem nach der neuen A-Klasse lässt Mercedes auf Werksferien verzichten.

Gute Auftragslage bei den Autobauern

Werksferien werden zum Auslaufmodell

München - Die gute Auftragslage der süddeutschen Autohersteller macht Werksferien zum Auslaufmodell. Die Produktion ruht nur noch in Ausnahmefällen, etwa wegen der Umbauarbeiten für einen Modellwechsel. Auch Mercedes arbeitet in diesem Jahr durch.

Das war einmal: Mindestens drei bis vier Wochen machten die meisten Autohersteller ihre Werke in den Sommerferien früher dicht. Die Belegschaften verabschiedeten sich fast geschlossen in den Urlaub. Das machte die Urlaubsplanung für Familien leicht – und für Singles und Paare, die nicht auf die Ferien angewiesen sind, auch teuer.

Doch nach und nach verschwanden die Werksferien aus den Unternehmensplanungen. Nur wenn größere Umbauarbeiten etwa für eine neue Baureihe anstehen oder wenn die Auftragslage extrem mau ist, stehen die Bänder – bevorzugt in der Ferienzeit – für einige Wochen still. Das kann durchaus auch um Weihnachten sein.

Nun hat auch Mercedes angekündigt, auf die Sommerpause in den Werken Sindelfingen, Rastatt und Untertürkheim zu verzichten. Um Urlaubsengpässe zu vermeiden, werden rund 4500 Ferienkräfte eingestellt, berichtet die „Automobilwoche“. Das sind Schüler oder Studenten, vorzugsweise für einfachere Arbeiten, die keine große Einarbeitungszeit erfordern. Die Ferienkräfte sind aber auch während der Sommerpause nur ein überschaubarer Anteil der insgesamt anwesenden Beschäftigten, betont ein Daimler-Sprecher gegenüber unserer Zeitung. Die Bezahlung hängt vom Einsatzbereich ab, kann aber nach Aussagen von Daimler bis zu 2150 Euro im Monat betragen.

Grund für die gestrichenen Ferien: Die Stuttgarter steuern im laufenden Jahr einen Rekordabsatz an. Auch wenn BMW und Audi weiterhin voraneilen, arbeiten die Mitarbeiter bei Mercedes ebenfalls am Anschlag. Vor allem die A- und B-Klasse sowie das von ihnen abgeleitete Coupé CLA sind begehrt. Von ihnen wurden im Mai 31 770 Stück ausgeliefert – 65,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Deshalb wird durchgearbeitet. Denn die Zeiten, in denen monatelange Lieferzeiten als Zeichen für die Begehrtheit eines Automodells sogar verkaufsfördernd wirkten, sind auch für den Stuttgarter Premium-Pionier längst vorbei. Wer den Mercedes nicht schnell bekommt, geht zu Audi oder BMW nebenan.

In München sind allgemeine Werksferien längst abgeschafft. Anders als in Stuttgart entstehen dadurch aber nicht tausende lukrative Ferienjobs. Die vereinbarten Arbeitszeitkonten reichen aus, um die Sommerferien ohne Produktionsausfall zu umschiffen. BMW gilt als Pionier bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Spielraum für Ferien gibt es angesichts der regelmäßigen Verkaufsrekorde ohnehin nicht. Stattdessen werden derzeit Sonderschichten gefahren – zuletzt am vergangenen Wochenende.

Wenn im größten BMW-Werk in Dingolfing in der Sommerpause die Produktion gestoppt wird, hat das ganz andere Gründe: Es stehen Arbeiten an der Lackieranlage an. So etwas geschieht meist im Zusammmenhang mit einem Modellwechsel – wenn die Verkaufszahlen auslaufender Modelle deutlich zurückgehen.

So ruht die Arbeit in der A4-Produktion bei Audi in Ingolstadt. Grund sind Vorbereitungs- und Umbaumaßnahmen für die neue Generation des für Audi wichtigsten Modells vor allem in der Lackiererei und der Montage. Dagegen müssen die Mitarbeiter der A3-Fertigung auch Anfang August durcharbeiten. Im zweitgrößten Audi-Werk in Neckarsulm wird ebenfalls umgebaut. Dort ruht deshalb die Produktion von 5. bis 23. August.

Doch auch hier können mangelnde Bestellungen nicht die Ursache sein. Auch bei Audi sind die Auftragsbücher randvoll. 38 Sonderschichten in Neckarsulm wurden bei Audi fürs erste Halbjahr 2013 vereinbart. Das sind sogar noch mehr als die 25 zusätzlichen Schichten in Ingolstadt.

Im Gegensatz zu den Premium-Anbietern leiden die Massenhersteller von Autos nach wie vor am kränkelnden europäischen Markt. Volkswagen kann seine Mitarbeiter in fast allen deutschen Werken drei Wochen lang in den Sommerurlaub schicken. Auch Opel hat drei Wochen Sommerpause angekündigt. Bei Ford in Köln sind es sogar vier Wochen.

Martin Prem

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