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Auch im Reinigungsgewerbe setzen viele Betriebe auf Werkverträge, um Lohnkosten zu sparen.

DGB-Studie zu Niedriglöhnen

Werkverträge verdrängen Leiharbeit

München - Nach der Leiharbeit entwickeln sich Werkverträge zum neuen Lohndumping-Instrument. Immer mehr Betriebe gliedern Geschäftsbereiche aus, um Kosten zu sparen. Bayerns DGB-Chef Jena warnt vor einem neuen „Arbeitssklaventum“.

Es ist ein tragischer Fall, der die Debatte um Lohndumping und miserable Arbeitsbedingungen neu entfacht hat: Mitte Juli starben zwei rumänische Arbeiter der Meyer Werft in Papenburg bei einem Brand in ihrer Unterkunft. Sie waren über einen Werkvertrag bei einem Subunternehmen beschäftigt – für 3,50 Euro Stundenlohn. Der Fall aus dem Emsland ist sicherlich ein krasses Beispiel für Ausbeutung. Doch auch in Bayern arbeiten Hunderttausende mit Werkverträgen für einen Mini-Lohn. Dies zeigt ein Report, den der DGB Bayern gestern in München vorstellte.

In dem 80-seitigen Bericht sind dutzende Beispiele von Werkverträgen beschrieben. „Grundsätzlich sind Werkverträge nichts Schlechtes“, betont die Autorin der Studie, Sandra Siebenhüter. Wenn ein Unternehmen etwa einen Schreiner für neue Schreibtische beauftragt, geschieht dies in der Regel über einen Werkvertrag. Das Problem: Viele Betriebe gliedern ganze Geschäftsbereiche aus, kaufen die Dienstleistung über Werkverträge ein und sparen sich damit Personalkosten.

„Oftmals wird die Logistik ausgelagert“, sagt Siebenhüter. Als Beispiel nennt sie die Firma Eurocopter in Donauwörth. Dort bekam eine festangestellte Lagerfachkraft früher rund 3250 Euro brutto im Monat. Der neue Logistik-Anbieter zahlt den Beschäftigten für die gleiche Tätigkeit im Schnitt 1860 Euro brutto im Monat. Auch bei Weihnachts- und Urlaubsgeld wird kräftig gespart.

Werkverträge gibt es jedoch nicht nur in der Logistik. Auch Kliniken, Altenheime, Hotels, Bauunternehmen und Autohersteller nutzen die Möglichkeit. Besonders hoch ist die Quote in Schlachthöfen. Zwischen 50 und 80 Prozent der Beschäftigten arbeiten hier über Werkverträge, schätzt Siebenhüter. Einen drastischen Fall schildert die Expertin aus einem Schlachthof in Waldkraiburg (Landkreis Mühldorf am Inn). Nach mehreren Umstrukturierungen wurden dort rumänische Beschäftigte über Werkverträge eingestellt. Sie bekommen den rumänischen Mindestlohn von umgerechnet 176 Euro im Monat. Dazu gibt es eine monatliche Zulage von 800 bis 1000 Euro. Bei Krankheit oder Urlaub erhalten die Arbeiter allerdings nur einen Ausgleich auf Basis des rumänischen Mindestlohns.

Als „modernes Arbeitssklaventum“ bezeichnet Bayerns DGB-Chef Matthias Jena solche Arbeitsverhältnisse. Werkverträge würden oftmals als weiteres Mittel für Flexibilisierung und Lohndumping genutzt. „Sie reihen sich ein in die Versuche der Kostensenkung um jeden Preis.“ Dem Missbrauch der Werkverträge müsse die Regierung dringend einen Riegel vorschieben, fordert Jena. „Wir brauchen eine Abgrenzung echter Werkverträge von Umgehungswerkverträgen.“ Inzwischen gelte jede geflieste Wand, jedes geputzte Hotelzimmer und jedes geschlachtete Tier als eigenes Werk, so Jena. Auch die Kontrollen sollten verschärft werden, um Scheinselbstständigkeit zu unterbinden.

Konkrete Zahlen zum Ausmaß der Werkverträge gibt es nicht. Das liegt daran, dass Beschäftigte über Werkverträge nicht unter Personal-, sondern unter Sachkosten verbucht werden. Selbst Betriebsräte wissen oft nicht, wie viele Beschäftigte mit Werkverträgen im Unternehmen arbeiten. Die Mitbestimmung greife nicht, klagt der Gewerkschaftschef. Um sich dennoch einen Überblick zu verschaffen, wählt mancher Betriebsrat ungewöhnliche Methoden. „Es werden Betriebsausweise gezählt oder die Zahl der Kantinenbesucher“, berichtet Studienautorin Siebenhüter. Österreichs Gewerkschaften haben es einfacher. Hier werden auch Werkverträge statistisch erfasst.

Werkverträge gelten als Sachkosten

In Deutschland sind die Gewerkschaften beim Thema Werkverträge weitgehend machtlos. Erfolge bei der Bezahlung von Leiharbeitern sind durch die Ausweitung der Werkverträge hinfällig. „Durch die Branchenzuschläge ist vielen Betrieben Leiharbeit zu teuer geworden“, sagt Siebenhüter. „Sie setzen stattdessen auf Werkverträge.“ Auch Branchenmindestlöhne können die Entwicklung nicht stoppen. Selbst wenn Lohnuntergrenzen wie etwa im Friseurhandwerk eingeführt werden, rechnet Jena kaum mit Verbesserungen für die Beschäftigten. „Dann wird der Stuhl im Friseursalon eben über einen Werkvertrag vergeben.“

Steffen Habit

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