Werner fordert 800 Euro für jeden

München - Der Gründer der Drogeriemarktkette dm, Götz Werner, hat außergewöhnliche Ideen. Jeder Erwachsene in Deutschland müsse ein "bedingungsloses Grundeinkommen" von 800 Euro im Monat bekommen, fordert der 63-jährige Unternehmer.

Herr Werner, Sie fordern ein Grundeinkommen für jeden, egal ob er arbeitet oder nicht. Warum?

Jeder Mensch, der in dieser Gesellschaft, in der man sich nicht mehr selber versorgen kann, lebt, braucht ein Einkommen, um Leistungen anderer in Anspruch nehmen zu können, braucht eine Teilhabe, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Das leistet ein bedingungsloses Grundeinkommen, das ein steuerfinanziertes Bürgerrecht sein müsste.

Soll das Geld auch der bekommen, der es gar nicht nötig hat?

Ja, jeder - egal ob arm oder reich. Das ist nichts Neues; Grundeinkommenselemente gibt es heute schon. Jeder Bürger hat einen Steuerfreibetrag und jedes Kind bekommt heute Kindergeld, egal, ob die Eltern reich oder arm sind. Abgesehen davon sind weitreichende Veränderungen in der Arbeitswelt zu beobachten: Die Anzahl der Freiberufler nimmt stark zu, was von den Menschen mehr Beweglichkeit verlangt. Das Grundeinkommen würde Menschen beispielsweise zwischen zwei Projekten absichern.

Wie hoch soll denn das Grundeinkommen sein?

Ich schlage etwa 800 Euro im Monat für Erwachsene vor. Das würde den Menschen eine enorme Sicherheit geben.

Was kostet die Finanzierung des Grundeinkommens?

Dadurch, dass das Grundeinkommen substitutiv ist und dadurch, dass jeder Mensch schon heute ein Einkommen hat, ist das Grundeinkommen schon bezahlt. Die Zahlungsströme fließen schon. Es müsste nur der Betrag finanziert werden, für die, die weniger als diese Summe haben, also die heute noch keine 800 Euro haben. Das würde zwischen 30 und 40 Milliarden Euro im Jahr kosten. Das ist für unsere Gesellschaft möglich.

Wie soll das ganze System finanziert werden?

Durch Steuern. Es geht darum, ein neues Steuersystem zu etablieren, in dem langfristig Lohn- und Einkommensteuer sowie Kapitalertragsteuer wegfallen und im Gegenzug Schritt für Schritt eine höhere Mehrwertsteuer erhoben wird. Die Güter werden durch die höhere Mehrwertsteuer jedoch nicht teurer, weil einkommensbasierte Steuern, die heute in den Preisen verrechnet sind, wegfallen. Wichtig dabei ist, dass die Staatsquote, also das Verhältnis der Staatsausgaben zur gesamten Wirtschaftsleistung, nicht steigen darf.

Reicht die bisherige Unterstützung bedürftiger Menschen von Sozialhilfe bis Hartz IV nicht aus?

Hartz IV produziert Armut. Menschen, die 20 Jahre lang gearbeitet haben, verlieren ihr ganzes Geld, werden ausgegrenzt und unter Rechtfertigungszwang gestellt. Damit nimmt man Menschen ihre Freiheitsrechte und zerstört ihre Kreativität. Das ist ein Skandal.

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