An der Börse ist nicht alles Gold, was glänzt. Doch einige Banken locken Depotkunden mit Prämien. Das kann auch ein kleiner Goldbarren sein. Experten raten allerdings, weniger darauf zu achten als auf die Depot-Konditionen. fotolia

Wertpapier-Depot: Der Banken-Wechsel ist kostenlos

München - Auch ein kleines Aktiendepot kann Freude machen, wenn nicht hohe Gebühren am möglichen Ertrag zehren. Preisvergleiche lohnen sich.

Es klingt zunächst nach Kleingeld: Eine Bank nimmt bei einem Depotwert von 10 000 Euro eine Jahrespauschale von 30 Euro und je Order durchschnittlich 14,90 Euro. So entstehen bei zehn Wertpapiertransaktionen im Jahr Kosten von rund 179 Euro - knapp 1,8 Prozent der Depoteinlage. Das muss erst einmal erwirtschaftet werden. Bank B führt das Depot kostenlos und berechnet je Transaktion nur 9,90 Euro. Folge: Die Kostenquote sinkt auf knapp ein Prozent, die Depotrendite steigt bei identischer Wertentwicklung um 0,8 Prozent. Doch was zeichnet ein günstiges Depot aus und was ist beim Wechsel zu beachten?

Das Gratis-Depot

Viele Direktbanken und Onlinebroker bieten kostenlose Depots. Andere Banken werben mit gebührenfreien Depots, knüpfen diese aber an Bedingungen. So verzichten Comdirect, S-Broker oder Netbank nur dann auf Depotgebühren, wenn regelmäßig Wertpapiere gekauft werden, das bankeigene Girokonto genutzt oder ein bestimmter Vermögensstand nicht unterschritten wird. Die Jahresbeträge bewegen sich zwischen 30 Euro (S-Broker) und 11,90 Euro (Netbank). Teurer sind Filialbanken, zum Beispiel die Deutsche Bank, die bis zu ein Prozent vom Kurswert der Wertpapiere erhebt.

Jeder Kauf kostet

Die Gebühren errechnen sich aus der Orderhöhe, meist sind es 0,25 Prozent vom Kurswert. Eine 2000-Euro-Order kostet demnach fünf Euro. Da fast alle Banken Mindestgebühren erheben, betragen die Transaktionskosten nur selten weniger als 9,95 Euro. Eine Ausnahme bilden der Internetbroker Flatex und die Postbank, die für Kleinorders nur 6,75 bzw. 7,95 Euro berechnen. Verbraucherschützer Holger Handstein von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt möglichst einfache Gebührenmodelle: „Transparente Kosten beugen Überraschungen vor.“ Eine klare Kostenstruktur bieten auch DKB und Netbank, die für jede Order einheitlich zehn Euro verlangen.

Wechsel kostet nichts

Der Depotumzug von einer Bank zur anderen ist kostenlos. Der Bundesgerichtshof hatte 2004 die Gebührenerhebung untersagt, weil die Bank nur ihrer gesetzlichen Pflicht nachkommt, die im Kundenauftrag verwahrten Wertpapiere herauszugeben. Dies müsse grundsätzlich kostenfrei geschehen, so die Richter.

Lockruf mit Prämie

Viele Banken locken mit Prämien für den Übertrag von Wertpapieren: So spendiert S-Broker bis zu 250 Euro, allerdings nur für Neukunden mit Depoteröffnung. Cortal Consors schreibt ein Jahr lang vier Prozent Zinsen aufs Tagesgeld gut und die DAB-Bank verschenkt je nach Depotwert Goldbarren zwischen einem und 50 Gramm. Wer 40 001 Euro Depotvermögen überträgt, wird mit zehn Gramm Gold belohnt. Verbraucherschützer Handstein: „Statt Lockvogelprämien sollte man lieber die Depot- und Orderkosten vergleichen.“

Daten notieren

Der Wertpapierübertrag kann bis zu vier Wochen dauern. Während dieser Zeit ist kein Aktien- oder Fondshandel möglich. Bei Buchung ins neue Depot sollte man Stückzahl, Anschaffungspreis und Kaufdatum prüfen, damit ältere Papiere ihre Abgeltungsteuerfreiheit nicht verlieren und künftige Gewinne und Verluste korrekt ermittelt werden können. Wichtig: Hatte man bisher Limits und Stopps gesetzt, so sind diese wieder einzurichten. Außerdem sind Freistellungsaufträge zu prüfen und bei Bedarf zu ändern.

Steuerfalle beachten

Bleiben die Wertpapiere im Besitz des Anlegers, ist dies steuerlich unbedenklich. Lautet das neue Depot jedoch auf den Namen eines Dritten, gilt dies als Wertpapierverkauf und es fällt Abgeltungsteuer an. Ältere Papiere verlieren dabei ihre Steuerfreiheit. Tipp: Bei einer Schenkung bleibt der Steuerstatus unverändert.

Max Geissler

Mehr Informationen

zum Thema gibt es bis 20. Juni unter Fax-Abruf 0 900 1/25 26 65 58 (62 Cent/Minute, sechs Seiten). Gerät auf „Polling“ oder „Sendeabruf“ stellen, Nummer wählen und Start drücken.

Kein Fax? Senden Sie einen mit 90 Cent frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Depotwechsel“ an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf.

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