Wertpapiere: Finanzamt steht Verlierern bei

München - Tief im Verlustbereich und keine Chance auf Besserung. Wer erfolglose Geldanlagen verkauft, kann an den Verlusten unter Umständen den Fiskus beteiligen.

Manchmal ist es Frust, manchmal brauchen Anleger das Geld. So haben viele in den vergangenen Monaten Aktien, Fonds oder andere Geldanlageprodukte mit Verlust verkauft. Dann sollte man aber prüfen, ob man mit der nächsten Steuererklärung Geld zurückholen kann, empfiehlt „Finanztest“. Das Finanzamt verrechnet die Verluste mit Gewinnen, die der Anleger zum Beispiel mit anderen Wertpapiergeschäften oder mit einem Immobilienverkauf erzielt hat. Dadurch sinkt unter dem Strich die Steuerlast. Dafür gelten seit Anfang 2009 einige neue Regeln. Es kommt vor allem darauf an, wann die Wertpapiere gekauft wurden.

Kauf bis 2008

Hat ein Anleger Aktien, Anleihen und Fondsanteile bis Ende 2008 erworben und innerhalb eines Jahres mit Verlust verkauft, liegt er innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr und darf die Verluste mit Gewinnen aus anderen Wertpapiergeschäften, aus Termingeschäften oder aus dem Verkauf einer Immobilie verrechnen – nicht mit Zinsen oder Dividenden.

Gibt er seine im Oktober 2008 erworbenen Anteile bis zum 30. September 2009 zurück, und erleidet dabei ein Minus von 1200 Euro, kann er diesen Verlust in der Steuererklärung für 2009 geltend machen. Er trägt den Verlust wie in früheren Jahren in der Anlage SO zur Steuererklärung ein. In dieser Anlage stehen Gewinne und Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften.

Je nachdem, welche anderen Geschäfte der Anleger nach Steuererklärung abrechnet, kann ihm der Anlageverlust gleich etwas bringen. Das gilt zum Beispiel, wenn er 2009 eine vermietete Wohnung mit Gewinn verkauft und innerhalb der Immobilien-Spekulationsfrist von zehn Jahren liegt.

Hat der Anleger keine Gewinne dieser Art, kann er seine Altverluste bis einschließlich 2013 auch mit neuen Gewinnen aus dem Verkauf von Aktien, Fonds oder Zertifikaten verrechnen.

Nachteil der bisherigen Regelung: Anleger, die ihre bis Ende 2008 erworbenen Anlagen erst nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist verkaufen und Minus machen, können mit den Verlusten steuerlich nichts anfangen.

Kauf ab 2009

Verluste aus 2009 gekauften Fonds oder Anleihen können dagegen einen Steuervorteil bringen – egal wie lange die Anteile oder Papiere gehalten werden. Die Miesen können mit Gewinnen aus Wertpapiergeschäften und jetzt sogar mit Zinsen und Dividenden verrechnet werden.

Eine Erschwernis gilt für Verluste aus Aktiengeschäften: Macht ein Anleger Verluste mit Aktien, die er erst 2009 erworben hat, kann er diese nur mit Gewinnen aus Aktiengeschäften gegenrechnen.

Die Bank verrechnet

Hat ein Anleger alle Anlagen bei einer einzigen Bank, muss er sich nicht um die Steuer kümmern. Denn die Bank verrechnet Gewinne und Verluste direkt. Überschreitet zum Beispiel ein Kunde mit den Zinsen auf einem Festgeldkonto schon im Juni seinen Freistellungsauftrag, wird die Bank für ihn Abgeltungsteuer abführen. Fallen im Verlauf desselben Jahres bei diesem Geldinstitut noch Verluste an, muss die Bank sie nachträglich mit den Zinsen verrechnen und Steuern vom Finanzamt zurückholen. So kann ein Anleger schon im Laufe des Jahres zu viel gezahlte Abgeltungsteuer zurückbekommen.

Den Umweg über die Steuererklärung müssen hingegen alle gehen, die Verluste bei einem Institut mit Gewinnen bei einem anderen verrechnen wollen. In diesem Fall muss man dies bis zum 15. Dezember bei der Bank, bei der die Verluste anfielen, beantragen. Sonst trägt die Bank die Verluste ins nächste Jahr vor.

Nichts Neues bei Gold

Anleger, die in Immobilien oder Gold investiert haben, müssen sich um die neuen Verrechnungsregeln im Zuge der Abgeltungsteuer keine Gedanken machen. Hier bleibt es dabei: Wer durchweg vermietete Immobilien innerhalb der Spekulationsfrist von zehn Jahren verkauft, muss einen Gewinn beim Finanzamt abrechnen. Bei Gold gilt dasselbe für Verkäufe in der Spekulationsfrist von einem Jahr. Im Gegenzug kann der Anleger auch Verluste aus diesen privaten Veräußerungsgeschäften in der Steuererklärung abrechnen und so seine Steuerlast senken.

mm

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