WestLB: Führungswechsel nach Millionenaffäre

Düsseldorf - Dreieinhalb Monate kämpfte der WestLB-Chef Thomas Fischer gegen die Folgen der millionenschweren Spekulationsaffäre in den eigenen Reihen an. Vergebens. Der Aufsichtsrat entschloss sich gestern für einen Wechsel in der Chefetage.

Die Sondersitzung des Aufsichtsrates war noch nicht beendet, da sickerte schon der Name des neuen Chefs der WestLB durch: Alexander Stuhlmann (59) soll den gleichaltrigen Thomas Fischer mit sofortiger Wirkung auf den Chefsessel folgen, hieß es gestern am späten Nachmittag in Düsseldorf. Die offizielle Bestätigung folgte am Abend von Aufsichtsratschef Rolf Gerlach: "Wir haben genau den richtigen Mann gefunden, um die Bank in ruhiges Fahrwasser zu führen." Die Entscheidung sei einstimmig gefallen.

Thomas Fischer muss nicht alleine seine Kisten packen. Auch ein weiterer Vorstand, Risikomanager Matthijs van den Adel, muss gehen - damit blieb der prophezeite Kahlschlag in der Chefetage aus.

Thomas Fischer kam in der Mission eines Notarztes zur WestLB. "Das war ein Erster-Hilfe-Fall", beschrieb er einmal rückblickend die bedrohliche Lage, in der sich die WestLB Anfang 2004 bei seinem Amtsantritt befand. Vertreter der Eigentümer suchten damals händeringend einen Top-Banker, der die WestLB nach existenzbedrohenden Milliardenverlusten wieder auf die Beine stellt. Fischer, zuvor unter anderem Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, leitete einen tiefgreifenden Umbau ein. Eine Reihe von Beteiligungen wurden verkauft. Zudem drückte Fischer die Kosten.

Doch Fischer (siehe Gesicht des Marktes), der lange Zeit als Retter der WestLB gefeiert wurde, hatte in den vergangenen Monaten an Rückhalt bei einem Teil der Eigentümer verloren. Die Fehlspekulationen (siehe Kasten), die der Bank bereits Verluste von über 240 Millionen Euro bescherten, riefen gerade bei Sparkassen großes Unverständnis hervor. Fischer hatte zwar eine rückhaltlose Aufklärung angekündigt. Ihm wird aber vorgeworfen, Informationspflichten verletzt zu haben. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) soll bei ihren Untersuchungen gravierende Managementfehler festgestellt haben - das Todesurteil für Fischer und van den Adel.

Der zukünftige Chef in Düsseldorf und frühere Chef der HSH Nordbank, Alexander Stuhlmann, sagte gestern, er sei Anfang der Woche völlig überraschend von Aufsichtsratschef Gerlach angesprochen worden, ob er die Führung der WestLB übernehmen wolle. Mit der gestrigen Entscheidung kehrt der Jurist und passionierte Schachspieler nach einer kurzen Familienpause zurück ins Bankengeschäft. Er selbst sieht sich allerdings als Übergangslösung an der Spitze der drittgrößten deutschen Landesbank. Stuhlmann sagte, er gehe davon aus, dass es binnen Jahresfrist zu Veränderungen in der Landesbankenszene kommen werde. 

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