Radikalschnitt für die WestLB

Düsseldorf - Im Poker um die WestLB liegen die Karten auf dem Tisch. Die Eigentümer der Bank setzen auf eine radikale Verkleinerung. Damit geht die Ära der einst mächtigen Landesbank zu Ende.

Wie viel “Pizza“ hat EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia bestellt? Der westfälische Sparkassenpräsident Rolf Gerlach bemühte unlängst die italienische Küche, um das Tauziehen mit Brüssel über das richtige Konzept zum Umbau der WestLB zu verdeutlichen: Nur einen Sanierungsplan oder gleich drei? Wochenlang gingen die Meinungen darüber auseinander. Jetzt aber wird Gewissheit: Bei der drittgrößten deutschen Landesbank läuft alles auf eine Zerschlagung hinaus. Damit wird erstmals eine große deutsche Landesbank von der Bildfläche verschwinden. Und es ist möglicherweise der Beginn der jahrelang geforderten und immer wieder verschobenen Bereinigung des Landesbankensektors in Deutschland.

Die Bankeigentümer - das Land Nordrhein-Westfalen und NRW-Sparkassen - müssen diese bittere Pille schlucken, um überhaupt noch etwas zu retten. Das gilt vor allem auch für die rund 5000 Mitarbeiter der WestLB. Die Bank wird nach diesem Szenario auf etwa ein Viertel ihrer aktuellen Größe verkleinert. Den Personalbedarf der Zentralbank für die gut 100 Sparkassen in NRW wird bei einer Bilanzsumme von etwa 45 Milliarden Euro von Beobachtern auf weniger als 1000 geschätzt. Damit würde von der alten Westdeutschen Landesbank - die vor zehn Jahren mit 432 Milliarden Euro Bilanzsumme und 11 500 Mitarbeitern auf ihrem Zenit stand - nach einer Reihe von Krisen und Einschnitten nur ein Zehntel übrig bleiben. Die neue Zentralbank wäre nicht wesentlich größer als die Hamburger Sparkasse. In den vergangenen Monaten jagte eine Krisensitzung zur WestLB die andere, auf eine Frist der EU folgte prompt die nächste.

Höhepunkt war der 15. Februar, als die Vertreter der WestLB-Eigentümer und des Bundes in allerletzter Minute drei Papiere nach Brüssel abschicken: Zum Stand des Verkaufsverfahrens, ein Sanierungsplan und eine Skizze über eine Sparkassen-Zentralbank, wenn die anderen Varianten Brüssel nicht ausreichen. “Wenn man dreimal Pizza bestellt, kriegt man dreimal Pizza geliefert“, beschrieb Gerlach das Hickhack mit Brüssel. Schließlich drohte Almunia der Geduldsfaden zu reißen. Den Fall WestLB, der in den vergangenen Jahren immer wieder in Brüssel landete, will er endlich zum Abschluss bringen - und schon wieder vermutete er, die WestLB spiele auf Zeit. Vor wenigen Tagen ließ Almunia die Muskeln mächtig spielen und drohte mit Rückzahlung von unerlaubten Beihilfen in Milliardenhöhe, wenn bis zum Freitag kein neuer Plan vorliege.

Nun sind andere Töne von den Eigentümern zu hören. Von Einigkeit unter den Bankeigentümern über das Vorgehen ist die Rede. Aus dem Notfallplan Sparkassen-Zentralbank soll ein Masterplan werden, sofern Brüssel einverstanden ist. “Wir haben unsere Hausaufgaben pünktlich gemacht“, erklärte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) kurz vor dem Abgabetermin. Zu den Auswirkungen der Pläne auf die Steuerzahler sagte er allerdings nichts. Nun liegen die nachgebesserten Pläne in Brüssel auf dem Tisch. In den nächsten Wochen will die Behörde entscheiden. Frage: Werden nur große Teile der WestLB verkauft wie das Auslandsgeschäft und die Projektfinanzierung? Oder schluckt ein Finanzinvestor die WestLB und reicht den Zentralbankteil an die Sparkassen weiter? Nach EU-Auflagen muss die WestLB bis Jahresende in neue Hände kommen. Im fortgeschritten Bieterverfahren könnten die beiden Interessenten “Alpha“ und “Charly“, wie sie in Bankkreisen umschrieben werden, ihre Konzepte in der einen oder anderen Form auf die Zentralbank zuschneiden. Laut Medienberichten soll es sich um die Finanzinvestoren Apollo und Lone Star handeln, letzterer besitzt bereits unter anderem die IKB.

dpa

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