WestLB zerschlagen

Düsseldorf - Mit der Zerschlagung der WestLB verschwindet erstmals seit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise in Deutschland vor knapp fünf Jahren eine Großbank von der Bildfläche.

Die einst mächtige Landesbank Nordrhein-Westfalens wurde nach hohen Verlusten und milliardenschweren Rettungspaketen wie mit den europäischen Wettbewerbshütern vereinbart zum Stichtag 30. Juni zerschlagen. Dabei entstanden drei Teile. Mittlerweile steht auch der Zeitplan für die Aufspaltung.

„Nach Vorlage der Schlussbilanz der WestLB zum Stichtag 30. Juni 2012 werden bis zum 31. August 2012 alle für die Aufspaltung der WestLB erforderlichen Verträge beurkundet“, teilte die Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) am Samstag mit. Das Sparkassen- und Mittelstandsgeschäft der WestLB mit 40 Milliarden Euro Bilanzsumme werde dann rückwirkend zum 1. Juli an die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) angedockt.

Papiere der WestLB im Volumen von ungefähr 100 Milliarden Euro und die WestLB-Immobilientochter Westimmo wandern in die „Bad Bank“, die bereits WestLB-Schrottpapiere abwickelt.

Der restliche Teil der WestLB startet unter dem Namen „Portigon“ neu durch. Das Institut, das zur Verlustabdeckung von Bund, Land und Sparkassen gut 4 Milliarden Euro erhält, soll als international tätige Servicegesellschaft tätig werden. Alleiniger Eigentümer von „Portigon“ ist das Land Nordrhein-Westfalen. An der Spitze der WestLB-Nachfolgerin steht deren letzter Chef, Dietrich Voigtländer.

Tausende von Mitarbeitern der WestLB blicken indes in eine ungewisse Zukunft. Die Zerschlagung der Bank ist mit einem drastischen Stellenabbau verbunden. Innerhalb von fünf Jahren soll die Zahl der Vollzeitjobs von knapp 4200 auf etwa 1000 schrumpfen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nur bis Ende 2012 ausgeschlossen.

Allein in diesem Jahr stehen rund 1500 Arbeitsplätze auf der Streichliste. In dem Abbau sind auch 450 Stellen enthalten, die mit dem Sparkassengeschäft zur Helaba gehen. Etwa 500 Mitarbeiter umfasst die Westimmo, die in die Zuständigkeit der „Bad Bank“ kommt.

Die krisengeschüttelte WestLB hatte sich in den vergangenen Jahren für die Steuerzahler zu einem Milliardendesaster entwickelt. Laut NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) belaufen sich die gesamten möglichen Belastungen seit 2005, einschließlich der absehbaren künftigen Verluste, auf ein Volumen von 18 Milliarden Euro. Davon entfallen 3 Milliarden Euro auf den Bund und 9 Milliarden auf das Land. Rund 6 Milliarden Euro könnten auf die Sparkassen zukommen.

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter Borjans (SPD) sagte, die Zerschlagung der WestLB helfe zu verhindern, dass die Steuerzahler immer wieder für neue Kapitalspritzen zur Kasse gebeten würden. „Es ist ein Ende mit Schrecken, das aber einem Schrecken ohne Ende vorzuziehen ist“, teilte der Minister mit.

dpa

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