Wettbewerb auf Strommarkt kommt in Schwung

Hamburg/Düsseldorf - Die steigenden Strompreise treiben den Billiganbietern massenhaft Kunden zu. Unternehmen wie Yello, E-wie-einfach oder Nuon verzeichneten rasant wachsende Zahlen, berichtet das "Handelsblatt".

Angesichts der für den 1. Januar angekündigten neuerlichen Strompreiserhöhungen etablierter Unternehmen hätten die Billiganbieter in den vergangenen Wochen deutliche Zuwächse verbucht.

"Der Knoten ist geplatzt", sagte auch LichtBlick-Geschäftsführer Heiko von Tschischwitz am Donnerstag in Hamburg der Finanz- Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Verbraucher hätten nun begriffen, dass sie wechseln könnten, ohne dass der Strom ausfalle. Für das kommende Jahr rechnet Tschischwitz mit einer weiteren Belebung.

Nach Angaben des Verbraucherportals Verivox erhöhen mehr als 300 Grundversorger zum Jahresbeginn die Strompreise - um bis zu 25 Prozent. Damit müssen 2008 erneut Millionen Menschen tiefer in die Tasche greifen. Eine Kleinfamilie mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden muss dann laut Vervox im Bundesdurchschnitt etwa 6,6 Prozent mehr zahlen als im Januar 2007.

Neben dem Öko-Stromanbieter LichtBlick drängen eine Reihe von neuen Spielern auf dem Strommarkt, so etwa die Telefonanbieter Teldafax und die Freenet-Tochter Klarmobil. Die großen Konzerne RWE, E.ON und Energie Baden-Württemberg (EnBW) werben mit eigens gegründeten Zweitmarken und hohen Werbebudgets um Kunden. Erfolgreich ist vor allem E.ON, dessen Ableger E-wie-einfach rund 400 000 Verbraucher unter Vertrag nahm, wie das "Handelsblatt" (Donnerstagausgabe) unter Berufung auf Konzernkreise berichtete. Den Rückgang im eigenen Kundenbestand hätten die Düsseldorfer damit mehr als ausgleichen können. RWE-Ableger Eprimo komme auf 170 000 Kunden.

Unter Druck steht vor allem der in Berlin, Hamburg und Ostdeutschland aktive Versorger Vattenfall Europe. Das Unternehmen büßte wegen einer zur Jahresmitte schlecht kommunizierten Preiserhöhung und den Pannen in seinen Atomkraftwerken innerhalb weniger Monate über 250 000 Kunden ein.

Nach Angaben des Deutschlandchefs des niederländischen Versorgers Nuon, Thomas Mecke, gewinnt sein Unternehmen monatlich deutlich über 10 000 Kunden neu hinzu. Nuon ist schon länger in Hamburg und Berlin aktiv und hat jüngst den Vertrieb in Nordrhein-Westfalen und Leipzig gestartet. Auch Marktführer Yello wuchs weiter. Die EnBW-Tochter, lange Jahre der einzige nennenswerte bundesweite Anbieter, erhöhte dem Bericht zufolge die Anzahl der Kunden 2007 um 160 000 auf über 1,3 Millionen.

Profitiert von der Wechselbewegung habe auch LickBlick, sagte Unternehmensgründer Tschischwitz. Innerhalb des vergangenen Jahres habe sich die Kundenzahl auf 400 000 fast verdoppelt. "Für die ersten 220 000 Kunden haben wir sieben Jahre gebraucht." Bis Mitte kommenden Jahres will LichtBlick seine Kundenbasis auf eine halbe Millionen erhöhen; innerhalb von drei Jahren soll die Millionmarke geknackt werden.

Dem auf erneuerbare Energien fokussierten Unternehmen helfen dabei auch die Regulierungsbehörden, die den Wechsel des Stromanbieters erleichterten. Ungeachtet der Dynamik bemängelt Tschischwitz noch immer vorhandene Wettbewerbshemmnisse. "Die Netznutzungsentgelte sind weiterhin überhöht." Zudem gebe es Schwierigkeiten beim Stromeinkauf, da die Liquidität an der Strombörse Leipzig nicht hoch genug sei. Für Energie, die ab dem Jahr 2009 geliefert werden solle, gebe es praktisch kein Angebot.

Die im Jahr 1998 gegründete LichtBlick beschäftigt rund 440 Mitarbeiter und kommt nach eigenen Angaben auf einen Umsatz von 200 Millionen Euro. Zu den Kunden der im Privatbesitz befindlichen Gesellschaft gehören unter anderem das Bundesumweltministerium und Panasonic.

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