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Sommerwetter sei Dank: Brauereien und Bierlager setzten rund 47,1 Millionen Hektoliter Bier ab. Foto: Jan Woitas

Bier-Absatz

Wetter und höhere Preise retten Brauereien das Geschäft

Nicht einmal die WM-Pleite konnte den deutschen Bierbrauern in diesem Sommer das Geschäft verderben. Gutes Wetter bleibt ihr wichtigstes Verkaufsargument - aber langfristig muss mehr dazu kommen.

Wiesbaden (dpa) - Wenigstens die Brauer jammern nicht über die Hitze: Das weitgehend trockene und heiße Sommerwetter hat den Absatz von Bier in Deutschland im ersten Halbjahr 2018 angetrieben. Ein neuer Hitzerekord für Deutschland wurde auch, wie in unserem Wetter-Ticker berichtet, am 31. Juli aufgestellt.

Die produzierte Menge stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozent auf 47,1 Millionen Hektoliter, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Daran änderte auch die aus Sicht der deutschen Nationalmannschaft verpatzte Fußball-WM wenig.

"Letztlich ist das Sommerwetter für den Bierabsatz entscheidender – und das spielt in diesem Jahr mit", erklärte der Deutsche Brauer-Bund. Vor diesem Hintergrund blickten die Unternehmen weiterhin optimistisch auf das laufende Geschäftsjahr.

Dazu dürften auch die höheren Preise beitragen, die die Branche seit dem Jahresbeginn im Handel durchgesetzt hat. Im Juni mussten die Biertrinker im Schnitt 4,1 Prozent mehr bezahlen als ein Jahr zuvor, haben die Testkäufer des Statistikamtes festgestellt. Nach jüngsten, im Fachmagazin "Inside" veröffentlichten Marktzahlen zog der Umsatz inklusive der alkoholfreien Sorten infolge der Preiserhöhungen um 5,9 Prozent an. Besondere Steigerungen von 25 Prozent gab es beim Radler.

Der Absatz im Inland stieg im ersten Halbjahr um 0,5 Prozent auf 38,5 Millionen Hektoliter. Der Export legte ebenfalls zu, wobei die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU die Verluste in Europa mehr als ausglichen. Biermischungen mit Limonade, Cola, Fruchtsäften und anderen alkoholfreien Zusätzen machten mit 2,2 Millionen Hektolitern knappe 5 Prozent des gesamten Absatzes aus.

Noch besser liefen die alkoholfreien Sorten, die laut dem Brauerbund auch im laufenden Jahr sehr stark nachgefragt werden. Sie sind allerdings nicht Teil der amtlichen Statistik über die Biersteuer, so dass es hierbei noch keine genauen Angaben zum Absatz gibt.

Auch ein Super-Sommer rettet die Brauereien jedoch nicht vor dem langfristigen Trend, dass die Menschen in Deutschland ein höheres Durchschnittalter haben und daher weniger Bier trinken. Das nun herangezogene Vergleichjahr 2017 war mit 93,5 Millionen Hektolitern Bierabsatz das schlechteste seit der Wiedervereinigung. Seit 1993 ist der Inlandsabsatz um über ein Viertel eingebrochen und konnte auch vom stark gewachsenen Auslandsgeschäft nicht ausgeglichen werden.

Dem Branchendienst "Inside" zufolge waren die ersten Preiserhöhungen nach vier Jahren wegen stark gestiegener Kosten für Strom, Personal und Logistik überfällig. Lockvogel-Preise von unter zehn Euro für einen Kasten Bier wird es daher seltener geben. Große und kleine Braustätten bieten zudem ein immer weiter gefächertes Sortiment an, denn die verbliebenen Bierfreunde greifen für Spezialitäten und handwerklich gefertigte Sorten - sogenannte Craft-Biere - tiefer in die Tasche.

"Brauereien mussten teilweise sogar Sonderschichten fahren, um genügend Getränke an den Handel und die Gastronomie liefern zu können", berichtet der Brauerbund. "Auch die in einigen Regionen Deutschlands akute Leergut-Knappheit ist eine Folge der anhaltend hohen Nachfrage seit Beginn des Sommers."

Dass eine Steigerung um 0,6 Prozent auf ein schwaches Jahr einzelne Brauereien bereits an die Grenze ihrer Kapazitäten bringt, zeigt aber auch, wie knapp die Etats beispielsweise für Leergut sind. Bundesweit sind laut Schätzungen rund 180 Millionen Mehrweg-Bierkästen im Einsatz.

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