Wettrennen über den Wolken

- München - Europa fliegt davon. Airbus sammelt dutzendweise neue Bestellungen und bringt den US-Flugzeugriesen Boeing immer stärker in Bedrängnis. Heuer wird der europäische Konkurrent erstmals mehr Verkehrsflugzeuge ausliefern als der langjährige Branchenführer. Die Auftragsbücher sind deutlich dicker. Und immer mehr Käufer setzen ausschließlich auf Airbus. Bei Boeing schrillen die Alarmglocken.

<P>Das Flugzeug-Geschäft ist auch in der Krise ein Kampf zweier Giganten um Milliarden-Aufträge. Nur je rund 300 zivile Flieger liefern die beiden Branchenriesen jedes Jahr aus. Jeder verlorene Großkunde wirkt sich da verheerend auf die Bilanzen aus.<BR><BR>Da sieht es bei Boeing derzeit nicht gut aus. 19 europäische, asiatische und amerikanische Fluggesellschaften nutzen inzwischen nur noch Airbus oder stellen ihre Flotten ganz auf die europäischen Maschinen um. Allen voran setzt jetzt der deutsche Ferienflieger LTU, gewiss kein Leichtgewicht, ganz auf Airbus. Auch Germanwings, Aero Lloyd, Qatar, Air Jamaica, Dragonair oder die stark expandierende Cyprus Airways fliegen bereits reine Airbus-Flotten. </P><P>Auf dem Weg dahin sind South African Airways, die expandierende amerikanische Frontier Airlines und die irische Aer Lingus - bessere Technik zu niedrigeren Kosten, argumentieren Topmanager hinter vorgehaltener Hand. Dagegen gibt es in Nordamerika nur noch wenige bedeutende Airlines, die nach alter Tradition nur Boeing im Dienst haben.<BR><BR>Airbus-Chef Noë¨l Forgeard frohlockt angesichts solcher Meldungen und verkündet gerne die neuesten Zahlen - etwa wenn große amerikanische Linien bei ihm in Europa einkaufen oder die bekannten Asien-Carrier bis hin zur russischen Aeroflot Bestellungen abgeben. Oder wenn, wie gestern Thailand, ein Staat seine Regierungsflotte bei Airbus bestellt.<BR><BR>Hauptprofiteure des Elefantenrennens sind jedoch die Airlines. Sie können bei den Verhandlungen beide Unternehmen gegeneinander ausspielen und sich üppige Rabatte sichern. So soll Easyjet beim Kauf von 120 Flugzeugen schon mal 30 Prozent Rabatt herausgeschlagen haben. Bei einem Listenpreis von knapp sechs Milliarden Euro lohnt sich das Verhandeln.<BR><BR>Deshalb sind viele ganz große Gesellschaften wie British Airways, die von Staats wegen auf Airbus eingeschworene Air France oder die Lufthansa immer bemüht, beide Hersteller einzuspannen. Doch selbst Lufthansa, über Jahrzehnte treuer Boeing-Kunde, ist in jüngster Zeit so Airbus-lastig geworden, dass Lufthanseaten bereits intern erwägen, diesem Trend entgegenzuwirken.<BR><BR>Eine Wende zugunsten der Amerikaner ist nicht in Sicht. Der doppelstöckige Riesen-Airbus A 380, der 2005 das erste Mal fliegen soll, wird gut verkauft. Vor wenigen Wochen unterschrieb die staatliche Dubai-Linie Emirates den größten Auftrag der Zivilluftfahrt: Von 71 Langstreckenfliegern auf dem Einkaufszettel werden 45 von Airbus geliefert und nur 26 von Boeing.<BR></P> 

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