Die wichtigsten Fragen und Antworten für Anleger

München - Das Milliarden-Rettungspaket ist geschnürt, die Finanzkrise deshalb aber noch lange nicht ausgestanden. Was Verbraucher jetzt wissen müssen: Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Bringt uns das Rettungspaket jetzt das Ende der Krise?

Das kann keiner genau sagen, niemand will sich festlegen. Zwar reagieren die Börsen positiv, aber noch sei nicht klar, wie viele weitere Leichen weltweit bei den Banken schlummern, meint Merten Larisch, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern. Prognosen will er deshalb nicht abgeben.

Welche Anleger müssen immer noch um ihr Geld zittern?

Diejenigen, die in undurchsichtige Anlageformen investiert haben oder sich kaum Gedanken darüber gemacht haben, wo ihr Geld gelandet ist. „Das können Zertifikate, Spezialitäten-Fonds oder Private-Equity-Finanzierungen sein“, zählt der Verbraucherschützer mögliche Risiko-Anlagen auf, zu denen er auch diffuse Tagesgeld-Angebote zählt. „Wer aber eine langfristige Strategie mit seinen Aktienfonds verfolgt, der sollte dazu stehen, bei Wind und Wetter.“

Gibt es überhaupt noch einen sicheren Hafen bei lohnenden Geldanlagen?

„Der sichere Hafen heißt Streuung“, erklärt Verbraucherschützer Larisch. Jede Anlageform berge ein Risiko, das sich durch ein breites Fundament aber minimieren lasse.

Sind Aktien und Aktienfonds jetzt tabu?

Die Vergangenheit zeigt, dass sich Aktien nach großen Krisen auch relativ schnell wieder erholt haben, wobei niemand die Zukunft voraussagen kann (siehe Grafik). „Verbraucher, die das Auf und Ab an den Börsen aushalten können und einen langen Atem haben, sollten auch weiterhin Aktien oder Aktienfonds besitzen“, sagen die Experten der Verbraucherzentrale Bayern, „vorausgesetzt, sie streuen das Vermögen branchen- und länderübergreifend“. Schwankungsrisiken könne man zudem etwas ausgleichen durch Aktienfonds mit geringen laufenden Verwaltungskosten und durch Aktienfondssparpläne ohne oder mit nur reduzierten Ausgabeaufschlägen. „Aktien und Aktienfonds können – langfristig gesehen – hervorragende Geldanlagen sein“, betonen die Verbraucherschützer. Denn sie bieten eine Chance auf eine deutlich höhere Verzinsung als sichere Anlageformen. Einzelne Aktien können durchaus wertlos werden, ein ganzes Aktienpaket aus vielen verschiedenen Unternehmen in einem Fonds hingegen „eher nicht“.

Wie sicher ist die private und betriebliche Altersvorsorge?

Renten- und Lebensversicherungen legen das Geld ihrer Kunden in viele verschiedene Vermögenswerte an, zum Beispiel in fest verzinsliche Wertpapiere, Immobilien, Schuldverschreibungen von Unternehmen und Staaten und in Aktien. Das deutsche Aufsichtsrecht verhindert allzu große Risiken, denn es schreibt den Versicherern vor, wie sie die Risiken der Geldanlage zu begrenzen haben. „Durch diese Streuung sind die Auswirkungen auf Ihre Renten- und Lebensversicherung überschaubar“, sagen die Verbraucherschützer. Durch eine unglückliche Anlagepolitik könnten einzelne Versicherer trotzdem durchaus Probleme bekommen, sodass die Überschussbeteiligungen zukünftig sinken könnten. Bei der Riester-Rente besteht eine gesetzlich verordnete Nominalwertzusage der Anbieter. Dies bedeutet, dass zu Beginn der Rentenphase alle selbst eingezahlten Altersvorsorgebeiträge und die gewährten Zulagen in voller Höhe für die Auszahlungsphase zur Verfügung stehen müssen. Dies gilt auch für Riester-Fondssparpläne. „Die aktuelle Finanzkrise hat auch keine Auswirkungen auf diejenigen, die jetzt eine Zusatzrente von ihrer ehemaligen Firma erhalten oder kurz vor dem Ruhestand stehen.“ Die Betriebsrente basiert regelmäßig auf einer Leistungszusage des früheren Arbeitgebers, der für diese Zusage einzustehen hat.

Sind offene Immobilienfonds von der Krise betroffen?

Offene Immobilienfonds investieren in der Regel in gewerbliche Immobilien, etwa Büroräume. Der Ertrag hängt von den Mieten und von der Wertentwicklung der Objekte ab. Auch darin liegt ein Risiko bei der Wertentwicklung, das aber nicht unmittelbar mit der Finanzmarktkrise in Bezug steht. „Direkte negative Auswirkungen sind daher zurzeit nicht zu erwarten“, meinen die Finanzexperten. Immobilien seien zudem nie völlig wertlos, auch wenn eine schlechte konjunkturelle Entwicklung die Nachfrage nach Immobilien negativ beeinflussen würde. Langfristig werde sich der Wert dieser Objekte wieder stabilisieren. „Wer jetzt sein Geld in Immobilienfonds investieren will, sollte sich aber über diese Fonds genau informieren und beraten lassen.“ Offene Immobilienfonds unterscheiden sich in der Anlagestrategie und Kostenbelastung. Geschlossene Immobilienfonds hingegen sind keine beaufsichtigten Wertpapiere und sollten aufgrund ihres unternehmerischen Totalverlustrisikos nicht für die Altersvorsorge erworben werden.

Ist es ratsam, jetzt schnell eine selbst genutzte Immobilie zu kaufen?

Die Anschaffung einer selbst genutzten Immobilie ist immer mit hohen Nebenkosten verbunden, zum Beispiel Notargebühren und Steuern. Außerdem ist sie häufig nicht ohne Kredit finanzierbar. Daher ist auch diese Anlageform mit Risiken verbunden. Sinkt der Wert der Immobilie schneller, als Verbraucher die Schulden zurückzahlen können, droht ein Verlustgeschäft. „Nur wenn eine langfristige Nutzung geplant ist, die beruflichen Perspektiven gut sind und mindestens 20 Prozent Eigenkapital vorhanden sind, kann ein Immobilienerwerb sinnvoll sein“, rechnen die Verbraucherschützer vor. Sollte in Zukunft die Inflationsrate steigen, heißt dies aber nicht zwangsläufig, dass auch der Wert der Immobilie steigt. Absolut krisensicher sind auch Immobilien nicht. „Nicht selbst genutzte Immobilien als Anlageobjekt bergen besondere Risiken“, mahnen die Anlageexperten. Man sollte nach den negativen Erfahrungen von hunderttausenden geprellten Verbrauchern mit den sogenannten Schrottimmobilien eine Investition in ein einzelnes Objekt oder eine einzelne Objektgruppe nur nach strengster und fachkundiger Kontrolle des wahren Wertes, des Zustandes und der wirtschaftlichen Entwicklungsperspektive tätigen.

Hat es Sinn, die Hausbank wegen Falschberatung zu verklagen?

Finanzmarktkrisen-Geschädigte sollten ihre Bank nicht voreilig wegen Falschberatung verklagen, empfiehlt die Verbraucherzentrale Berlin. „Viele Verbraucher haben heute null Chancen, weil ihre Ansprüche bereits verjährt sind“, sagt Finanzexperte Peter Lischke. „Spätestens drei Jahre nach Erwerb des Papieres müssen Ansprüche geltend gemacht werden, wobei der Verbraucher der Bank die Fehlberatung nachzuweisen hat. Dies ist äußerst schwierig.“

Sollen Verbraucher zur Vorsicht so schnell wie möglich Geld von den Banken oder Sparkassen abziehen?

„Wir gehen davon aus, dass die drei aufeinander aufbauenden Sicherungssysteme – gesetzliche Einlagensicherung, zusätzliche private Sicherung beziehungsweise Institutssicherung und die Staatsgarantie – die Spareinlagen effektiv absichert“, betont die Verbraucherzentrale Bayern. Wer sein Geld unter dem berühmten Kopfkissen aufbewahre, setze sein Vermögen dem Wertverlust durch Inflation aus.

Welche Auswirkungen hat die Krise bei der Hypo Real Estate für die Hausbauer?

Die Hypo Real Estate (HRE) ist seit einiger Zeit nicht mehr im Sektor der privaten Baufinanzierung tätig. „Hausbauer müssen keine negativen Auswirkungen durch die Krise bei der Hypo Real Estate befürchten“ beruhigen die Verbraucherschützer.

Und was ist mit Bausparverträgen?

„Bausparkassen sind von der Finanzmarktkrise nicht betroffen“, stellen die Experten klar. Denn sie bilden ein geschlossenes System. Die Bausparer zahlen das Geld an die Bausparkasse und diese gibt es an die Hausbauer weiter. Kreditausfälle seien nach bisheriger Wahrnehmung selten.

Wie sind die Sparpläne zu vermögenswirksamen Leistungen abgesichert?

Die Absicherung der vermögenswirksamen Leistungen richtet sich danach, welche Anlagemöglichkeit ausgewählt wurde. Wer sich für die Anlagemöglichkeit eines Bausparvertrages entschieden hat, für den ist die Anlage sicher. Bei einem Aktienfondssparplan gelten die Vor- und Nachteile einer Anlage in Aktienfonds. Verbraucher tragen das Risiko von Wertschwankungen. „Die Förderung, die mit den vermögenswirksamen Leistungen verbunden ist, bietet keinen besonderen Schutz für die zugrunde liegende Kapitalanlage“, so die Verbraucherschützer. Wer Anspruch auf Arbeitnehmerzulage hat, sollte nicht vorschnell einen laufenden Vertrag kündigen. Ansonsten geht die staatliche Förderung verloren und jetzt bestehende Verluste werden realisiert.

Welche Lehren sollten Anleger aus der Krise ziehen?

Einem Bankberater blind das Vermögen anzuvertrauen, ohne genau zu wissen, was damit passiert – auf dieses Abenteuer sollten sich Verbraucher nach den jetzigen Erlebnissen nicht mehr einlassen. „Sie müssen sich mehr mit ihren Anlagen beschäftigen, sich Wissen aneignen und damit ihrem Bankberater gegenübertreten“, sagt Anlageexperte Merten Larisch. Aus Sicht des Verbraucherschutzes sei es zudem wichtig, sich von mehreren Seiten Angebote einzuholen und auch unabhängige Berater mit in die Altersvorsorge-Strategie einzubinden.

Mehr Informationen gibt es bei der Verbraucherzentrale Bayern und während einer Telefonaktion am Montag, 27. Oktober von 16 bis 18 Uhr.

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