Widerstand im Infineon-Aufsichtsrat gegen Konzernchef Ziebart

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München (dpa) - Nach herben Verlusten beim Chipkonzern Infineon gerät Vorstandschef Wolfgang Ziebart schwer unter Druck. Laut Branchenkreisen ziehen einzelne Aufsichtsräte einen Wechsel an der Spitze in Betracht. Allerdings gebe es derzeit keine Mehrheit gegen Ziebart, hieß es am Freitag in den Kreisen.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, Teile des Aufsichtsrats suchten bereits nach einem Nachfolger. Infineon hatte zum Start ins neue Geschäftsjahr im ersten Quartal 2007/08 (30. September) einen Verlust von fast 400 Millionen Euro gemacht. Verantwortlich dafür waren die Probleme bei der Speicherchip-Tochter Qimonda, von der sich Infineon trennen will. Im Aufsichtsrat wurde kritisiert, dass Ziebart das Problem Qimonda zu lange habe schleifen lassen und die Tochter nur noch als Finanzbeteiligung betrachtet habe. Auch in Unternehmenskreisen wird zwar auf das schwierige Branchenumfeld verwiesen. Es wird aber auch eingeräumt, dass die Technologie bei Qimonda zeitweise nicht auf dem neuesten Stand war.

Auch wenn es Kritik an Ziebart gab, gibt es den Angaben zufolge keine einheitliche Front gegen den Vorstandsvorsitzenden im Aufsichtsrat. "Ich sehe zurzeit andere Probleme, als das Personalkarussell zu drehen", sagte ein Infineon-Kontrolleur der Deutschen Presse-Agentur dpa. Im Aufsichtsrat selbst sei eine Ablösung Ziebarts bisher nicht diskutiert worden. "Hier wird wieder intrigiert."

In Branchenkreisen wurde darauf hingewiesen, dass eine Nachfolger-Suche auch nicht einfach wäre. Aus dem Infineon-Vorstand dränge sich niemand für den Vorsitz auf, externe Kandidaten mit Expertise in der Chipbranche seien in Deutschland nur schwer zu finden. Der frühere Siemens-Vorstand und noch amtierende Infineon-Aufsichtsrat Johannes Feldmayer, der laut "Süddeutscher Zeitung" ins Gespräch gebracht worden sein soll, gilt in Branchenkreisen nicht als ernsthafter Kandidat. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Feldmayer im Skandal um Schmiergeldzahlungen an die Arbeitnehmerorganisation AUB; er muss mit einem Prozess rechnen.

Ziebart steht seit Herbst 2004 an der Spitze von Infineon. Unter seiner Führung spaltete der Konzern das volatile Speicherchip- Geschäft ab und brachte es als Qimonda AG an die Börse. Bei Vorlage der jüngsten Quartalszahlen rauschte der Infineon-Aktienkurs in die Tiefe. Analysten reagierten vor allem überrascht auf die Ankündigung, dass die Kommunikationssparte Com nach jahrelanger Sanierung voraussichtlich im Gesamtjahr wieder rote Zahlen schreibt.

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