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Ein entscheidender Tag für Bayern und für allem für Niederbayern: Die Mitarbeiter der Hans Glas GmbH werden 1966 von der Übernahme durch BMW informiert.

Vier Werke in einst strukturschwachen Gebieten Bayerns

Wie BMW einer ganzen Region Auftrieb gibt

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München - Aus einem Münchner Unternehmen wurde ein Weltkonzern. Doch die Expansion war anfangs vorwiegend auf Bayern beschränkt. Fünf Standorte hat BMW im Freistaat, vier davon in früher strukturschwachen Regionen.

Ein entscheidender Tag für Bayern und für allem für Niederbayern: Die Mitarbeiter der Hans Glas GmbH werden 1966 von der Übernahme durch BMW informiert.

Zuerst schien sich BMW verrechnet zu haben. Die Hans Glas GmbH, Landmaschinenfabrik und Schöpfer des Goggomobil, war nach dem ehrgeizigen Ausbau ihrer Modellpalette am Ende. BMW nutzte die Gelegenheit, um nach der längst überwundenen Krise 1959/1960 künftig auch kleine Wagen, wie sie Glas hatte, anbieten zu können. Außerdem platzte das einzige BMW-Werk in Milbertshofen aus allen Nähten. Da kamen neue Standorte recht. Doch die Glas Modelle floppten und liefen nach und nach aus. Noch für ein Jahr ließ BMW das elegante Coupé aus Dingolfing als BMW 1600GT im Programm. Auch der legendäre Luxuswagen mit V8 Motor – im Volksmund „Glaserati“ genannt – bekam eine Schonfrist. Doch dann war Schluss. 1969 lief das letzte Goggomobil vom Band.

Damit war Glas Geschichte. Doch für BMW erwies sich die Investiton als historischer Glücksfall. Da waren zwei Glas Werke in Landshut und Dingolfing – beide wurden in den BMW-Verbund integriert. Und dann gab es auch noch riesige Grünflächen an der Isar vor den Toren von Dingolfing. Hier steht heute das größte europäische BMW-Werk. Und Dingolfing wurde zur Heimat der großen BMW-Modelle. Zunächst wurde hier der neue 5er montiert, später auch noch der 7er.

Jeden Morgen fahren seither Werksbusse, die auf der einen Seite Mitarbeiter vom Münchner Stadtrand nach Dingolfing bringen, auf der anderen aber auch aus den hintersten Winkeln des Bayerischen Waldes. Und aus kleinen Familienbetrieben, die Sitzbezüge oder Innenverkleidungen an BMW lieferten wurden in wenigen Jahrzehnten selbst internationale Konzerne.

Für ein Jahrzehnt hatte der Münchner Konzern Ruhe, auch weil Dingolfing einen Teil der Produktion aus München übernehmen konnte.

In Regensburg wurde der 1er gebaut. Nun ist das Werk Zentrum für die BMW-Modelle mit Frontantrieb.

Doch dann brauchte man ein neues Werk für den Bestseller von BMW, den 3er. Im Süden von Regensburg wurde es gebaut. Spatenstich 1983, Produktionsanlauf 1987. Inzwischen ist das Werk auf die Modelle mit Frontantrieb spezialisiert, den 2er Active Tourer zum Beispiel. Spätestens seither ist BMW nicht nur für Niederbayern sondern auch für die Oberpfalz wichtigster Wachstumsmotor.

Und ein Stück weiter im Norden der einst strukturschwachen Region half BMW auch dem Freistaat Bayern aus der Patsche. Denn bei Wackersdorf (Kreis Schwandorf) gab es eine riesige Industriebrache, die eigentlich einmal atomare Wiederaufbereitungsanlage werden sollte. Ein Plan, der nach anhaltenden Bürgerprotesten von der Politik aufgegeben wurde. BMW baute dort zunächst ein Zulieferwerk und siedelte später einen Industriepark auch für andere Lieferanten an.

Mehr zum Thema 100 Jahre BMW finden Sie auf unserer Themenseite.

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