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Integration geglückt: Husein Sharif aus Syrien mit seiner Chefin Christine Beck-Meidt von Beck Elektrotechnik. 

Integrationsprojekt

Wie Flüchtlinge an bayerische Unternehmen vermittelt werden

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Die Integration von Flüchtlingen in den bayerischen Arbeitsmarkt kommt langsam voran, wie das Projekt IdA 1000 zeigt. 30 Prozent der Teilnehmer wurden an Unternehmen vermittelt.

München – Husein Sharif ist ein Beispiel dafür, wie es funktionieren kann. Der 31-jährige Syrer ist 2015 gemeinsam mit seiner Frau über die Türkei und Griechenland als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Mittlerweile spricht er beinnah fließend Deutsch, lebt – mittlerweile mit Frau und Tochter – in der Nähe von Würzburg und arbeitet seit Dezember bei einem örtlichen Unternehmen für Elektrotechnik. Vorerst als Hilfskraft, im kommenden Jahr beginnt er mit der Ausbildung.

Sharif ist einer der Teilnehmer des Projektes IdA 1000, bei denen die Integration in den Arbeitsmarkt geklappt hat. Das Projekt, das von Februar 2016 bis Juni 2017 lief, hatte zum Ziel, möglichst viele Flüchtlinge und Asylbewerber an bayerische Unternehmen zu vermitteln. Am Ende haben 384 der 1295 Teilnehmer eine duale oder schulische Berufsausbildung (65), eine Einstiegsqualifikation (45), ein Studium (6) oder eine Beschäftigung (268) aufgenommen. „Das entspricht einer Vermittlungsquote von rund 30 Prozent. Rechnet man die vorzeitigen Projektabbrecher heraus, ergibt sich eine Quote von 42 Prozent“, rechnet Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) vor.

Ambitioniertes Projekt

IdA 1000 wurde gemeinsam von vbw (2,6 Millionen Euro), der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit (7,4 Millionen Euro) und dem bayerischen Sozialministerium (1,3 Millionen Euro) finanziert. Durchgeführt wurde das Projekt vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft, das auch die nötigen Betreuer zur Verfügung gestellt hat: Ansprechpartner für die Teilnehmer in allen Fragen rund um die Jobsuche, die Anerkennung von Berufsabschlüssen oder der Wohnungssuche.

Eine Studie zeigt, wie Bayerns Asylbewerber denken

Flüchtlinge ab 21 Jahren wurden im Rahmen des Projekts an 46 bayerischen Standorten mit Firmen zusammengebracht. Der Großteil der 1295 Teilnehmer war männlich (87 Prozent), im Schnitt 30 Jahre alt. „Die meisten stammten aus Afghanistan, Syrien, Nigeria und dem Irak“, berichtet Brossardt.

392 Teilnehmer beendeten das Projekt vorzeitig, etwa weil sie in eine andere Maßnahme wechselten oder aus persönlichen Gründen wie Umzug oder Mutterschutz. 21 Teilnehmer waren aber auch gezwungen, das Projekt abzubrechen, weil sie abgeschoben wurden – oder die Abschiebung kurz bevorstand.

Alle Teilnehmer absolvierten zunächst einen Sprachkurs, danach ein sechswöchiges Praktikum. Hier wurden auch individuelle Kompetenzprofile erstellt. Ein Schlüssel für die erfolgreiche Integration, wie sich gezeigt habe, sagt Brossardt. Solche Erfahrungen sollen in das Folgeprojekt IdA 2.0 (ab September) einfließen.

Das Projekt motiviert die Flüchtlinge

Sharif arbeitete während seines Praktikums sechs Wochen bei der Beck Elektrotechnik GmbH mit, einem Betrieb aus Würzburg mit 110 Mitarbeitern. „Er war engagiert und motiviert. Da hab ich zu ihm gesagt: Probieren wir es“, erzählt Geschäftsführerin Christine Beck-Meidt. Sie hat bereits zwei Flüchtlinge im Betrieb, die eine Ausbildung machen. „Am 5. Dezember habe ich meinen Arbeitsvertrag unterschrieben“, erzählt Sharif. Das Datum kommt wie aus der Pistole geschossen. Der junge Syrer ist stolz darauf, in Deutschland sein eigenes Geld für sich und seine Familie zu verdienen.

Flüchtlinge und Asylbewerber: Vorurteile im Faktencheck

Sharif hat zunächst einen Vertrag als Hilfskraft. „Er soll seine Deutschkenntnisse weiter verbessern, Fachbegriffe lernen und auf der Baustelle Materialien kennenlernen“, sagt Beck-Meidt. Vereinbart ist aber, dass er im kommenden Jahr dann mit der Ausbildung zum Elektriker für Energie- und Gebäudetechnik beginnt. Erfahrung bringt der 31-Jährige bereits mit: fünf Jahre hat er in Syrien Betriebstechniker gelernt, seine Abschlüsse wurden in Deutschland zum Teil von der Industrie- und Handelskammer anerkannt.

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