"Wie Ron Sommers letzte Tage"

- Berlin - Qualitätsmängel, Gewinneinbruch, zurückgehende Verkaufszahlen, dazu die milliardenschwere Neuordnung beim Smart: Keine Frage - bei Mercedes türmen sich die Probleme. Ausgerechnet das langjährige Kern- und Glanzstück hat sich zum Sorgenkind des Daimler-Chrysler-Konzerns entwickelt.

<P>"Diesmal geht/s ans Eingemachte", lautete die schonungslose Diagnose, die kein Geringerer als Klaus Kaldemorgen, Chef von Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS, am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Autobauers in Berlin stellte.<BR><BR>Er warf Konzernchef Jürgen Schrempp vor, Fehlentwicklungen zu spät erkannt und Ergebnisse schöngeredet zu haben. Mercedes sei einst die "Ikone im Luxussegment" gewesen, dies gelte nun nicht mehr, sagte Kaldemorgen. Seine Fondsgesellschaft DWS ist eine Tochter der Deutschen Bank, die größte Einzelaktionärin des Stuttgarter Konzerns ist.<BR><BR>Auch von anderen institutionellen Anlegern wie Union Investment hagelte es Kritik an Schrempp. Der Zusammenschluss mit dem US-Autobauer Chrysler habe auch sieben Jahre nach der Fusion nichts gebracht, sagte Fondsmanager Thomas Meier. "Mindestens ein Zylinder läuft nie rund." Die Gesellschaft, die nach eigenen Angaben 15 Millionen Daimler-Chrysler-Aktien hält, verweigerte dem Vorstand die Entlastung.<BR><BR>Auch die Kleinaktionäre sparten nicht mit Vorwürfen an die Konzernführung. "Der Traum von der Welt AG droht zum Albtraum zu werden", kommentierte Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die Ausrichtung des deutsch-amerikanischen Autobauers. Die geplante Smart-Sanierung sei ein "verzweifelter Kraftakt", bei dem "gutes Geld schlechtem hinterhergeworfen wird", erklärte er. Dagegen zeige der Blick zu BMW, wie sich mit der Konzentration aufs Kerngeschäft gutes Geld verdienen lasse.<BR><BR>Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) warf Schrempp vor, das Ruder zu spät herumgeworfen zu haben. Die Qualitätsprobleme bei Mercedes seien seit Jahren bekannt. Das Projekt Smart solle besser aufgegeben werden. Obwohl er dem Konzernchef ein glückliches Händchen bei Personalentscheidungen bescheinigte, sehe er doch das Ende der Ära Schrempp heraufdämmern. "Ich fühle mich an die letzten Tage von Ron Sommer erinnert", sagte er mit Blick auf den früheren Telekom-Chef.<BR><BR>Mit dem Aktienkurs sind die Anleger unzufrieden. Die Daimler-Chrysler-Aktie hat in den letzten fünf Jahren rund ein Drittel ihres Wertes verloren. Bei der Kursentwicklung und der Rendite ist Erzrivale BMW den Stuttgartern davongefahren.<BR><BR>Und auch beim Thema Rendite musste sich Schrempp den Vergleich mit den Bayern gefallen lassen: "Während Daimler-Chrysler eine Umsatzrendite von 7 Prozent bis zum Jahr 2007 anstrebt, kommt BMW heute schon auf 7,7 Prozent", betonte Labryga.<BR><BR>Jürgen Schrempp selbst gab sich auf der Hauptversammlung ungewöhnlich konziliant und räumte Versäumnisse ein. "Ich gebe zu, dass das eine oder andere handwerklich nicht in Ordnung war", sagte er vor den knapp 8000 Aktionären in Berlin. Doch Änderungen am generellen Kurs schloss er aus. Er wiederholte seine Devise, die fast schon so etwas wie sein Mantra geworden ist: Auf operative Probleme reagiert man nicht mit einer Änderung der Strategie. <BR></P>

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