Berechnung des Ifo-Instituts

Wie die Steuerkonzepte der Parteien wirken

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Gelingt es den großen Parteien, ihr jeweiliges Steuerkonzept nach der Bundestagswahl umzusetzen, dürften die mittleren Einkommen profitieren – allerdings sehr unterschiedlich, zeigteine Ifo-Berechnung.

München – Die beiden großen Parteien versprechen, Steuerzahler mit niedrigen und mittleren Einkommen nach einem Sieg bei der Bundestagswahl zu entlasten. Eine Berechnung des Münchner Ifo-Instituts zeigt: Die meisten Steuerzahler dürften bei einer Umsetzung des CDU-Konzepts stärker profitieren als bei Umsetzung des SPD-Programms.

Große Gegensätze gibt es bei Spitzenverdienern: „Der große Unterschied ist, dass die CDU alle Bürger steuerlich entlasten mag, während die SPD nur Bürger mit niedrigen und mittleren Einkommen entlasten will“, sagt Ifo-Forscher Niklas Potrafke. Bei Spitzenverdienern gilt: „Bürger mit hohen Einkommen möchte die SPD stärker als bisher zur Kasse bitten.“ Ihr Kalkül dahinter: „Die SPD hofft, dass die Steuerentlastungen der niedrigen und mittleren Einkommen durch die Steuererhöhungen der hohen Einkommen gegenfinanziert werden können.“ Wie die Union ihre geplante Steuersenkung finanzieren will, bleibt unklar. „Die Finanzierung der geplanten Steuerentlastungen der CDU wird kaum öffentlich diskutiert“, sagt Potrafke. Dafür zeigt die Ifo-Berechnung, wie sich die Konzepte nach einer Umsetzung je nach Einkommen auswirken würden.

Alleinstehende

Wer als Alleinstehender im Jahr 15 000 Euro brutto verdient, soll bei Umsetzung des SPD-Programms in den Jahren 2018 bis einschließlich 2021 unterm Strich 339 Euro an Steuern, Sozialabgaben und Solidaritätszuschlag sparen. Das Steuerkonzept der CDU sieht für Geringverdiener in dem Zeitraum mit 134 Euro eine geringere Entlastung vor.

Auch bei höheren Einkommen gibt es Unterschiede: Wer als kinderloser Alleinstehender zwischen 70 000 und 150 000 Euro im Jahr verdient, würde nach den Plänen der CDU unterm Strich 5029 Euro in den vier Jahren sparen. Ganz anders das SPD-Konzept: Zwar würde die SPD Einkommen von 70 000 und 95 000 Euro ebenfalls entlasten, mit 3622 Euro beziehungsweise 1225 Euro aber nicht in dem Maße wie die CDU. Bei der SPD gilt: Je höher das Einkommen, desto geringer ist die Entlastung – und ab einer gewissen Einkommenshöhe wird draufgezahlt.

Bei Besserverdienern mit einem Jahresbrutto von 150 000 Euro tritt dieser Gegensatz zwischen Unions- und SPD-Konzept deutlich zutage. Während die CDU auch diese Einkommensklasse mit 5029 Euro entlastet, müssen Besserverdiener bei einer Umsetzung des SPD-Programms mit einer Zusatzbelastung in Höhe von 5332 Euro in den vier Jahren nach der Wahl rechnen. Top-Verdiener, die 300 000 Euro im Jahr verdienen, droht bei Umsetzung des SPD-Programms sogar eine Mehrbelastung in Höhe von 25 653 Euro. Weil die CDU eine generelle Steuererleichterung plant, würde ihr Programm auch Top-Verdiener mit knapp 6000 Euro entlasten.

Ehepaare

Ein ähnliches Bild zeigt die Ifo-Berechnung bei Ehepaaren. Hier gilt aber generell: Quer durch alle Einkommensklassen würden die Steuerzahler bei Umsetzung des Unions-Konzepts besser dastehen als bei der SPD. Ein Beispiel: Verdienen beide Ehepartner gemeinsam 80 000 Euro, bleiben ihnen nach dem Konzept der CDU unterm Strich in den vier Jahren nach der Wahl 4849 Euro mehr zur Verfügung. Zwar würde die SPD Ehepaare in dieser Einkommensklasse ebenfalls entlasten, mit 3363 Euro wäre die Entlastung aber geringer als bei Umsetzung des CDU-Programms.

Gewaltige Unterschiede gibt es wieder bei den Top-Verdienern: Während die Sozialdemokraten verheiratete Besserverdiener zur Kasse bitten wollen, würden auch diese Ehepaare vom CDU-Steuerkonzept profitieren. Das gilt selbst bei Einkommensmillionären: Verdient das Ehepaar gemeinsam eine Million Euro, würde das Unions-Konzept auch solche Ehepaare um über 11 000 Euro in vier Jahren entlasten. Anders die SPD: Ihr Programm würde Millionärs-Ehepaare mit zusätzlich über 100 000 Euro belasten.

Von Sebastian Hölzle

Rubriklistenbild: © dpa

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