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Wendelin Wiedeking (li.) und Holger Härter waren bei der Hauptversammlung am 30. Januar Stars der Aktionäre. Dann wuchsen ihnen die Schulden über den Kopf. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Kursmanipulationen.

Wiedeking - Darum ermittelt der Staatsanwalt

Stuttgart - Gegen den ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzvorstand Holger Härter ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Vorwürfen und den möglichen Konsequenzen.

Warum wird gegen Porsche ermittelt?

Die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin hat Auffälligkeiten im Rahmen der geplanten Übernahme von Volkswagen durch Porsche festgestellt. Diese wogen so schwer, dass sie die Staatsanwaltschaft einschaltete. Bei Durchsuchungen hat diese mögliche Beweismittel sichergestellt.

Wer ist betroffen?

Beschuldigt sind bisher die ehemaligen Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter. Da das Verfahren am Anfang steht, ist völlig offen, ob und gegebenenfalls wann es zu einer Anklage kommt.

Was sind die konkreten Vorwürfe?

Marktmanipulation und unterlassene Publikationspflichten. Wenn Marktteilnehmer falsche Informationen streuen, um Kurse von Wertpapieren zu beeinflussen, ist das strafbar.

Hat Porsche manipuliert?

Porsche hat mehrfach in auffälliger Weise Pläne dementiert, das eigene VW-Engagement weiter auszubauen. Doch dann tat man genau dies doch. Porsche hat damit die Märkte getäuscht. Weil die Übernahme nicht direkt über Aktien erfolgte und auch nicht über börsengehandelte Aktienoptionen, sondern über Verträge mit Banken, ist es trotz offensichtlicher Manipulationen nicht sicher, dass strafrechtlich am Ende etwas hängenbleibt.

Wer hatte den Schaden?

Es waren zum Teil private Anleger, Hedgefonds, aber auch Investmentgesellschaften, die Milliardensummen verloren.

Warum ist der Schaden so hoch?

Es wurden Leerverkäufe, das sind hochriskante Börsenwetten, getätigt. Dazu leihen sich Spekulanten für wenig Geld – zum Beispiel bei einem Investmentfonds – Aktien, von denen sie erwarten, dass ihr Kurs sinkt und verkaufen sie. Die VW-Stammaktien schwankten damals um 230 Euro. Viele glaubten, sie würden auf wenigstens 180 Euro zurückfallen. Damit hätten sie bei Einsatz einer geringen Leihgebühr pro Aktie 50 Euro gewonnen.

Aber warum verloren sie?

Anstatt zu fallen, stiegen die Kurse am 26. Oktober 2008 auf über 1000 Euro. Spekulanten mussten fast jeden Preis zahlen, um die leer verkauften Aktien zurückgeben zu können. So hatten sie pro geliehener Aktie statt 50 Euro Gewinn plötzlich 770 Euro Verlust. Die Kurskapriolen der VW-Aktie brachte auch den Dax durcheinander, wodurch auch Anleger, die sich von diesem Papier fernhielten, in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Was hatte Porsche davon?

Nichts. Derartige Verwerfungen bringen einen Großaktionär eher in Schwierigkeiten, weil kurzfristigen hohen Gewinnen bei einer Normalisierung entsprechend hohe Verluste gegenüberstehen. Porsche hat gemerkt, dass Zocker mehr Aktien im Spiel hatten, als auf dem Markt noch verfügbar waren. Um eine sofortige Panik zu vermeiden, hat Porsche den handelsfreien Sonntag genutzt, um dies mitzuteilen. Es half aber nichts.

Was hätte Porsche anders machen können?

Man hätte mit offenen Karten spielen und die wahren Absichten rechtzeitig auf den Tisch legen können. Das aber hätte die geplante Übernahme von VW enorm verteuert.

Warum geht es Porsche trotzdem so schlecht?

Porsche hat trickreich versucht, Volkswagen zu übernehmen – und zumindest die ersten 25 Prozent zu sehr günstigen Bedingungen bekommen. Auch die Übernahme von insgesamt 50,7 Prozent der Aktien war zu schultern. Erst die Optionen auf rund weitere 20 Prozent, die Porsche zur vollständigen Übernahme benötigte, ließen die Schulden explodieren. Das wäre nur aufgegangen, falls Porsche durch den Fall des VW-Gesetzes Zugriff auf Barmittel und Kreditlinien des größeren Konzerns bekommen hätte. Doch selbst die 50,7 Prozent an VW entsprechen bei fairen Kursen von 100 Euro für eine VW-Stammaktie einem Wert von 15 Milliarden Euro, denen jetzt Schulden von unter fünf Milliarden Euro gegenüberstehen.

Was droht Wiedeking und Härter an Strafe?

Der Strafrahmen reicht bis zu fünf Jahre Haft. Realistisch ist im Fall einer Verurteilung allerdings nur eine hohe Geldstrafe.

von Martin Prem

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