+
Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gilt als absoluter Machtmensch.

Wiedeking - Machtmensch und Provokateur

Stuttgart - Wendelin Wiedeking galt bis zum Schluss als Machtmensch, Sturkopf und Provokateur, der sich nicht in die Knie zwingen lassen will.

Schließlich aber scheiterte er an seinem ehrgeizigsten Projekt - der Übernahme des Autoriesen Volkswagen durch den viel kleineren Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche. Zuletzt war das Tauziehen um die Macht in einem gemeinsamen Autoimperium so weit eskaliert, dass Wiedeking als Reizfigur und ausgemachter Intimfeind von VW-Patriarch Ferdinand Piëch keine andere Möglichkeit als der Rückzug blieb. Am Donnerstag teilte Porsche mit, der Vorstandsvorsitzende werde das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen.

Die höchsten Manager-Abfindungen

Die höchsten Manager-Abfindungen

In dem monatelangen Ränkespiel um die Zukunft von VW und Porsche hatte sich der 56-Jährige viele Feinde gemacht. Dem VW- Aufsichtsratschef Piëch war das Alphatier-Auftreten des Managers schon lange ein Dorn im Auge. Außerdem wurde Wiedeking dem Porsche- Miteigentümer zu mächtig, nachdem der Porsche-Chef immer unverblümter kundtat, bei VW Porsche-Sitten einführen zu wollen.

Auch viele andere in Wolfsburg waren irritiert. Wiedeking mische sich zu sehr ein, lautete der Vorwurf hinter vorgehaltener Hand. Schon früh hatte der Porsche-Boss seine Linie deutlich gemacht: Bei VW dürfe es keine “heiligen Kühe“ geben - in Wolfsburg ein nicht vergessener Angriff auf die bei VW herrschende Konsens-Kultur, mit einer starken Mitbestimmung, Haustarif und einer traditionell mächtigen IG Metall.

Lange parierte der als stur geltende Westfale alle Angriffe erfolgreich. Vor allem auch dank der schützenden Hand des anderen Alphatieres in der Familie der Porsches und Piëchs - Wolfgang Porsche . Zuletzt entzog aber auch “WoPo“, wie der Spitzname des Aufsichtsratschefs ist, Wiedeking das Vertrauen.

Zuvor hatte Wiedeking lange als Retter von Porsche gegolten. Als er 1992 erst Vorstandssprecher wurde und ein Jahr später als Vorsitzender das Ruder übernahm, lag das renommierte Unternehmen so am Boden , dass sogar eine Übernahme möglich erschien. Der studierte Maschinenbauer schaffte es, Überkapazitäten in Produktion und im Personalbereich in Stuttgart -Zuffenhausen abzubauen und Porsche zum profitabelsten Autobauer der Welt zu machen. Mit einem geschätzten Einkommen von 80 Millionen Euro für das vergangene Geschäftsjahr ist er der am besten verdienende Manager Deutschlands.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Brüssel prüft Monsanto-Übernahme durch Bayer genauer
Die EU-Kommission will die Risiken des Zusammenschlusses für den Wettbewerb in der Agrarchemie genauer unter die Lupe nehmen. Bayer reagiert darauf gelassen. Der Konzern …
Brüssel prüft Monsanto-Übernahme durch Bayer genauer
Rheintalbahn soll am 7. Oktober wieder freigegeben werden
Alles dauert viel länger als zunächst gedacht. Erst am 7. Oktober sollen wieder Züge auf der europäischen Hauptachse Rheintalbahn fahren. Bis dahin muss das Notkonzept …
Rheintalbahn soll am 7. Oktober wieder freigegeben werden
Merkel will Spiele-Entwickler mit mehr Geld fördern
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei der Eröffnung der Computerspielemesse Gamescom der Branche eine stärkere staatliche Förderung in Aussicht gestellt.
Merkel will Spiele-Entwickler mit mehr Geld fördern
Bei mehr als 60 Euro Gebühren fürs Konto die Notbremse ziehen
Die Experten von Finanztest nahmen 231 Gehalts- und Girokonten von 104 Banken unter die Lupe. Einige Geldinstitute zocken bei den Gebühren so richtig ab. Dann ist die …
Bei mehr als 60 Euro Gebühren fürs Konto die Notbremse ziehen

Kommentare