Wieder steigende Strompreise

Hamburg - Der von der EU auf rund 200 Milliarden Euro veranschlagte Ausbau der europäischen Stromnetze wird nach Ansicht von Energiekommissar Günther Oettinger den Strom teurer machen. Mit welchen Kosten künftig zu rechnen ist:

“Es geht um ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde“, sagte der CDU-Politiker dem “Hamburger Abendblatt“. Damit ließen sich die neuen Leitungen und weitere Speicherkapazitäten finanzieren. Auf einen Haushalt mit 4500 Kilowattstunden Stromverbrauch könnten so bis zu 90 Euro Mehrkosten im Jahr zukommen. Mehr Ökostrom, Wettbewerb sowie die Entwicklung eines europäischen Binnenmarktes dürften aber auch preisdämpfend wirken, weshalb der Strompreis nicht so stark wie von Oettinger prognostiziert steigen muss.

Der Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband, Holger Krawinkel, rechnet für Deutschland mit Mehrkosten von 0,5 Cent pro Kilowattstunde. Auf Deutschland sollen 40 Milliarden Euro der geplanten 200 Milliarden Euro an Netzinvestitionen bis 2020 entfallen.

Nach Angaben der Deutschen Energieagentur sind in den nächsten Jahren 3600 Kilometer an neuen Höchstspannungsleitungen in Deutschland notwendig, um etwa Windstrom von der See in den Süden zu bekommen. Hinzu kommt ein hoher Bedarf an neuen Verteilnetzen, also den Auf- und Abfahrten von den Stromautobahnen.

Die Modernisierung der Energieinfrastruktur hatten die Staats- und Regierungschefs der EU bei ihrem jüngsten Gipfel in Brüssel beschlossen. Oettinger unterstrich die Notwendigkeit: “Wenn wir das Energienetz nicht ausbauen, ist die Gefahr eines Stromausfalls sehr real.“ Der geplante Ausbau erneuerbarer Energien wie der Windkraft beeinträchtige die Versorgungssicherheit. “Daher brauchen wir perfekte Netze, die Schwankungen ausgleichen können“, sagte er.

Geld aus Brüssel gebe es nur für Projekte, “die im europäischen Interesse, aber nicht rentabel sind“, machte der Kommissar deutlich. Als Beispiel nannte er die Anbindung des Baltikums. Die Erschließung neuer Windparks vor den Küsten der Nord- und Ostsee sei dagegen “ein gutes Geschäftsmodell“. Investitionen müssten privat finanziert werden. Die Regulierungsbehörden müssen aber den Energieversorgern ermöglichen, mit einem Teil des Strompreises Rücklagen für Investitionen zu bilden.

dpa

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