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Eine Air-Berlin-Maschine im Anflug auf den Flughafen Tegel.

Fragen und Antworten

Am Tiefpunkt: So geht es mit Air Berlin weiter

Berlin - Koffer-Chaos, frustrierte Crews: Die Dauerkrise bei Air Berlin ist jetzt auch für Kunden sichtbar. Nun erklärt der neue Chef, wie groß die Probleme sind. Doch erwartet wird vor allem eine Lösung.

Selbst das rote Schokoherz kann Air-Berlin-Passagiere derzeit nicht mehr besänftigen. Sie stehen wartend am leeren Gepäckband am Drehkreuz Berlin-Tegel und tippen ihren Frust in die Handys.

"Unfähig", "marode", "chaotisch", so was verbreiteten Kunden in den vergangenen Wochen in den sozialen Netzwerken. Flugbegleiter sehen die seit Jahren angeschlagene Airline am "absoluten Tiefpunkt". Wütende Passagiere, wütendes Personal: In dieser Lage muss der neue Vorstandschef Thomas Winkelmann am Freitag nach nur zwei Monaten im Amt wohl auch noch eine tiefrote Bilanz für 2016 verkünden.

Wie schlecht geht es Air Berlin?

Verluste gibt es bereits seit Jahren. Allein von Januar bis September 2016 verbuchte die Fluggesellschaft unterm Strich ein Minus von 317 Millionen Euro. Und die Schulden summierten sich auf mehr als eine Milliarde Euro. Im Jahr 2015 legte Air Berlin bei jedem Fluggast rechnerisch sogar Geld drauf, statt an ihm zu verdienen.

Was tut man dagegen?

Air Berlin baut radikal um und schrumpft. Bis zu 1200 Arbeitsplätze gehen verloren. Bis zu 38 Flugzeuge samt Besatzung sind an die Lufthansa vermietet, andere gehen in ein Ferienflieger-Bündnis mit Tuifly. Übrig bleiben von 137 noch im Herbst nun 75 Maschinen für Langstrecken - und auch die sind nur geleast. Das Schokoherz dagegen steht nicht auf der Streichliste.

Air Berlin konzentriert sich stärker auf Langstrecken und seine Drehkreuze Berlin und Düsseldorf. Doppelstrukturen fallen weg, Mitarbeiter müssen umziehen - oder kehren Air Berlin den Rücken. Ausgerechnet zu Ostern begannen in Tegel große Probleme bei der Abfertigung, nachdem ein neuer Dienstleister angeheuert wurde. Das Kabinenpersonal spricht schon von "Transformationschaos". "Frustration und Ängste bestimmen das Tagesgeschäft", heißt es in einem Schreiben an den neuen Vorstandschef Thomas Winkelmann.

Kann eine so kleine Airline überleben?

Experten bezweifeln das. Der frühere Lufthansa-Vorstand Adrian von Dörnberg sprach Air Berlin schon vor Monaten die Existenzberechtigung ab. Auch der aggressive Ryanair-Chef Michael O'Leary meint, man solle die kriselnde Fluggesellschaft am besten ganz einstampfen. Eine Aussage mit Kalkül, denn Ryanair möchte in Deutschland wachsen.

Was kann Air Berlin noch helfen?

Bisher sprang immer der große Freund, die arabische Airline Etihad, ein. Seit Jahren bekommt Air Berlin Geld aus Abu Dhabi. Etihad hält 29 Prozent an der deutschen Nummer zwei - mehr geht bei der außereuropäischen Beteiligung nicht, wenn Air Berlin keine Flugrechte verlieren soll.

Notwendig sei deshalb ein zweiter starker Partner, meinen Berater. In Frage kämen nach ihrer Einschätzung britische Gesellschaften auf der Suche nach Standbeinen im Nach-Brexit-Europa sowie asiatische, die auf einen Einstieg in den komplizierten Markt hoffen. Im Gespräch ist immer wieder auch der Lufthansa-Konzern, von dem der frühere Germanwings-Chef Winkelmann zu Air Berlin kam. Etihad und der deutsche Marktführer hatten ihre Kooperation zuletzt ausgebaut. Der Schuldenberg macht Lufthansa-Chef Carsten Spohr allerdings skeptisch.

Kann Air Berlin zumindest auf weitere Unterstützung von Etihad bauen?

Bisher konnten die Berliner fest auf den großen Partner setzen. Etihad setzt Air Berlin als Zubringer für ihr Langstrecken-Drehkreuz in Abu Dhabi ein. Doch am Golf deutet sich ein Strategiewechsel an. Etihad-Chef James Hogan muss in der zweiten Jahreshälfte gehen. Seine aggressive Expansionsstrategie steht auf dem Prüfstand. Ob man angesichts schwindender Einnahmen im Öl-Geschäft bei Air Berlin weiter Millionen verpulvern will, ist ungewiss.

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