Wienerwald will Wienerwald retten

- München - Die Wienerwald-Küche droht zu erkalten. Der verbliebene deutsche Teil des Hendl-Imperiums ist pleite. 500 Mitarbeiter in 38 Betrieben zwischen Garmisch und Sylt bangen um ihre Stellen. Das Insolvenzgericht setzte einen Verwalter ein, der den Betrieb vorerst weiterführen will. Rettung für Wienerwald könnte von Wienerwald kommen - aus Österreich.

<P>Das traditionsreiche deutsche Unternehmen ist zahlungsunfähig. Der Umsatz schrumpfte immer weiter, gleichzeitig trieb die Hühnerpest die Einkaufspreise nach oben. Schnellimbiss-Ketten schnappten Kunden weg. Die begonnene Sanierung reichte nicht aus. Auch die Pläne für einen Frühstücks-Wienerwald und den Lieferservice kamen zu spät.</P><P>Alfons Buhr, der Vorstand der AG bleibt, verbrachte am Nachmittag mehrere Stunden beim Münchner Insolvenzverwalter Eckhart Müller-Heydenreich. Jetzt müht man sich, in Eigenregie zu sanieren, die Lieferantenschulden in Millionenhöhe zu begleichen und die bekannte Marke ("Heute bleibt die Küche kalt...") zu erhalten. Bis zu 15 weiter entfernte Betriebe sollen noch heuer an Franchise-Nehmer abgegeben werden. "Wir konzentrieren uns auf Bayern und Baden-Württemberg", sagte Buhr unserer Zeitung.<BR>Schon längst waren vom Hendl-Imperium nur Haut und Knochen geblieben. Die vom Österreicher Friedrich Jahn gegründete internationale Restaurant-Kette hatte zu Spitzenzeiten 1600 Betriebe mit 27 000 Mitarbeitern.</P><P>Als "Hendl-König" wurde Jahn damals gefeiert. Seit 1982 ging es bergab. Jahn übernahm sich bei Zukäufen in den USA, er musste verkaufen. Als Außendienstmitarbeiter schuftete er dann für die deutsche Gruppe. Einmal noch kaufte er das Unternehmen zurück, wieder ohne rechten Erfolg. Jahn startete eine Sängerkarriere mit Wiener Liedern. 1998 starb der Hendl-König. "Vom Kellner zum Millionär und zurück", heißt sein Buch. Vor allem der Weg zurück war hart.</P><P>2001 jedenfalls kaufte die Investorengruppe Altacon die deutschen und österreichischen Wienerwald-Gesellschaften. Der österreichische Teil ist seit sechs Monaten in Privatbesitz und von der deutschen Insolvenz nicht betroffen. Alleineigentümer und Chef Christian Ziegler macht mit den 23 Filialen Gewinn: "Die deutsche Führung ist weg, und wir haben fast keine Probleme mehr", spöttelt der 39-Jährige. Das Hühnerpest-Argument hält er für eine fadenscheinige Ausrede.</P><P>Trotzdem will er sich um eine Rettung der deutschen Kette bemühen: "Wir werden sicherlich Gespräche führen", sagte Ziegler unserer Zeitung. "Wir müssen nicht. Aber bevor Wienerwald in Deutschland den Bach herunter geht, kann man darüber reden." Vorher müsse man bei der deutschen Kette "schauen, welche Leichen im Keller liegen".</P><P>Der Kauf der Deutschen war Ziegler schon vor einem halben Jahr vorgeschlagen worden. Der Kunde verbinde die Marke ohnehin mit Österreich. Die deutsche Wienerwald AG bestätigt zudem intensive Gespräche mit "mehreren Finanzinvestoren".</P><P>Die 35 Franchise-Nehmer in Deutschland sind von der Pleite nicht direkt berührt. Dazu zählt auch das Wienerwald-Zelt auf der Wiesn. Es soll auch heuer stehen.<BR></P>

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