Wienerwald-Küche dampft wieder: Rettung durch Investoren in Sicht

- München - Heute bleibt die Küche kalt - die Gerüchteküche dampft um so mehr. Das insolvente Münchner Traditionsunternehmen Wienerwald steht dank eines neuen Plans kurz vor der Rettung. Ein Investor erwägt den Mehrheits-Einstieg, auch die Familie des 1998 verstorbenen Gründers Friedrich Jahn steht bereit. Der Streit um die Markenrechte scheint gelöst.

<P>Günter Steinberg, Schwiegersohn des Hendl-Königs Jahn und Münchner Großgastronom, sagte unserer Zeitung, er halte es für "reizvoll, den Namen Wienerwald wieder in die Familie zu holen". Er besitzt selbst acht Wienerwald-Betriebe, fünf davon sind verpachtet. Es wurde bereits intensiv verhandelt, ein konkretes Angebot soll jedoch noch nicht vorliegen. Steinberg, der schon 1976 das vermutlich erste Franchise-Lokal in Deutschland vom Schwiegervater abnahm, hat klare Vorstellungen, wie mit der Wienerwald AG nach der Pleite wieder schwarze Zahlen gekocht werden könnten.<BR><BR>Unterdessen schreitet die Sanierung der AG weiter voran. Bisher wurden neun unrentable Filialen gekündigt, sieben an Franchise-Nehmer gegeben - vor allem ehemalige Mitarbeiter -, 12 bis 14 der bisher 38 Eigenbetriebe sollen bleiben. In der Hauptverwaltung wurde der größere Teil der Mitarbeiter zum Jahreswechsel gekündigt, nur Vorstand Alfons Buhr und fünf enge Mitarbeiter bleiben. "Ich bin sehr zufrieden", sagt Insolvenzverwalter Eckhart Müller-Heydenreich: "Die Basis ist da, damit es mit Wienerwald weitergehen kann." Der vorübergehend in den AG-Vorstand beorderte Aufsichtsrat Peter Wichelhaus spricht ebenfalls von einer "sehr guten Überlebenschance".<BR><BR>Auch der Streit um die Markenrechte könnte mit der Vorlage des neuen Insolvenzplans in diesen Tagen beigelegt werden. Mitte 2002 waren die Markenrechte an eine Tochterfirma des Eigentümers, der Investorengruppe Altacon, verkauft worden. Ein Betrag von 1,3 Millionen Euro war für den Rückkauf angeblich zunächst gefordert worden. Der neue Insolvenzplan sieht nun vor, die Markenrechte vorerst als Besicherung in die AG zurückzugeben, hieß es in Unternehmenskreisen.<BR><BR>Der Besitz der Markenrechte in der AG - ohne monatelange Prozesse - wäre die Grundlage für weitere Verhandlungen mit Investoren. Interessenten "stehen nicht Schlange, es gibt aber welche", sagt Müller-Heydenreich. Darunter soll auch ein Geldgeber sein, der die Mehrheit übernehmen will.<BR><BR>Im Juni hatte die Hendl-Kette, die einst in 1600 Betrieben 27 000 Mitarbeiter beschäftigte, Insolvenz angemeldet. Branchenkenner erwarten, dass Wienerwald nur mit größeren Investitionen, vor allem in die Werbung, profitabel geführt werden könnte. "Man muss den Leuten sagen: Der Wienerwald lebt", sagt Jahn-Schwiegersohn und Wiesn-Wirt Steinberg: "Das kostet Geld." Die Speisekarte aber stimme: "Geflügel und Salate sind in."<BR><BR>Überlebenswichtig ist jedoch die Zusammenarbeit mit den Gläubigern. Sie treffen sich am 6. November zum Prüftermin. Zwei Wochen später, so schätzt Müller-Heydenreich, dürfte sich das Wienerwald-Schicksal entscheiden: "Jetzt wird's richtig interessant."<BR></P><P> </P><P> </P><P> </P><P> </P>

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