Wiesheu: Innovation kann Verlagerung stoppen

- München - Um die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland zu stoppen, ist es notwendig, dass die Unternehmen ihre Kosten beschneiden. "Aber das ist nicht allein die Lösung des Problems", sagte Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu bei der Münchner Wirtschaftstafel seines Parteikollegen Heinrich Traublinger.

<P>In den letzten zehn Jahren ging laut Wiesheu die Zahl der Industriearbeitsplätze in Deutschland von 10 Millionen auf 6,9 Millionen zurück. Der Stellenverlust dieser "Deindustrialisierung" werde in der Summe nicht durch neue Jobs im Dienstleistungssektor ausgeglichen.<BR><BR>"Wir müssen um das besser sein, was wir teurer sind", betonte der Minister. Und das gehe nur über Innovationen. Wer mit neuen Produkten aufwarte, könne auch in Deutschland produzieren. Denn der heimische Standort habe etliche Vorteile, zum Beispiel die Qualität der Mitarbeiter, die Lieferpünktlichkeit und die Infrastruktur. Als erfolgreiche Beispiele nannte Wiesheu die bayerischen Automobilbauer, die durch wachsende Exporte die schwächelnde Inlandsnachfrage ausgeglichen hätten.<BR><BR>Die Aufgabe des Wirtschaftsministers sieht Handwerkspräsident Traublinger als Mittler, Türöffner und Klammer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Wiesheu fördere eine stärkere Vernetzung von Hochschulen und Wirtschaft: "Nicht, dass wir vom Staat vorgeben, was gemacht wird. Das können wir nicht, das wollen wir nicht." Seine Aufgabe sei es, die Leute zusammenzubringen, den Dialog zu fördern. Die Vernetzung von Universitäten und Wirtschaftsunternehmen berge viele Innovationspotenziale, die es zu nutzen gelte. Die Technikskepsis in Deutschland sei durch nichts gerechtfertigt. "Früher waren wir die Apotheke der Welt", heute sei die deutsche Pharmaindustrie nur noch an fünfter Stelle nach den USA, Japan, Großbritannien und Frankreich. Wie bei der Kernenergie würden bei der Biotechnologie Ängste geschürt. Das sei grundfalsch.<BR><BR>"Die Umweltprobleme löst nicht der Ökofuzzi, sondern der Ingenieur", sagte Wiesheu. Was sich jetzt noch in der Gesetzgebung niederschlage, sei der Geist der 68er, der eine Art Weltuntergangsstimmung verbreite. Statt die dringend nötige Entbürokratisierung voranzutreiben, gebe es immer mehr Gesetze, wie das neue Antidiskriminierungsgesetz. "Wenn wenigstens nicht neuer Unsinn dazukäme", stöhnte der Minister, "wäre schon viel geholfen."<BR></P>

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