Wiesheu-Studie zerpflückt Österreichs Standort-Werbung

- München - Mit einer dicken Studie will Bayern Österreichs aggressive Standortwerber bremsen. In zentralen Punkten sei der Freistaat für Unternehmen mindestens so attraktiv wie das Nachbarland, sagt Wirtschaftsminister Otto Wiesheu. Den "Kameraden in Österreich" gibt er einen herzlichen Ratschlag: Lasst beim Marketing "die Albernheiten bleiben".

Die Organisation "ABA" lockt mit Vorliebe bayerische Firmen in die Alpenrepublik. Werbung: Weniger Steuern, Abgaben und Bürokratie, niedrigere Lohnkosten. Stimmt nicht, sagt Wiesheu.<BR><BR>Minutiös ließ er auflisten, dass die Konkurrenten weitgehend gleichauf liegen. "Es gibt bei der Abgabenbelastung kaum signifikante Unterschiede." Auch nicht bei den Steuern: Zwar sank die Körperschaftssteuer im Nachbarland von 34 auf 25 Prozent. Dabei unterschlagen die Werber jedoch oft die "Lohnsummensteuer". Diese Substanzbesteuerung tue gerade Mittelständlern richtig weh, sagt der CSU-Politiker.<BR><BR>Hochlohnländer sind beide. Dass die Arbeitsstunde im verarbeitenden Gewerbe in Österreich weniger kostet (21,32 statt der westdeutschen 27 Euro), lässt Wiesheu nicht zählen: Der Abstand schrumpfe, und die Produktivität in Bayern sei deutlich höher. "Bis zur letzten Wurstsemmel muss man den Abgabenvergleich nicht machen", rät Wiesheu. Punktuell "nach dem Schema Ellabätsch" Unterschiede rauszugreifen, helfe nicht. Dann nämlich argumentiert Bayern mit dem Vorsprung bei Entwicklung, Forschung, Wirtschaftsleistung und mit der niedrigeren Insolvenzquote. Pro Million Einwohner gibt es in Bayern 370 Pleiten, jenseits der Grenze 780: "Wenn Österreich behauptet, es sei das bessere Deutschland, sage ich nur: Das bessere Bayern sind wir."<BR><BR>Ärger gibt es beiderseits über Bürokratie. Österreich wirbt mit schnellen Genehmigungen für Ansiedlungswillige. Bayern stöhnt über "überzogene Vorschriften": So dürfen deutsche Reiseleiter nicht mal in Salzburg Gruppen führen. Skilehrer dürfen auch deutsche Gruppen nicht jenseits der Grenze ausbilden: "Ein Krampf."<BR>Den großen Gegner sieht er freilich woanders - da zitiert er Bundeskanzler Schüssel: "Der wirkliche Wettbewerb läuft nicht zwischen uns, sondern zwischen Westeuropa und Osteuropa und zwischen Europa und Asien."

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