Wilder Streik in Bochum setzt General Motors unter Druck

- Bochum/Rüsselsheim - Der wilde Streik der Bochumer Opel-Arbeiter gegen den geplanten drastischen Stellenabbau setzt den Mutterkonzern General Motors immer stärker unter Druck. Da die Lieferungen aus Bochum ausbleiben, würden im belgischen Werk Antwerpen für die Nachtschicht die Teile knapp, sagte ein Werksprecher.

<P>Die Bochumer Arbeiter setzen ihre Proteste indes entgegen allen Appellen fort. In Rüsselsheim begannen die Verhandlungen zwischen Vorstand und Betriebsrat.</P><P>Heute soll ein europaweiter Aktionstag dem Protest gegen die geplante Streichung von 12 000 der insgesamt 63 000 Stellen bei Opel, Vauxhall und Saab Ausdruck verleihen. Auch am Opel-Stammsitz Rüsselsheim soll die Produktion zeitweise ruhen. In Kaiserslautern wollen 2500 Arbeiter vorübergehend die Arbeit niederlegen. </P><P>In Bochum werden 10 000 Menschen zu einer Protestkundgebung erwartet. Im polnischen Gliwice soll die Arbeit fortgesetzt werden, aber die Belegschaft über die Entwicklung in Deutschland informiert werden.</P><P>Aus Bochum kommen Teile für fast alle anderen Opel-Werke in Europa. Die Fabrik in Antwerpen, die den Astra baut, bekommt aus Bochum unter anderem Fahrwerksteile zugeliefert. Die Früh- und die Spätschicht könnten noch normal arbeiten, sagte ein Werksprecher. Für die Nachtschicht würde der Nachschub jedoch knapp. In Antwerpen sollen 300 Jobs wegfallen. In Großbritannien sagte ein Vauxhall-Sprecher: "Wir bauen heute Autos." Zur weiteren Entwicklung wollte er keine Einschätzung abgeben. Opel bezifferte den Produktionsausfall durch die Proteste bis gestern auf 1500 Autos.</P><P>Bei den Verhandlungen am Opel-Hauptsitz in Rüsselsheim will die Arbeitnehmerseite vor allem Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verhindern. Zunächst ging es darum, einen Fahrplan für die schwierigen Gespräche aufzustellen. General Motors hatte vergangene Woche angekündigt, in Deutschland binnen zwei Jahren 10 000 Stellen streichen zu wollen, davon jeweils 4000 in Bochum und Rüsselsheim. </P><P>Wirtschaftsminister Clement fordert ein Ende des Ausstands</P><P>Die Arbeitnehmerseite bekräftigte ihre Bereitschaft, einen Beitrag zu der von GM geplanten Kostenreduzierung von 500 Millionen Euro zu leisten. An der ersten Verhandlungsrunde nahmen keine prominenten IG-Metall-Funktionäre teil, ein Spitzengespräch zwischen Opel und der Gewerkschaft für die kommenden Tage wurde aber nicht ausgeschlossen.</P><P>"Ich gehe davon aus, dass sich die Personaleinsparziele erheblich relativieren lassen", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Klaus Mehrens. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erklärte, er erwarte nun ein Signal des Vorstands. Er habe zwar Verständnis für die Opel-Mitarbeiter. "Aber es ändert nichts daran, dass ich das für falsch halte, was da stattfindet. Das muss endlich mal klar ausgesprochen werden."</P><P>Die Werksleitung in Bochum zeigte sich nicht zu einem Gespräch mit der Belegschaft bereit, rief sie jedoch auf, die Produktion wieder anzufahren. "Die Wiederaufnahme der Arbeit wird dem Standort Bochum nutzen!", hieß es in einem Flugblatt, das vom Werksschutz verteilt wurde. <BR>In Bochum hatte die Belegschaft am Morgen einstimmig entschieden, dass die seit Donnerstag ruhende Fertigung nicht wieder aufgenommen wird. Sprecher der Belegschaft forderten erneut als Bedingung für eine Wiederaufnahme der Produktion ein Gespräch mit der Werksleitung und den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen am Standort. <BR></P>

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