Will "Deutsche" Preis der Postbank drücken?

- Frankfurt - Bei der Deutschen Bank reißt die Pannenserie zum Börsengang der Postbank nicht ab. Eine Woche vor der Bekanntgabe der Preisspanne für die Postbank-Aktien geriet der Konsortialführer wieder in die Negativ-Schlagzeilen: Ein internes Bankpapier, das den Wert der Postbank auf 4,4 bis 5,3 Milliarden Euro schätzt, ist einem Investor geschickt worden.

Das Pikante dabei: Vor einigen Wochen hatte die Deutsche Bank selbst eine Übernahme der Postbank ins Auge gefasst. Der Mutterkonzern Deutsche Post soll damals 6 Milliarden Euro für die gesamte Bank verlangt haben. Die Frankfurter sollen aber nur bereit gewesen sein, 4,3 Milliarden Euro zu zahlen.<BR><BR>In der Frankfurter Finanzwelt ist die Empörung groß. Jetzt lautet der Vorwurf erneut, die Bank nutze die Informationen aus dem Postbank-Mandat für eigene Interessen.<BR>"Das gehört sich einfach nicht", sagt der Analyst einer großen Bank. "Ein Konsortialführer darf nicht zwei Seelen in seiner Brust haben." Das bislang angesehene Geldhaus habe als Investmentbank dilettantisch agiert und gegen ungeschriebene Gesetze des Kapitalmarktes verstoßen. "Die Deutsche Bank hat Fehler gemacht, die ihrem Ansehen schaden", sagt Sebastian Reuter von Helaba Trust.<BR><BR>Rechtlich gibt es eine Bestimmung, die es der Deutschen Bank verböte, sich zur Postbank zu äußern. "Aber im Konsortialvertrag ist sicher eine Selbstverpflichtung enthalten, eine gewisse Zeit vor und nach dem Börsengang keine Bewertung abzugeben", sagt der Landesgeschäftsführer der Aktionärsvereinigung DSW, Thomas Hechtfischer.<BR>Für die Hauptversammlung am Mittwoch haben Aktionäre großen Show-Down angekündigt: dann werde Vorstandschef Josef Ackermann sich unangenehmen Fragen stellen müssen. "Das wird eine heftige Diskussion geben. Es ist unsäglich, dass die Deutsche Bank die Braut, die sie an der Börse anderen zuführen will, selbst heiraten wollte", kritisiert Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).<BR><BR>Die Deutsche Bank gibt sich ungewohnt kleinlaut. Es handle sich um ein 14 Tage internes Memo, das nicht die aktuelle Einschätzung des Börsenwertes wiedergebe, teilte sie mit. <BR>"Es kann sein, dass die Indiskretion bei der Deutschen Bank nicht nur Dummheit, sondern eine Riesengemeinheit war", mutmaßt ein Finanzanalyst. "Es kann sein, dass die Deutsche Bank den Börsenpreis drücken will, um dann kurz vorher noch zuzugreifen und die Postbank zu übernehmen. Das wäre dann wirklich ein Riesenskandal." <BR>

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