Die EU will den Kabeljau retten: Ob er das überlebt?

- Brüssel - Die Wende der Fischereipolitik oder der Anfang vom Ende des Kabeljau? Die Bewertungen über den jüngsten Fischereibeschluss der EU sind vollkommen unterschiedlich. Es geht letztlich um die Frage, ob die heutigen Fischer die Meere plündern dürfen, oder ob ihre Kinder auch noch einmal etwas Essbares in ihren Netzen finden sollen.

<P>Die Fronten verlaufen anders als bei vielen Streitigkeiten in der Union: Auf der einen Seite stehen Frankreich und Spanien, gestützt von Großbritannien, Portugal und Irland - die "Freunde des Fischfangs", wie sie genannt werden. Auf der anderen verharren die Freunde der Fische, Schweden, die Niederlande und Deutschland.</P><P>Für Experten war klar: Eigentlich sollten der vom Aussterben bedrohte wichtigste Speisefisch in Europa mehrere Jahre völlig geschont werden. Das gleiche gilt für Seehecht und Kaisergranat (Scampi). Keine Chance für diesen Vorschlag. Also wird weiter industriell gefischt. Mit 27 000 Tonnen 2004 bleibt die Menge an Kabeljau die gefangen werden darf, sogar konstant.</P><P>Im Detail setzten die "Freunde der Fische" einige Maßnahmen durch: In typischen Gewässern darf nur an einer festgelegten Zahl von Tagen gefischt werden. Die Stichproben werden deutlich erhöht, um die Einhaltung der Mengen zu kontrollieren. Bei der Anlandung von Kabeljau gibt es Beschränkungen. Vor allem aber hat die EU-Kommission das Recht, Jungfisch- und Laichgebiete zeitweise im Alleingang zu sperren. Auch für andere bedrohte Fischsorten, etwa Scholle oder Seezunge, können künftig rasch Maßnahmen ergriffen werden. Die Bestände sollen sich somit jährlich um 30 % erholen, plant die EU.</P><P>Ob das mit den jüngsten Beschlüssen klappt, ist umstritten: Der Umweltschutzorganisation WWF erscheint es "mehr als zweifelhaft, ob der Kabeljau gerettet werden kann", wie WWF-Fischerei-Expertin Heike Vesper sagt. Greenpeace sieht in "langfristigen Gebietsschließungen für die Nordseefischerei" die einzige Möglichkeit für eine Erholung der Bestände.</P><P>Auch unter den Verhandlungpartnern in Brüssel gibt es einige, die die Kritik im Kern teilen. Die Fangquoten würden dem Ziel nicht gerecht, räumte der deutsche Landwirtschafts-Staatssekretär Alexander Müller ein.</P><P>So tröstet man sich mit Hoffnungen. Die Grundlagen für die Veränderung der Fischereipolitik sind gelegt, macht Müller sich Mut. Auch seine Ministerin Renate Künast lobt bemüht die Beschlüsse: "Damit beginnt eine Wende in der europäischen Fischereipolitik."<BR>Agrarkommissar Franz Fischler, auch er ein Freund der Fische, freut sich, dass es gelungen sei, kritische Länder zu überzeugen. Er zeigte auch Verständnis für die Vertreter einer möglichst unbeschränkten Fischerei. "Ich weiß dass die nächsten Jahre für viele Fischer nicht einfach werden." Für die deutschen Fischer wohl eher: Für deren Favoriten Seelachs und Hering wurden die Quoten sogar erhöht.<BR></P>

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