PIN will Mindestlohn mit Zeitungsboten umgehen

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Berlin (dpa) - Der angeschlagene Briefzusteller PIN Group will nach einem Bericht des Magazins "Focus" mit einem Niedriglohn-Konzept sein Überleben sichern, nachdem die Axel Springer AG als Mehrheitseigentümer am Freitag alle Geldzahlungen an das Unternehmen eingestellt hat.

So wolle PIN mit Hilfe von Zeitungsboten den Mindestlohn in der Postbranche umgehen, schreibt "Focus". PIN- Vorstandsvorsitzender Günter Thiel sehe den "flächendeckenden Einsatz von tausenden Zeitungsausträgern" vor.

Diese sollen nicht nur Tageszeitungen, sondern auch Briefe befördern. Damit wären die Zusteller keine PIN-Angestellten, sondern Mitarbeiter von Zeitungsverlagen. Mit diesen würde die PIN Group kooperieren. Dies sei bereits jetzt "in einigen Regionen" Praxis. Eine Stellungnahme zu dem Bericht war von Springer zunächst nicht zu bekommen.

Nach der Zustimmung des Bundestags für den Postmindestlohn von 9 Euro im Osten und 9,80 Euro im Westen hatte das Medienhaus ("Bild", "Die Welt") am Freitag angekündigt, dass es keine weiteren Finanzmittel für PIN mehr bereitstellen werde. Mit dem Mindestlohn sei der Aufbau des Geschäfts "praktisch unmöglich".

Springer Vorstandschef Mathias Döpfner sagte dem Magazin "Der Spiegel", dass die Investition des Verlags in die PIN Group "seine bisher größte Niederlage" gewesen sei. "Jetzt werden gerade bis zu 600 Millionen Euro vernichtet. Das ist bitter." Zu einem Angebot von Thiel, das Unternehmen für einen symbolischen Euro zu übernehmen, erklärte Döpfner: "So wie er sich das vorstellt, geht das nicht."

Thiel hatte am Freitag sein Angebot bekräftigt, zusammen mit dem Management den Anteil von Axel Springer zu übernehmen. Der Konzern hält 63,7 Prozent am zweitgrößten Postunternehmen in Deutschland mit rund 9000 Beschäftigten. Axel Springer sei bereit, so Thiel, "die Mehrheit an der PIN Group abzugeben, wenn Minderheitsgesellschafter und neue Investoren ausreichend Mittel zur Verfügung stellen, um eine wirtschaftliche Perspektive für die PIN Group in neuer Positionierung zu ermöglichen". Thiel erklärte, im Rahmen eines "Management Buy-Out" (MBO) wolle er mit dem PIN-Management einen hohen zweistelligen Millionenbetrag investieren. Eine Summe für den Kauf der Springer- Anteile nannte er nicht.

In den vergangenen zwei Jahren hatte Europas größtes Zeitungshaus nach eigenen Angaben 620 Millionen Euro in den Briefzusteller investiert. Allein im zweiten Halbjahr 2007 habe der Konzern mehr als 60 Millionen Euro der PIN Group zur Verfügung gestellt, um den Ausbau des Geschäfts zu unterstützen.

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