Tüv Süd will Schiffsdienstleister Germanischer Lloyd übernehmen

- Hamburg/München -­ Der Tüv Süd bietet für den technischen Schiffsdienstleister Germanischer Lloyd (GL). Der größte deutsche Tüv mit Sitz in München hat gestern ein Kaufangebot unterbreitet. "Ziel unserer Offerte ist es, die Mehrheit der Aktien an der Germanischer Lloyd AG zu übernehmen", sagte Peter Hupfer, Tüv-Süd-Vorstandschef.

Ein Abbau von Arbeitsplätzen stehe nicht zur Diskussion, da sich Germanischer Lloyd und Tüv Süd mit ihren Dienstleistungen ideal ergänzten, so Hupfer weiter. In Absprache mit dem GL-Vorstand hat auch und der Hamburger Milliardär Günter Herz (siehe Gesicht des Marktes) den Aktionären ein verbindliches Angebot für bis zu 100 Prozent der Aktien unterbreitet, teilte GL mit. Zum Vorstoß von Herz sagte Hupfer: "Davon lassen wir uns nicht beirren."

Herz würde sich auch dann am GL beteiligen, wenn nur ein Teil der Aktionäre zu einem Verkauf ihrer Anteile bereit wäre. Es gebe keine Mindestquote, die erreicht werden müsse, sagte Hinrich Stahl, Geschäftsführer der Herz-Vermögensverwaltungsgesellschaft Mayfair. Das Angebot sei bis zum kommenden Freitag befristet und ziele auf eine langfristige Weiterentwicklung des Germanischen Lloyd als eine unabhängige Klassifikationsgesellschaft ab. Der französische Konkurrent Bureau Veritas hat inzwischen sein Interesse bekräftigt und will ein neues Angebot vorlegen. Veritas wollte GL gegen den Willen des Vorstands und der Beschäftigten übernehmen. Aus Branchenkreisen hieß es, dass die Franzosen 500 Millionen Euro geboten hätten.

"Herz hat sich über das feindliche Übernahmeangebot geärgert und will sich als Hamburger Kaufmann hier einbringen", sagte Stahl. Der Ex-Tchibo-Chef gilt als exzellenter Unternehmer. In der Schifffahrt war er bisher aber nicht tätig. "Der GL ist ein extrem gut aufgestelltes Unternehmen mit guten Wachstumschancen", sagte Stahl. Der Marktführer bei der Klassifizierung von Containerschiffen könne auch in anderen Bereichen noch wachsen.

Tüv Süd werde eine Offerte für alle 100 000 GL-Aktien vorlegen, die Mindestannahme liege bei 50,1 Prozent ­ deutlich unter den 75 Prozent, die sich Veritas ausbedungen hat. Einen Preis nannte Hupfer nicht. "Ein Abschlag (gegenüber dem Veritas-Gebot) würde sicherlich keinen Sinn machen", sagte er. Name, Logo und der Sitz Hamburg blieben bestehen, das Management solle im Tüv-Süd-Vorstand vertreten sein.

GL mit 3200 Mitarbeitern gehört rund 50 Reedereien, Werften, Banken und Versicherungen und ist weltweiter Marktführer für die technische Überprüfung und Genehmigung von Containerschiffen und will in diesem Jahr einen Umsatz von 355 Millionen Euro erreichen.

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