AEG will das Stammwerk schließen

- Nürnberg - Die Krise der deutschen Hausgerätehersteller im Wettbewerb mit Billiganbietern weitet sich aus. Nach Marktführer Bosch Siemens und dem Premium-Anbieter Miele reagiert nun auch die deutsche Nummer zwei AEG mit drastischen Einschnitten auf Konsumflaute und anhaltenden Preisdruck. Der Aufsichtsrat des schwedischen Electrolux-Konzerns, zu dem AEG seit rund zehn Jahren gehört, lässt eine Schließung des Nürnberger Stammwerks mit 1750 Beschäftigten prüfen.

Die Belegschaft wurde völlig überrascht. Die Nürnberger AEG-Betriebsräte befanden sich auf der Fahrt zu einer Tagung, als sie die Hiobsbotschaft aus Stockholm erreichte. Sie kehrten um, um noch am Nachmittag mit Vertretern der IG Metall die neue Lage zu besprechen. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Rainer Kretschmer gibt sich keinen Illusionen hin: "Wenn so etwas einmal auf dem Tisch liegt, ist es nur noch sehr schwer zu verhindern."<BR><BR>Erst im Februar hatte Electrolux den Sanierer Martin Wolgschaft als neuen AEG-Chef nach Nürnberg geholt. Seine Aufgabe könnte es nun werden, das traditionsreiche, 1922 gegründete Werk abzuwickeln, wo im vergangenen Jahr mehr als 1,6 Millionen Waschmaschinen, Geschirrspüler und Trockner hergestellt wurden.<BR><BR>Rund die Hälfte davon geht in den deutschen Markt. Wie die gesamte deutsche Branche leidet AEG unter dem Preisverfall und der Billigkonkurrenz aus Asien und der Türkei. So will die deutsche Nummer eins Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) das Waschmaschinenwerk in Berlin mit 600 Beschäftigten schließen. Selbst Miele, lange Jahre "Musterschüler" der Branche, streicht jede zehnte Stelle in Deutschland, insgesamt 1100 Arbeitsplätze.<BR><BR>"Das entscheidende Argument ist nur noch der Preis", sagt AEG-Sprecher Michael Eichel. Die Konsumenten seien nicht bereit, für ein in Deutschland hergestelltes Produkt mehr zu bezahlen. Bereits im Februar hatte Electrolux angekündigt, die Hälfte seiner Werke in "Hochlohnländern" auf den Prüfstand zu stellen.<BR><BR>Der "schleichende Tod" der deutschen AEG-Werke könnte sich nun fortsetzen. 2001 war die Staubsaugerproduktion im fränkischen Rothenburg ob der Tauber mit 400 Beschäftigten geschlossen worden. Rothenburg wurde damals allerdings dadurch gestärkt, dass Electrolux den Standort zum Zentrum seiner Kochgeräteherstellung machte. Rund 1000 Beschäftigte stellen dort heute Herde und Kochmulden her. Dafür wurde die Produktion aus dem hessischen Herborn-Burg nach Franken verlagert. Geschlossen wurde auch das Kühlgerätewerk in Kassel mit 400 Beschäftigten.<BR><BR>Das Nürnberger Werk wähnte sich relativ sicher, denn Electrolux hatte es in den vergangenen Jahren mehrmals gestärkt, beispielsweise erst 2003 ein zentrales Callcenter eingerichtet. "Das Herz von AEG schlägt in Nürnberg und künftig soll es noch stärker schlagen", hatte noch im November 2002 der damalige AEG-Chef Egon Minar erklärt. Für den Standort Nürnberg wäre die Schließung ein weiterer herber Rückschlag. Denn auch das schwach ausgelastete Siemens-Trafowerk mit 850 Beschäftigten steht auf der Kippe. Gestern verhandelten dort Geschäftsleitung und Betriebsrat über die Rettung möglichst vieler Arbeitsplätze. <BR>

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